GO NETwork ACTogether – mit der Kraft des Windes in eine atomkraftfreie Zukunft

Internationaler Segeltörn für eine weltweite Energiewende ohne Atomkraft mit: Im Ostsee-Raum sollen bis zum Jahr 2020 14 Atomreaktoren in Betrieb gehen. Regierungen gehen damit unkalkulierbares finanzielles Risiko ein. Umwelt-Aktivisten aus sechs Ländern fordern sofortige Einstellung der Bauarbeiten und Planungen für AKWs.

„Go. NETwork. ACTogether – Für eine internationale Energiewende und eine atomkraftfreie Welt“ – das ist das Motto der insgesamt 40 Aktivist_innen, die am 26. August ihren Segeltörn im Stockholmer Hafen starteten. Mit der Kraft des Windes werden sie diese Botschaft von dort entlang der schwedischen Küste bis nach Rügen und Greifswald tragen, wo sie am 9. September ankommen. Die internationale Gruppe mit Teilnehmer_innen aus Schweden, Russland, Litauen, Weissrussland, Polen und Deutschland will sich inhaltlich über die Energiesituation in ihren Ländern, die Gefahren der Atomkraft und die Vielfalt an Alternativen austauschen. Mit dem Traditionssegler Lovis schippern die Aktivisten entlang der schwedischen Küste, mit Visiten am AKW Oskarkamn oder dem deutschen Atommüll-Standort Lubmin bei Greifswald.

Nach dem GAU im japanischen Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi zeichnet sich kein Wechsel in der Energiepolitik im Ostseeraum ab. Weiterhin wird in den Ostsee-Anrainerstaaten auf die gefährliche und teure Atomenergie gesetzt. Derzeitig sind vier Atom-Reaktoren, davon drei in Russland (Baltic 1, Leningrad II 1 und 2) und einer in Finnland (Olkiluoto 3) in Bau. Bis zum Jahr 2020 sollen weitere zehn Reaktoren in Finnland, Litauen, Polen, Russland und Weißrussland in Betrieb gehen. Dabei gehen die Regierungen mit der Energie aus Atomkraftwerken ein nicht kalkulierbares finanzielles Risiko ein. Seit dem Jahr 2003 sind die Baukosten rasant gestiegen, die Kostensteigung für die Herstellung neuer Reaktoren betrug innerhalb von neun Jahren ca. 400 %. Im Jahr 2003 lagen die Baukosten bei 1.274 EUR je kW installierter elektrischer Leistung, in 2012 betragen die Kosten schon 5.400 EUR je kW. So betragen die Kosten für den in Finnland (Olkiluoto 3, Leistung 1.600 MW) seit dem Jahr 2005 in Bau befindlichen Druckwasser-Reaktor ca. 6,6 Mrd. EUR. Ursprünglich waren für das sogenannte europäische Vorzeige-Projekt 3 Mrd. EUR von AREVA und Siemens kalkuliert worden.

Ebenso sind die Produktionskosten gestiegen von 28 EUR je MWh in 2003 auf im Mittel 138 EUR je MWh im Jahr 2012 gestiegen. Dieser Wert entspricht einem Produktionspreis 0,138 EUR je kWh. In Deutschland wird die kWh an der Strombörse in Leipzig mit ca. 0,05 EUR je kWh deutlich günstiger gehandelt. Da in einigen Ostsee-Ländern eine Überkapazität an Kraftwerksleistung vorhanden ist und zunehmend in erneuerbare Energien investiert wird wird zukünftig der teure Strom aus Atomkraftwerken schwer zu verkaufen sein. Ein weiteres Argument gegen Atomenergie ist die ungelöste Entsorgungsfrage. Unabhängig von der Frage wo und wie der Atommüll zu lagern sein wird sind die Kosten für die Lagerung nur zu einem verschwindend geringem Anteil in die Produktionskosten von Atomkraftwerken einkalkuliert. „Die “wahren Kosten” einer Kilowattstunde Atomstrom müssen endlich seriös berechnet werden“, fordert Bernd Ebeling von contrAtom. Nach Berechnungen von contrAtom und Greenpeace wären beispielsweise in Deutschland bei Kalkulation der Atommüll-Lagerungskosten über 20.000 Jahre (die Halbwertszeit von Plutonium beträgt ca. 24.000 Jahre) die Produktionskosten aus AKWs um 1,52 bis 2,00 EUR je kWh zu erhöhen. Kein Mensch würde überhaupt in Erwägung ziehen, Atomstrom bei dieser Schieflage zu kaufen. Dass Entscheidungsträger aus Politik und Energiewirtschaft immer noch an der teuren Atomkraft festhalten, zeige deutliche Mängel in betriebswirtschaftlichen Denken. Beispielsweise in Deutschland gibt es bereits einige Regionen, welche mit erneuerbaren Energien (EE) weit über 100 % des Energiebedarfes decken, und das zu günstigeren Preisen. Mit der Fossierung der EE in Deutschland ist der Strompreis (Produktionspreis wie er an der Strombörse in Leipzig gehandelt wird) seit dem Jahr 2008 um ca. 20 % gesunken. Wir appelieren an die Regierungen der Ostseeanrainerstaaten neue Wege in der Energieversorgung zu bestreiten und nicht die Augen zu verschließen.

Die anvisierten Investitionen wären erheblich effizienter für den Ausbau in erneuerbare Energien einsetzbar. Der Umbau der Energieversorgung zu regional überall verfügbaren und zu produzierender erneuerbare Ernergien hat viele Vorteile. Daher fordern die Aktivisten eine unumkehrbare Energiewende ohne Atomkraft.

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    24. April 2011 – Die Ostsee ist das am stärksten kontaminierte Meer der Welt. Sie ist stärker mit Radioaktivität belastet als beispielsweise die irische See, in die die Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield (England) täglich ihre Abwässer pumpt. Zu diesem Status tragen vor allem die schwedischen und finnischen Atomanlagen bei.
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    24. April 2011 – Fische aus der Ostsee sind deutlich stärker radioaktiv belastet als aus der Nordsee. Der Unterschied liegt etwa beim Faktor zehn. Das geht aus einer Studie des staatlichen Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTi) hervor. Wegen der vielen Atomanlagen an den Ufern, Fallout von Tschernobyl und dem geringen Austausch von Wasser ist die Ostsee das am stärksten kontaminierte Meer der Welt.

Quelle: bernd@contratom.de/gonetact.wordpress.com

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