Japan ist atomstrom-frei

Seit dem Wochenende ist zum ersten Mal seit 42 Jahren das letzte der vormals 54 japanischen Atomkraftwerke vom Netz – damit ist Japan komplett atomkraftfrei. Seit den vier Fukushima-Katastrophen wurde noch keine Bewilligung zum Neustart eines AKWs erteilt. Tausende Atomkraftgegner protestieren gegen die geplante Inbetriebnahme.

Tausende Atomkraftgegner sind am Samstag in Tokio auf die Straße gegangen und forderten eine grundlegende Wende in der Energiepolitik des Landes.

„Hunderttausende Menschen leiden unter den Folgen der Katastrophe von Fukushima. Einem weiteren nuklearen Risiko darf die japanische Bevölkerung nicht ausgesetzt werden“, sagt Junichi Sato, Geschäftsführer des japanischen Greenpeace-Büros.

„Die japanische Regierung versucht seit Fukushima mit Alibi-Stresstests und Panikmache vor Stromausfällen die Bevölkerung dazu zu bewegen, das Hochfahren von Atomkraftwerken zu erlauben“, berichtet Reinhard Uhrig, Atomexperte von GLOBAL 2000. „Die Japanerinnen und Japaner allerdings durchschauen das falsche Spiel der Regierung und wehren sich massiv gegen das Wiederanfahren der ersten Reaktoren im Atomkraftwerk Oi, wo ernsthafte Mängel erst in einigen Jahren behoben werden sollen.“

„Ein derart rasanter Schnellausstieg aus der Kernkraft wie in Japan ist in der Geschichte beispiellos und zeigt, dass die Energiewende grundsätzlich machbar und auch sehr schnell umsetzbar ist“, so IWR-Direktor Dr. Norbert
Allnoch.

Ob einzelne abgeschaltete japanische Kernkraftwerke je wieder ans Netz gehen, ist ungewisser denn je. Zustimmen müssen die lokalen Regierungen, die sich aber nach dem Fukushima-Unglück mehr Sorgen um die
Sicherheit der eigenen Bevölkerung machen als vor der Reaktorkatastrophe.

„In Deutschland gibt es unter den Freunden der Atomkraft schon einen Aufschrei, wenn nur acht von 17 AKW stillgelegt werden. Doch das japanische Vorbild zeigt, dass wir auch auf die noch laufenden neun Reaktoren von heute auf morgen verzichten könnten. Jedes Atomkraftwerk, das weiterläuft, birgt tagtäglich das Risiko des nächsten Super-GAU“, so Jochen Stay von ausgestrahlt.

Quellen (Auszug): greenpeace.de, global2000.at, ausgestrahlt.de; 06.05.2012

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