Erhöhte Strahlung in Gorleben: Betreiber gibt Entwarnung

Die Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) gibt „Entwarnung“ für das Castorlager in Gorleben: Nach Auffassung der Betreiberfirma geht vom atomaren Zwischenlager keine unzulässige radioaktive Strahlung für die Umgebung aus. „Das ist eine unglaubliche Irreführung der Öffentlichkeit“ meinen Atomkraftgegner. Bei der kontroversen Diskussion um weitere Castoreinlagerungen sei nichts abschließend geklärt worden.

Die Jahresdosisleistung am Zaun des atomaren Zwischenlagers 2011 ist deutlich unter dem genehmigten Maximalwert von 0,3 Millisievert pro Jahr geblieben, behauptet die GNS in ihrem kürzlich veröffentlichten Jahresbericht. Es sei für die Dosisleistung am Zaun an der ungünstigsten Stelle, also der mit der höchsten Strahlung aus dem Zwischenlager, ein Wert von 0,195 Millisievert pro Jahr ermittelt worden. Der in der Genehmigung des Zwischenlagers festgelegte Maximalwert sei damit „erneut deutlich unterschritten“ worden.

„Dieser Wert ist kein Messwert, sondern er ist herbei gerechnet worden“, betont die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg.

Vor dem letzten Castortransport im November 2011 hatten Atomkraftgegner nach der Veröffentlichung von offiziellen Messwerten auf Rechenfehler hingewiesen. Auf deren Grundlage sind die jährlichen Grenzwerte überschritten. Die Strahlung wird nämlich nur teilweise gemessen, dann inklusive Fehlertoleranzen hochgerechnet. Und die Auslegung der Toleranzen ist eine Glaubensfrage.

Das Niedersächsische Umweltministerium hatte letztes Jahr einen Strahlenwert von 0,233 Millisievert errechnet. Greenpeace-Berechnungen aber ergaben eine mögliche Strahlendosis von 0,305 Millisievert im Jahr. Damit wäre der zulässige Jahresgrenzwert überschritten worden – und das auch ohne die im November 2011 zusätzlich eingelagerten elf Behälter.

  • Die GNS zieht pro Jahr 0,13 mSv Neutronenstrahlung als Hintergrundstrahlung ab, das NMU lediglich 0,05 mSv. Die GNS zieht außerdem pro Jahr 0,67 mSv Gammastrahlung ab, das NMU nur 0,48 mSv.

Laut BI müssten nach Behördenrechnungen im Jahr 2011 0,365 Millisievert Jahresdosis erreicht worden sein. Nach Berechnungen der Atomkraftgegnern sind die Strahlengrenzwerte am Atommüllzwischenlager bereits seit 2003 überschritten. Der Betreiber rechne seit Jahren mit einem falschen Wert für die natürliche Strahlung, da der Nullpunkt berechnet worden sei als bereits Castoren eingelagert war. Die Halle ist bislang nur etwa zu einem Viertel gefüllt.

Die GNS unterschlägt zudem in ihrem Jahresbericht, dass die Strahlung nach ihrer eigenen Rechnung von 0,171 Millisievert im Jahr 2010 auf 0,195 Millisievert im Folgejahr gestiegen ist – aufgrund der elf eingelagerten Castoren. Im März und April konnten in Gorleben laut GNS vorübergehend sogar geringe Spuren des Reaktorunglücks im japanischen Fukushima gemessen werden.

Gorleben-Gegner fordern den niedersächsischen Umweltminister Stefan Birkner auf, sofort und entschieden einzutreten, und die Märchen der Gorleben-Betreiber zu beenden. Vom Castorlager geht eine latente Gesundheitsgefahr aus, die nicht kleingeredet werden darf. Von „Entwarnung“ darf man nicht sprechen.

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    29. September 2011 – Nach Berechnungen von Atomkraftgegnern sind die Strahlengrenzwerte am Atommüllzwischenlager in Gorleben bereits seit 2003 überschritten. Demnach rechne der Betreiber, die Gesellschaft für Nuklearservice (GNS), seit Jahren mit einem falschen Wert für die natürliche Strahlung. Der Nullpunkt sei berechnet worden, als bereits Castoren eingelagert wurden, kritisiert die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI).
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    13. Februar 2012 – Als Konsequenz aus der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima sollen neben den Atomkraftwerken nun auch alle deutschen Zwischenlager für Atommüll einem Stresstest unterzogen werden. Besonders soll nun endlich auch der gezielte Absturz eines Flugzeuges auf die Lagerhallen, in denen für Jahrzehnte hochradioaktiver Atommüll abgestellt wird, untersucht werden. Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg hält der Regierung Verantwortungslosigkeit bis zum heutigen Tage vor.

Quellen (Auszug): bi-luechow-dannenberg.de, spiegel.de; 19.03.2012

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