Castor-Prozess in Celle: Anti-Atom-Organisationen fordern Freispruch für die beiden Angeklagten

Die beiden Anti-Atom-Organisationen erklären sich mit den beiden Umwelt-Aktivisten solida- risch, denen zur Last gelegt wird, im Rahmen des CASTOR-Transportes zum Zwischenlager Gorleben am 7. November 2010 den Transport- zug bei Dalle im Landkreis Celle gestoppt zu haben.

Am 5. November, 9:00 Uhr, Amtsgericht Celle, Saal 144 findet der zweite Prozess-Termin statt.

Den beiden Umweltschützern wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, öffentliche Betriebe gestört sowie genötigt zu haben. Mittels einer öffentlichkeitswirksamen Aktion, Ankettung an den Gleiskörper zwischen Celle und Uelzen auf Höhe der Ortschaft Dalle, wurde der CASTOR-Transport insgesamt für vier Stunden aufgehalten.

„Der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft über 55 Tagessätze ist völlig überzogen und ungerechtfertigt“, erklärt Nadja Tegtmeyer vom Anti-Atom Bündnis NordOst. „Wir fordern einen Freispruch“, so Tegtmeyer weiter.

Bei einem ähnlich gelagerten Fall einer Ankettaktion an einen Betonkörper (CASTOR-Transport März 2001 zum Zwischenlager Gorleben, der Transport wurde bei Süschendorf, Landkreis Lüneburg für 18 Stunden aufgehalten) waren die Aktivisten zu 35 Tagessätzen wegen Störung öffentlicher Betriebe der Bahn verurteilt worden. Vom Vorwurf der Nötigung wurden die Aktivisten freigesprochen (Quelle: 29 Ns 95/02 Landgericht Lüneburg vom 2. August 2006).

„Wir verurteilen aufs Schärfste den Versuch, den friedlichen Protest der beiden gegen den Weiterbetrieb von Atomkraftwerken und die damit verbundenen Atommülltrans- porte zu kriminalisieren und sagen deutlich: Ihr Protest ist auch unser Protest!“, so Bernd Ebeling von contrAtom – Informationsnetzwerk gegen Atomenergie. „Vor dem Hintergrund der Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima, der noch immer ungeklärten Atommüll-Endlagerfrage und der zahllosen Störfälle, die auch in Deutschland den ‚Normalbetrieb‘ von AKWs begleiten, betrachten wir den Weiter- betrieb von Atomkraftanlagen als einen permanenten und gewissenlosen Angriff auf Mensch und Natur. Den zivilen Ungehorsam gegen die Atomindustrie betrachten wir darum nicht nur als legitim, sondern auch als unsere demokratische Pflicht. Wir erklären ausdrücklich, dass gewaltlose Protestaktionen, welche den beiden Umwelt-Aktivisten zur Last gelegt werden, Teil dieses legitimen und unumgänglichen Wider-stands sind und sehen daher jeden Versuch, diesen Widerstand zu kriminalisieren auch als einen Angriff auf unsere demokratische Grundordnung. Die Atomindustrie missach- tet ständig Menschen- und Umweltrechte, diese gehört auf die Anklagebank“, so Ebeling weiter.

Am 7. November 2010 musste der CASTOR-Transport bereits wenige Kilometer nach dem Passieren der Gleisblockade bei Dalle weitere drei Male in Unterlüß, Suderburg und im Ortsteil Klein Bünstorf der Kurstadt Bad Bevensen erneut stoppen.
Zwischen Unterlüß, Lk. Celle und Bienenbüttel, Lk. Uelzen protestierten weit vor dem Wendland ca. 1.000 Menschen direkt an den Schienen gegen die gewissenlose Atom- industrie.

 

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