Atomtransport aus Obrigheim nach Lubmin geplant

Morgen wird ein Binnenschiff mit Atommüll das Atomkraftwerk Obrigheim verlassen und Kurs auf das Zwischenlager Nord nehmen. Dort sollen die radioaktiv strahlenden Teile für Jahrzehnte eingelagert werden. Atomkraftgegner kritisieren die ungelöste Endlagerfrage und verweisen erneut darauf, dass die Bevölkerung in Lubmin bei der Errichtung des Lagers getäuscht wurde.

Es handelt sich laut Betreiber EnBW um zwei Dampferzeuger sowie zwei Motoren, die am morgigen Donnerstag, 24.05., auf dem Wasserweg zur weiteren Bearbeitung durch die Energiewerke Nord GmbH (EWN) nach Lubmin transportiert werden sollen. Durch die Dampferzeuger wurde radioaktives Speisewasser gepumpt, sie wiegen jeweils rund 160 Tonnen.

Das Lager an der Ostseeküste war damals direkt neben den acht Blöcken des Atomkraftwerks Greifswald errichtet worden, um Abfälle aus dem Abriss der ehemaligen DDR-Reaktoren in Rheinsberg und Greifswald aufzunehmen. Bis heute wurden die Einlagerungsgenehmigungen insofern abgeändert, dass sogar hochradioaktiver Müll aus Karlsruhe in Castorbehältern antransportiert werden durfte.

Der Betreiberkonzern Energiewerke Nord GmbH, der auch die Bauteile aus Obrigheim zerlegen und für eine Endlagerung vorbereiten wollen, betreiben ein Atommüllgeschäft im großen Stil. Dank der hohen Grenzwerte für Strahlung können die Strukturteile nach einer Reinigung „freigemessen“ werden und in den konventionellen Rohstoffkreislauf geführt werden. Die Teile strahlenden dann noch immer – nur unterhalb der geltenden Grenzwerte. Die zu hoch strahlenden Reste sollen zu einem späteren Zeitpunkt wieder in das AKW Obrigheim gebracht werden, um dort auf ein Endlager zu warten.

Atomkraftgegner verweisen auf das ungelöste Atommüllproblem: „Wieder einmal karren die verantwortlichen Betreiberkonzerne Atommüll quer durch die Republik, ohne eine tatsächliche Lösung für die strahlenden Reste zu haben“, so Jan Becker von contrAtom. „Lubmin verkommt zum Ort des Atommüll-Tourismus – das ist nicht akzeptabel. Die Bevölkerung wurde damals belogen, als ausschließlich DDR-Müll versprochen wurde. Nun macht die EWN ein dickes Geschäft mit angeblicher Entsorgung – kommt es zur Freisetzung von radioaktiven Partikeln, leiden die Menschen. Wir fordern eine umfassende Debatte um die künftige Behandlung von radioaktive Abfällen. Alle Grenzwerte müssen überarbeitet werden, denn auch sehr geringe Strahlung kann krank machen.“

Quelle (Auszug): enbw.com; 22.05.2012

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