Sicherheit in AKW: Seit Fukushima nichts Neues

Nach der Havarie der japanischen Atomkraftwerke wurden europaweit Stresstests für alle Atomkraftwerke beschlossen, in Deutschland sogar für Zwischenlager und die Uranfabrik in Gronau. Doch ein Jahr nach dem GAU wurde außer Papier nicht viel produziert.

In einem halben Jahr will die Reaktorsicherheitskommission weitere Empfehlungen vorlegen, welche Verbesserungen an den Atomanlagen vorgenommen werden müssen. Seit einem Jahr ist alles geblieben, wie es ist. Dabei waren die Reaktionen auf den Super-GAU in Japan entschlossen: acht Atomkraftwerke in Deutschland durften nicht weiter in Betrieb bleiben, umfangreiche Sicherheitschecks wurden angekündigt. Bundeskanzlerin Merkel verlangte, das Restrisiko der Atomkraft neu zu bewerten.

Die „Stresstests“ der Reaktorsicherheitskommission untersuchten im Auftrag der Bundesregierung Naturereignisse und Einwirkungen auf die AKW wie einem langfristigen Stromausfall, einem Ausfall der Kühlwasserversorgung, Erdbeben, Hochwasser und anlageninternen Überflutungen. Schon dabei wurden bei allen neun noch laufenden AKW gefährliche Schwachstellen aufgedeckt. Bei den meisten Meilern kann schon ein Hochwasser mit Überschwemmung des Kraftwerksgeländes einen schweren Unfall auslösen. Bei der Notstromversorgung sah die Kommission gar Handlungsbedarf bei allen noch laufenden Reaktoren. Das Bundesumweltministerium stellten eine sechsseitige Liste von „unverzüglich“ umzusetzenden Maßnahmen zusammen. Dabei ist besonders brisant, dass nicht mal eine Besuch der Prüfer in den AKW Grundlage für die Anordnungen sind, sondern sich auf Angaben der Betreiber verlassen wird.

  • Ausgeklammert wurde der gezielte Absturz eines großen Flugzeuges auf einen der Reaktoren. Denn schon im Vorfeld war klar, dass die AKW solchen Belastungen nicht standhalten können. Und in Sachen Sicherheit wurde bis heute nichts geändert.

Trotzdem dürfen nach bisheriger Planung die Atomkraftwerke Emsland, Neckarwestheim II und Isar II bis zu zehn Jahre weiterlaufen. So regelt es das „Dreizehnte Gesetz zur Änderung des Atomgesetzes“, mit dem die schwarz-gelbe Regierung im vergangenen Sommer eine 180-Grad-Wende in der Energiepolitik hinlegte. Erst im Herbst 2010 war eine pauschale Laufzeitverlängerung für alle damals in Betrieb befindlichen AKW beschlossen worden.

„Die Meiler sind alles andere als sicher. Seit Jahrzehnten entsprechen sie nicht mehr dem Stand von Wissenschaft und Technik, den das Atomgesetz eigentlich fordert. In jedem von ihnen kann es jeden Tag zur Kernschmelzkatastrophe kommen“, so Jochen Stay von ausgestrahlt. Das es keine Umsetzung von Verbesserungen in den AKW gibt, ist ein Skandal!

Zwischenlager Lingen; Bild: google earth

Zwischenlager Lingen; Bild: google earth

Die zuständigen Stellen schieben die Verantwortung ab: die Reaktorsicherheitskommission sei überarbeitet, man habe die Berichte an die Länder weitergereicht, man wolle die Empfehlungen anderer Länder abwarten.

  • Doch die Defizite sind bekannt – aber die Bundesregierung handelt nicht. Das ist fahrlässiges Inkaufnehmen von Risiko.

Mauerbau gegen Terror

Für die Zwischenlager, in denen hochbrisanter Atommüll in Castorbehältern wohl noch Jahrzehnte auf eine Endlager-Lösung wartet, hat das BMU die Anordnung erlassen Mauern zu bauen. Rund um das Zwischenlager Ahaus in Nordrhein-Westfalen etwa soll das Bauwerk fast 500 Meter lang, zehn Meter hoch werden – die Kosten gehen in die Millionen.

RWE will um das Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente beim Atomkraftwerk Emsland in Lingen entlang einer Seite den Schutz gegen Terroristen zusätzlich mit einer 110 Meter langen Mauer aus Stahlbeton erhöhen. Sie entsteht in einer Entfernung von acht Metern zum Gebäude, wird 85 Zentimeter breit sein und eine Höhe von 10,10 Metern aufweisen. Die Baumaßnahme soll schon Ende 2012 abgeschlossen sein. Das Gebäude ist über 20 Meter hoch, in der Genehmigung von November 2002 steht: „Der erforderliche Schutz gegen Störmassnahmen oder sonstigen Einwirkungen Dritter ist gewährleistet.“

Die Betreiber des größten atomaren Zwischenlagers in Deutschland am AKW Gundremmingen dimensionieren ihre Lösung zum Schutz vor Einwirkungen von Außen auf 210 Meter Länge, zehn Meter Höhe und 85 Zentimeter Dicke.

„Eine Mauer ist bestenfalls ein Sichtschutz”, kritisierte Wolfgang Ehmke, Sprecher der BI Lüchow-Dannenberg. Denn ein Schutz gegen ein gezielten Flugzeugabsturz bietet sie nicht.

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  • Weltweites Risiko: AKW-Zeitbomben in Erdbebenregionen
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    13. Februar 2012 – Als Konsequenz aus der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima sollen neben den Atomkraftwerken nun auch alle deutschen Zwischenlager für Atommüll einem Stresstest unterzogen werden. Besonders soll nun endlich auch der gezielte Absturz eines Flugzeuges auf die Lagerhallen, in denen für Jahrzehnte hochradioaktiver Atommüll abgestellt wird, untersucht werden. Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg hält der Regierung Verantwortungslosigkeit bis zum heutigen Tage vor.
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    10. Oktober 2011 – Die Deiche, die auch das Atomkraftwerk Brokdorf schützen sollen, sind laut der Schleswig-Holsteinischen Regierung nicht für starke Sturmfluten ausgelegt. Bei einem Deichbruch könnte der Reaktor überspült werden. Atomkraftgegner fordern die umgehende Stilllegung des Meilers.
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    12. September 2011 – Vor zehn Jahren, nach den Anschlägen auf das World-Trade-Center in den USA entbrannte eine Debatte um die Sicherheit der Atomkraftwerke gegenüber Flugzeugabstürzen. Plötzlich war ein bislang als Restrisiko gewertetes Kriterium – der gezielte Terrorangriff auf ein Meiler mit einem Flugzeug – zu einer denkbaren Bedrohung geworden. In zehn Jahren hat sich zur Verbesserung der Sicherheit einiges getan.

Quellen (Auszug): spiegel.de, ausgestrahlt.de; 15.03.2012

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