Der Neubau von Atomkraftwerken ist ein höchst riskantes Spiel

Es ist nicht nur die ungelöste Entsorgung des Atommülls oder die latente Gefahr eines schweren Unfalls. Laut eines Berichts der britischen Energy Fair Group muss sich jeder, der Investitionen in neue Atomkraftwerke in Betracht zieht, mit fünf wesentlich Risikobereichen auseinandersetzen: Marktrisiko, Kostenrisiko, Subventionsrisiko, politisches Risiko und Baurisiko. Im Ergebnis ist der Neubau von Atomkraftwerken ein höchst riskantes Spiel.

AKW-BildDie rasch fallenden Kosten für Strom aus Sonne, Wind und Biomasse in Verbindung mit der wahrscheinlichen Vollendung des europäischen Binnenmarkts für Elektrizität wird es kleinen wie grossen Abnehmern ermöglichen, ihre eigene Elektrizität zu produzieren oder diese überall in Europa einzukaufen. Mit dem steigenden und flexiblen Angebot sinken die Preise – während Atomenergie teuer bleibt.

Die Banken wissen um das Risiko, dass sich Atomkraftwerke nicht mehr rechnen – und vergeben kaum noch Kredite für Atom-Projekte. Die deutschen Energiekonzerne E.ON und RWE planten die Bau von AKW in England – und zogen die Pläne wegen Investitionsrisiken zurück. Also ist für den Neubau von Atomkraftwerken eine hohe finanzielle Unterstützung von Staatsseite nötig. Diese Subventionen könnten durch eine offizielle Beschwerde bei der Europäischen Kommission, durch rechtliche Massnahmen oder durch Handlungen von Politikern jederzeit entfallen.

Beim Bau von Atomkraftwerken kommt es häufig zu Überschreitungen von Kostenvoranschlägen und geschätzter Bauzeit. Der „Europäische Druckwasserreaktor“ im finnischen Olkiluoto war für 3 Milliarden Euro schlüsselfertig angeboten worden und sollte 2011 in Betrieb gehen. Heute belaufen sich die Kostenschätzungen auf 6,6 Milliarden und mit einer Inbetriebnahme ist nicht vor 2014 zu rechnen.

Durch die zusätzliche Komplexität neuer Sicherheitssysteme nach den Reaktorunfällen von Fukushima wird der Bau in absehbarer Zukunft ein noch größeres Risiko für mögliche Investoren darstellen. Die nächste nukleare Katastrophe – und in der Vergangenheit kam es weltweit im Durchschnitt alle elf Jahre zu einem katastrophalen Störfall – wird mit grosser Wahrscheinlichkeit erneut zu entschiedeneren Massnahmen von Seiten der Politiker führen. Fukushima sorgte in etlichen Ländern zu einem Umdenken.

Atomkraft bleibt also ein politische Entscheidung – und ist gegen die ablehnende Mehrheit in der Bevölkerung langfristig nicht zu machen. Auch der Markt zwingt die AKW-Dinosaurier zum Umdenken.

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    23. Juli 2011 – Deutschland steigt aus. Bis 2022 sollen in einem Stufenplan alle Atomkraftwerke abgeschaltet werden, das erste bereits 2015. Schwarz/gelb feiert das eigene Einknicken im Fortbestand der Atomenergie als Erfolg, rot/grün stimmt mit dem Argument “alternativlos” zu. In Vergessenheit geraten darf aber nicht, dass die Atomenergie ohne staatliche Subventionen gar nicht existieren könnte. Und der Abbau der Alt-Anlagen wird den Staat noch Milliarden kosten.

Quelle (Auszug): finanznachrichten.de; 27.03.2012

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