Ein Jahr Energiewende – Atomlobby bastelt an Comeback

Ein Jahr nach dem Beschluss der Bundesregierung zum stufenweisen Atomausstieg bis zum Jahr 2022 ist die Energiewende in Deutschland noch nicht soweit, wie sie sein könnte. Würden alle Politiker an einem Strang ziehen, wäre der Kraftakt, der mit der Reaktorkatastrophe von Fukushima eingeläutet wurde, effektiver und gerechter zu meistern. Aber im Gegenteil basteln Atomlobby und -industrie gemeinsam mit der Politik an einem Comeback der alten Atomkraftwerke.

atomanlagen stilllegen!Eine Abkehr von dem Ausstiegs-Fahrplan fordert die Kerntechnische Gesellschaft (KTG). Es sei kein Fahrplan erkennbar, wie die Leistung der Kernkraftwerke ersetzt werden könnte, zudem könnten aufgrund fehlender Leitungs- und Speicherkapazitäten die erneuerbaren Energien auch auf lange Sicht keinen vollwertigen Ersatz bieten. Die Versorgungssicherheit und die Preisstabilität sind laut Sprecherin Petersen in Gefahr.

Die Politik lässt viele Fragen offen. Angela Merkel betont, sie stehe zur Abschaltung der AKW. Der neue Umweltminister Altmaier wirbt damit, der „Abschied aus der Kernenergie sei definitiv und endgültiger“, er wolle bis Ende des Jahres einen Kompromiss zur Bewältigung der Probleme beim Atomausstieg schaffen. Und betont, er wolle künftig auch den Klimaschutz wieder in den Fokus rücken. Die CO2-Reduktion war ein starkes Argument der Atomlobby für AKW-Laufzeitverlängerungen.

Um das bayrische AKW Grafenrheinfeld, das als nächster Reaktor 2015 vom Netz gehen soll, regt sich der Widerstand gegen die Stilllegung – als Argument führt das Land die Versorgungssicherheit an. Offensichtlich bastelt die Atomlobby also an ihrem Comeback.

Die steigenden Preise sind von den Konzernen gemacht: nicht die Öko-Umlage sondern die Netzentgelde haben im vergangenen Jahr für die Erhöhung gesorgt. Das Problem ist wegen jahrzehntelanger Energiewende-Blockade hausgemacht, weil nichts in die Netze investiert wurde.

„Mit dem Atomausstieg ist Deutschland auf einem guten – und dem einzig richtigen Weg“, so Jan Becker von contrAtom. „Uns fehlen aber eine Reihe von Aspekten, die sträflich vernachlässigt wurden. Grundsätzlich dürfen die Risiken eines möglichen Super-GAUs und die fehlende Entsorgung nicht gegenüber steigenden Strompreisen oder Versorgungssicherheit relativiert werden. Gemeinsam müssen die Anstrengungen für dezentrale Energieversorgungsstrukturen verstärkt werden. Wer diese Pläne blockiert, gehört aus den Parlamenten gewählt bzw. politisch überstimmt. Am Ende wird aber die Stilllegung jedes einzelnen AKW auf der Straße erkämpft werden müssen.“

  • Die Wahrheit zum Atomausstieg
    5. Juni 2012 – Deutschland steigt aus. Ein Medienrummel, eine Anti-Atom-Kanzlerin, der (ehemalige) Umweltminister Röttgen wird zum AKW-Abschalter. Doch ein ganz dicker Brocken ist im Zusammenhang mit dem neuen „Konsens“ über den Atomausstieg auf der Strecke geblieben.
  • Erneuerbare Energien holen Atomkraft ein
    9. Dezember 2011 – Mit über 40 Milliarden Kilowattstunden ist Windkraft die wichtigste regenerative Energiequelle geworden, die immer wieder neue Rekorde aufstellt. Die Erneuerbaren Energien ziehen beim Anteil am Strommix mit der Atomenergie gleich – und werden sie wohl im nächsten Jahr überholen.

Quelle (Auszug): dpa, handelsblatt.com; 05.06.2012

4 Kommentare

  1. Zum Thema „potenzielle Supergaus“: Natürlich bin ich der Meinung, dass wir alte Reaktoren in einigen Jahren abschalten sollten. Diese sollten dann durch andere Reaktoren der Generation 3 und 3+, wie dem Europäischen Druckwasserreaktor und später, wenn diese Reaktoren fertig entwickelt sind durch Reaktoren der Generation IV.
    Es ist ihnen sicherlich auch klar, dass diese neueren Reaktoren deutlich bessere Sicherheitseigenschaften haben.
    In dem Höchsttemperaturreaktor, der im Zuge des Generation IV International Forum entwickelt wird, ist eine Kernschmelze konzeptbedingt ausgeschlossen.
    Lesen sie sich den Wikepedia Artikel zu Generation IV International Forum mal durch. Dabei können sie noch etwas lernen.

  2. …tralalla, ich mach mir die Welt, widdewidde, wie sie mir gefällt!
    Diese Welt sieht dann so aus:
    Fossile Brennstoffe sind gar nicht begrenzt – ha! – sondern stehen uns so lange wir wollen in unbegrenzter Menge zur Verfügung!
    Transmutation – okay, bisher fernes Wunschdenken der Forscher, Erfolgsaussichten ungewiss – funktioniert dann einfach, schwuppdiwupp.
    Plutonium – kein Stoff, aus dem man Atombomben bauen kann – neeiin, ein Schelm, wer Böses dabei denkt! – sondern ein kostbares Material zu kostengrünstigen Wiederverwertung!
    Radioaktieve Verseuchung von Landstrichen beim Uranabbau? Hallo, das läuft unter Entwicklungshilfe! Im nächsten Schritt stellen wir denen dann sogar ein hübsches, kleines Atomkraftwerkchen in die Wüste (wär ja ne Sünde und absolute Platzverschwendung die mit Windrädern und Photovoltaik vollzustellen).
    Windräder – Verspargelung. Lassen sich auch so schlecht für Hunderttausende Jahre in maroden Salzstöcken lagern, wenn ausgedient, da zu sperrig.
    Photovoltaik – Verspiegelung. Dass im Mai zum ersten Mal an einigen Stunden der gesamte Strombedarf Deutschlands gedeckt wurde, ähh… blende ich aus. Wo kämen wir denn hin, wenn jedes Kaff sich mit den eigenen Solarzellen auf den Dächern selbst versorgen würde? Und das mittelständische Handwerk neue Arbeitsplätze schaffen würde? Neeeee, viel zu subventioniert – im Gegensatz zur Atomenergie (ha der war gut!)
    Potentielle Super-GAUs – nix als German angst. Hallo, Atome sind winzig klein und niedlich, die tun doch keinem was! Die kann man noch nicht mal mit ner Lupe sehen. Wo ist bitte das Problem?
    Klimaschutz – klar, was anderes hatten Eon, EnBW, RWE & Vattenfall noch nie im Sinn, selbstlos wie immer. Okay, die paar Kohlekraftwerkchen, die sie nebenher noch betreiben – das darf man alles nicht so eng sehen. Außerdem: Wenn Sie die Wahl hätten zwischen Pest (Klimakatastrophe) & Cholera (Atommüll) – wer würde sich da für ein Antibiotikum (Erneuerbare) entscheiden?
    So sieht’s aus in Fissus Welt! Alle Groß und klein, tralala, lad ich zu mir ein!

  3. Meiner Meinung nach war der Ausstieg aus der Kernenergie eine kurzsichtige Entscheidung, da diese dringend notwendig ist um Klimaschutzziele zu erreichen und eine kostengünstige Technologie ist.
    Die Probleme der Kernenergie sind durchaus durch moderne Technik lösbar. 
    Die Halbwertszeit des radioaktiven Abfalls kann zB. durch Transmutation gesenkt werden.
    Die Menge der Abfallstoffe kann durch die Wiederaufbereitung gesenkt werden.
    Dass bei der Wiederaufbereitung aus dem „Atommüll” mit chemischen Mitteln herausgelöste Plutonium kann in Kernreaktoren wieder zur Gewinnung  elektrischer Energie genutzt werden. 

    In Entwicklung befindende Reaktoren 
    der Generation 4, wie der Höchsttemperaturreaktor (very high
     temperature reaktor system, VHTR) haben enorm hohes Potenzial. 
    Der Atommüll kann mit ihnen auf ein sehr geringes Maß begrenzt werden, da schnelle Neutronenspektren genutzt ( zB. bei dem Konzept des schnellen gasgekühlte Reaktors ) werden um minore Aktinide vollständig wiederzuverwerten. Diese Abfallstoffe müssen dann keineswegs hunderttausende von Jahren gelagert werden, sondern nur noch einige hundert, da diese sind aufgrund langer Halbwertszeiten der Grund dafür sind, dass der Atommüll noch über lange Zeit eine relativ hohe Aktivität besitzt und somit noch gefährlich ist.
    Außerdem wird die Sicherheit mit diesen Anlagen weiter signifikant erhöht.
    Es wird zudem noch an der Verwendung von Thorium als Brennstoff und an neuen Brutreaktoren geforscht. Der Brennstoff soll bei diesen neuen Reaktoren besser genutzt werden.

    Eine weitere interessante Technik ist, wie ich finde, der Laufwellenreaktor, bei dem aus Uran 238 durch Neutroneneinfang Uran 239 wird, welches mit einer Halbwertszeit von 23.5 min zu Neptunium 239 zerfällt, das wiederum mit einer Halbwertszeit von 2.355 Tagen zu Plutonium 239 zerfällt, welches durch Neutronen spaltbar ist.
    Der Vorteil an diesem Reaktor ist, dass man nur ein wenig angereichertes Uran benötigt und der Reaktor dann mit Natururan oder abgereichertem Uran Weiterbetrieben werden kann. So werden die Massen an bisher wertlosem Uran 238 nutzbar und man braucht sich keine Sorgen machen dass der Brennstoff für die Kernreaktoren ausgeht. Dieser Reaktor ist nicht dazu geeignet Plutonium für Waffen zu produzieren, da das Plutonium nicht herausgetrennt werden kann.

    Damit auch ärmere Entwicklungsländer in die Kernenergie einsteigen können muss ein wichtiges Ziel sein Kernkraftwerke erschwinglich zu machen. Ein interessanter Ansatz sind kleine Reaktoren wie der Toshiba 4s 
    ( 4s steht für super-safe, small and simple ) mit einer Leistung von 10 o. 30 MW . Einer dieser Reaktoren soll in Alaska erprobt werden. Die Anlagekosten belaufen sich auf ca. 50 Millionen. Dieser Reaktor ist auch dazu geeignet abgeschiedene Gegenden mit Strom zu versorgen.

    Die Kernspaltung hat zweifelsohne noch ein gewaltiges Potenzial, deswegen muss noch weiter an ihr geforscht werden. Es ist nur der politische Wille erforderlich. Kernenergie ist die Energie der Zukunft, nicht Wind und Solarenergie, welche weit weniger großes Potenzial haben. Man bräuchte extrem viele Windräder um Deutschland mit Strom zu versorgen, dagegen nur ca. 100 Kernkraftwerke. Außerdem weht der Wind nicht immer, Kernenergie ist dagegen immer verfügbar. Photovoltaik ist sowieso Unsinn, besonders hier, in unsren Breitengraden, da sie trotz extrem hoher Subventionen ( siehe Einspeisevergütung ) nur 2-3% am deutschen Strommix ausmacht.

    Kernspaltungsreaktoren eignen sich zudem auch noch für weitere Zwecke außer der Stromerzeugung, sie können große Schiffe antreiben ( hier eignen sich besonders kleine Reaktoren mit weniger als 10 MW ), Prozesswärme für die Industrie liefern sie eignen sich zur thermochemischen Wasserstoffproduktion (Schwefelsäure Iod Verfahren) und zur Kohleveredelung.

     Allerdings sehe ich die Kernspaltung bei der Stromversorgung nur als Brücke zu der Kernfusion, welche dazu imstande ist, die Energieprobleme der Welt dauerhaft zu lösen und dass vollständig ohne Unfallrisiko.

    Ich hoffe, dass die politischen Parteien wieder auf die Kernenergie setzen und die Forschungen an neuen Reaktoren und der Kernfusion vorantreiben.

  4. …ganz zu schweigen von der Energiearmut-Kampagne, die gerade durch die Nachrichten geistert. Zu hülf, die Energiewende soll einen Drei-Personen-Haushalt 15 € im Monat kosten – hallo!?! Das sind mindestens 5 Döner. Oder 1 CD. Oder 2 Cocktails. Das ist natürlich niemandem zuzumuten, seinen Konsum derart DRASTISCH einzuschränken. Dann doch lieber Klimakatastrophe und radioaktiv verseuchte Landschaften, bevor ich derart darben und verzichten muss… Horrorszenarien, das Familien der Strom abgeschaltet wird; Vorschläe bzgl. sozial gestaffelter Strompreise – genial! Hallo Leute man kann auch Energie EINSPAREN! (z.B. weniger Fernsehen gucken sondern gegen Atomkraft demonstrieren).
    Achja, eins noch: Was kostet mich als Steuerzahler (berufstätige Mutter dreier Kinder, 2 davon unter 3 Jahren) eigentlich das Betreuungsgeld im Monat? Oder die Sanierung der Asse & Morsleben (muss ich dafür als Ökostrom-Kunde eigentlich aufkommen)?
    Diese Bundesregierung ist wirklich eine biblische Plage. Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Atomausstieg? – Dann habt ihr mich an der Hacke, Freunde, und zwar mit allen Schikanen…!

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