Skandal: Schwarz/Gelb setzt weiter auf Atomlobbyisten Hennenhöfer

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) setzt weiter auf die Unterstützung eines langjährigen Atomlobbyisten: Gerald Hennenhöfer soll für weitere zwei Jahre als Abteilungsleiter für Reaktorsicherheit beschäftigt werden. Ein Skandal, denn Hennenhöfer vertritt unverholen für die Positionen der Atomindustrie.

Nach Informationen der NDR Dokumentationsreihe 45 Min sollte Hennenhöfer eigentlich aus Altersgründen Ende dieses Jahres in Pension gehen. Altmaier plane nun eine Verlängerung seines Vertrages um weitere zwei Jahre.

Hennenhöfer war bereits in den 90er-Jahren unter der damaligen Umweltministerin Angela Merkel (CDU) für Reaktorsicherheit zuständig, bevor er die Seiten wechselte und unter anderem als Rechtsanwalt die Betreiber des Endlagers Asse im Landkreis Wolfenbüttel beriet. Er vertritt die Ansicht, dass eine Bergung des Atommülls nicht nötig sei. Im Untersuchungsausschuss zu Gorleben wies er im September alle Zweifel am Standort zurück. Er selbst stellt sich laut Frankfurter Rundschau als „der unbeliebte Atomlobbyist im Bundesumweltministerium“ vor. Als Chef der Reaktoraufsicht verbot er dem Land Hessen vor Jahren, das störanfällige AKW Biblis stillzulegen. Auch gegen Zweifel an der Sicherheit des Endlagers Morsleben verwahrte sich der Lobbyist – und liess weitere Atommülleinlagerungen in den heute einsturgefährdeten Stollen in Sachsen-Anhalt zu. 1999 unterzeichneter er als Vertreter des Energiekonzerns E.ON den ersten „Atomkonsens“, der den Altmeilern einen Bestandsschutz über Jahre zusicherte. Trittin warf ihn als „Atomlobbyisten“ raus, Norbert Röttgen stellte ihn 2009 wieder ein.

„Der Atomlobbyist gehört zu den Alteisen der Atomindustrie“, wertet Greenpeace-Atomexperte Tobias Riedl.

Der Landrat von Wolfenbüttel, Jörg Röhmann (SPD), der zugleich Vorsitzender der Asse Begleitgruppe ist, spricht von einer „Ohrfeige für die Region“, weil Hennenhöfer den Rückhol-Prozess des Atommülls aus der Asse massiv behindere.

Die Weiterbeschäftigung von Hennenhöfer ist neben dem Skandal, dass sich überhaupt ein derartiger Atomlobbyist in einem Atomausstiegsland behaupten darf, auch ein Offenbarungseid: Schwarz/Gelb laufen die Alteisen, die das Atomfähnchen in Deutschland weiter hochhalten sollen, davon. Immerhin geht es neben der „Lösung“ der Endlagerfrage und Rückholung des Atommülls aus der havarierten Asse bis 2015 schon um die Abschaltung des nächsten AKW. Und um das zugunsten der Atomkonzerne zu verhindern, brauchen die ewig-gestrigen in Union und FDP Leute wie Hennenhöfer.

„Wir erwarten von Kanzlerin Merkel, dass sie ihren eigenen Stall sauber hält von Versuchen, die Energiewende ständig zu torpedieren und eine ’sichere‘ Lösung der Endlagerfrage zu verhindern – anstatt weiter auf Gorleben zu setzen“, so Jan Becker von contrAtom. „Der Atomlobbyist Hennenhöfer ist daher sofort zu entlassen!“

Quellen (Auszug): ndr.de; 02.11.2012

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