Atom-Transporte in Schacht Konrad nicht sicher

Künftige Transporte mit Atommüll zum Endlager Schacht Konrad bei Salzgitter könnten nach Ansicht von Experten die Sicherheit der Bevölkerung gefährden. Das kritische Gutachten weist auf eklatante Mängel in bishigren Ausarbeitungen hin, auf deren Grundlage die Inbetriebnahme des Atommüllendlagers fusst. Atomkraftgegner fordern den sofortigen Stop der Ausbauarbeiten.

Schacht Konrad

Zufahrt zum Schacht Konrad

Das Gutachterbüro Intac hatte im Auftrag der Stadt Salzgitter die „Transportstudie“ des Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) untersucht und bemängelt vier Kernpunkte: weder „realistische radiologische Bedingungen“ noch der „schlimmste anzunehmende Fall“ würde vom BfS berücksichtigt. Auch die mögliche Strahlenbelastung für die Bevölkerung werde falsch eingeschätzt. Weil die Abfallentsorger stetig versuchten, die Kosten zu optimieren, verändern sich laut Intac auch die Verpackungsmethoden. Das Ziel: die zulässigen Werte der Strahlung bis zum gesetzlichen Grenzwert ausschöpfen. Damit erhöht sich das gesamte radioaktive Inventar – und das Risiko. Die Transportstudie würde diese Höchstwerte nicht berücksichtigen. Zudem werden vom BfS für Unfälle nur Mittelwerte angegeben, nicht aber der „schlimmsten anzunehmenden Fall“ zu Grunde gelegt. Somit werden seltene Ereignisse ausgeblendet – so zum Beispiel die Gefahr eines gezielten Terroranschlags. Alle Atommüllzwischenlager müssen zur Zeit wegen dieser potentiellen Gefahr mit Schutzmauern nachgerüstet werden.

Dipl.-Physiker Wolfgang Neumann von der Intac GmbH, der die Bewertung der GRS-Transportstudie übernommen hatte, kritisiert schon die Auswahl der Methodik:

„Die GRS hat für die Ermittlung der Transportunfallauswirkungen die Methodik der probabilistischen Risikoanalyse gewählt,“ heißt es in der Fachbewertung. „Dieser Ansatz ist zwar wissenschaftlich anspruchsvoll, führt aber nicht zu einem abdeckenden Bild für maximal plausible Strahlenbelastungen. Die Methodik ist deshalb beispielsweise für Entscheidungen über Notfallschutzvorsorge nicht geeignet.“

Das Gutachterbüro werde nun seine ersten Ausarbeitungen bis September vertiefen, so Oberbürgermeister Klingebiel. Die Motivation der Stadt, die durch Untätigkeit bei der Genehmigung von oberirdischen Bauten bereits für erhebliche Verzögerungen bei der Fertigstellung des ersten genehmigten Atommüllendlagers für schwach- und mittelaktive Abfälle sorgte, ist einfach: Oberbürgermeister Frank Klingebiel will eine hundertprozentige Sicherheit für die Salzgitteraner, „keine relative“.

Das Endlager Schacht Konrad soll nach zahlreichen Verzögerungen frühestens 2019 in Betrieb gehen und wird immer teurer. Gemäß der Genehmigung dürfen bis zu 303 000 Kubikmeter gering wärmeentwickelnde Abfälle aus Deutschland eingelagert werden.

Atomkraftgegner wehren sich seit Jahrzehnten gegen das Endlager, das keinen geeigneten Langzeitsicherheit für die Verwahrung von Atommüll hat. Vom 24.-26. August findet anlässlich des 25jährigen Bestehens der „Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad“ ein Protestcamp gegen die Endlagerpläne statt.

  • Reichlich Gemeinsamkeiten zwischen ASSE II und KONRAD
    22. Juni 2012 – Auch dem einzigen genehmigten Atommüllendlager Deutschlands, Schacht Konrad, droht das Ersaufen. Es gibt ähnliche Probleme wie in dem havarierten Bergwerk Asse-II, so Geochemiker Dr. Ralf Krupp. Er widerspricht damit Äußerungen von Niedersachsens Umweltminister Birkner, der keine Zweifel an der Sicherheit von Konrad hat.
  • Kinder haften für ihre Eltern: Birkner für schnelle Atommülleinlagerung in Schacht Konrad
    8. Juni 2012 – “Hier wurde ein Zug aufs Gleis gesetzt, und der fährt jetzt”. Der niedersächsische Umweltminister Stefan Birkner (FDP) geht davon aus, dass das neue Atomendlager Schacht Konrad im Jahr 2019 in Betrieb geht. Atomkraftgegner warnen vor den nächsten dramatischen Fehlern, die durch vorschnelles Handeln erzeugt werden. Aus dem havarierten Endlager Asse-2 muss gelernt werden, dass das Verbuddeln von Atommüll keine sichere Entsorgungslösung ist.
  • Kritik unerwünscht: Schacht Konrad wird beschleunigt
    29. August 2011 – Nun doch 2014. Schon in 3 Jahren soll erster Atommüll im ehemaligen Eisenerzbergwerk Schacht Konrad eingelagert werden. Nachdem die Stadt Salzgitter die weiteren Genehmigungen erfolgreich blockiert hatte, will sich nun das Sozialministerium um eine endgültige Bauerlaubnis kümmern. Atomkraftgegner fordern den Stopp des Projekts, denn die Tiefenlagerung von Atommüll ist schon lange nicht mehr Stand von Wissenschaft und Technik.
  • Atommüllendlager im Schacht Konrad?
    16. August 2011 – Das ehemaligen Eisenerzbergwerk Schacht Konrad bei Salzgitter soll zur Atommülldeponie für ganz Deutschland werden. Kaum einer redet über Sicherheitsbedenken, denn es soll die Lösung für den gesamten schwach- und mittelaktiven Müll werden – vielleicht sogar für das Inventar des havarierten Endlagers Asse-II.
  • Erhebliche Verzögerungen beim Bau von Schacht Konrad
    30. Oktober 2010 – Die niedersächsische Landesregierung hat einen Antrag des Bundesamtes für Strahlenschutz zurück gewiesen, nun kann der Bund das Endlager nicht mehr im sogenannten “privilegierten Verfahren” bauen. “Erhebliche Verzögerungen” könne das bedeuten, nicht vor 2019 soll Schacht Konrad fertig sein. Schon immer untauglich, sagen Atomkraftgegner und fordern die Atommüllproduktion sofort zu beenden.

Quellen (Auszug): wendland-net.de, dpa, 01.08.2012; braunschweiger-zeitung.de, 31.07.2012

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Solidaritäts-Aktion „nirgendwo“
Artikel-Archiv