Mythos der „sicheren Atomkraft“ ist Schuld an Fukushima

Die Atomkatastrophe in Fukushima ist nach Ansicht der japanischen Regierung auch Folge eines „Sicherheitsmythos“, das die Atomlobby jahrzehntelang um die Atomkraft aufgebaut hat. Die Atomaufsicht habe zu sehr auf die Sicherheit der Atomkraft vertraut, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Abschlussbericht eines offiziellen Untersuchungsgremiums des Fukushima-GAU. Diese falsche Annahme ist die Grundlage für den derzeitigen Weiterbetrieb der AKW auf der ganzen Welt, merken Atomkraftgegner an.

Eine vom japanischen Parlament eingesetzte Kommission unabhängiger Experten hatte kürzlich sowohl der Regierung als auch der Atomlobby ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. Demnach war das Unglück im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi vorhersehbar und vermeidbar gewesen. Als Folgen der dreifachen Kernschmelze können auch knapp eineinhalb Jahre nach der Katastrophe mehr als 100.000 Menschen nicht in ihre Heimat zurückkehren. Auch die Atomruinen sich noch immer nicht unter Kontrolle. Nach Einschätzung der Regierung kann wegen der hohen Strahlung frühestens in zehn Jahren damit begonnen werden, den Brennstoff aus den Reaktoren 1 bis 4 zu entfernen. Der vollständige Rückbau des Atomkraftwerks dürfte etwa 30 bis 40 Jahre dauern.

Auch in Deutschland zimmern Atomkonzerne und atom-freundliche Politiker an einem „Sicherheitsmythos“. Das Risiko eines schweren Unfalls wird heruntergerechnet und mit falschen Tatsachen verdreht. Zudem ist die Industrielobby mit einem großen Budget ausgestattet, was solche millionenschwere Propaganda-Kampagnen ermöglicht. Dem entgegen werden Kritik und wissenschaftliche Expertisen, die nicht die gewünschten Ergebnisse bringen, diffamiert.

„Jedes Land erzählt seinen Menschen, es hätte die ’sichersten‘ Reaktoren der Welt“, so Jan Becker von contrAtom. „Die Politik sollte schleunigst gegen die Macht der Atomlobby vorgehen und Veröffentlichungen zum Beispiel des ‚Deutsche Atomforums‘ sehr kritisch hinterfragen.“

Quelle (Auszug): dpa, 23.07.2012

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Solidaritäts-Aktion „nirgendwo“
Artikel-Archiv