Störfälle in französischem und US-AKW

Ein Zwischenfall im französischen Atommeiler Cattenom ist schwerer als bislang vermutet. Die Aufsichtsbehörden stuften das Ereignis von Anfang Januar auf INES 2. In einem amerikanischen Atomkraftwerk ist unterdessen Strahlung ausgetreten. Auch aus deutschen Reaktoren wurden erneut Störfälle gemeldet.

Ein Zwischenfall im französischen Atomkraftwerk Cattenom nahe der deutschen Grenze war nach Angaben der Atomaufsicht viel schwerer als zunächst angenommen. Die französische Atomaufsicht ASN habe das Ereignis vom 18. Januar inzwischen als Störfall (INES 2) eingestuft, teilte das saarländische Umweltministerium am Montag in Saarbrücken mit.

Bei einer Kontrolle am 18. Januar hatten Ingenieure der Anlage festgestellt, dass ein Ventil an den Röhren fehlte, die Wasser an den Lagerungsbehältern abgebrannter Brennstäbe ein- und ablassen. Diese Ventile sind die vierte Sicherungsstufe. Würde Wasser aus den Röhren austreten und die Brennstäbe trocken fallen, können die Brennstäbe wegen ihrer Restwärme schmelzen. Betroffen waren die Reaktoren 2 und 3, bei den beachbarten Reaktoren 1 und 4 seien alle vier Sicherheitsstufen inclusive des letzten Ventils vorhanden gewesen.

Die Klassifizierung als Störfall ist sehr selten und in Cattenom zuletzt 2004 aufgetreten. INES Stufe 2 wird als „Störfall“ deklariert, wobei „erhebliche Kontamination mit unzulässig hoher Strahlenexposition beim Personal, begrenzter Ausfall der gestaffelten Sicherheitsvorkehrungen“ auftreten.

Schon am 23.01. hatte ein defekter Ventilator für einen Feuerwehreinsatz gesorgt. Die Techniker vor Ort stellten Öldampf verbunden mit einer Rauchentwicklung fest. Am 05.01., als das Orkantief „Andrea“ über die Gegend fegte, wurde wegen eines Fehlers im Sekundärkreislauf Block 2 automatisch abgeschaltet. Ein Schieber hatte sich ungewollt geöffnet, nachdem Wasser war in einen Schaltkasten eingedrungen und einen Kurzschluss verursacht hatte.

„Das Atomkraftwerk Cattenom bleibt ein Risiko, das wir nicht akzeptieren werden“, stellt schon im November die rheinland-pfälzische Wirtschafts- und Energieministerin Eveline Lemke nach der Veröffentlichung der „Stresstest“-Ergebnisse fest. Auch in Frankreich sei zum Beispiel ein Flugzeugabsturz auf den Reaktor nicht beachtet worden.

Sollten die Sozialisten die Wahlen im kommenden Frühjahr gewinnen, könnte Cattenom Geschichte sein. Nach einem Kompromiss zwischen französischen Grünen und Sozialisten sollen innerhalb der nächsten 14 Jahre insgesamt 24 der 58 französischen Atomkraftwerke abgeschaltet werden – darunter die grenznahen Meiler von Fessenheim und Cattenom.

Strahlenleck in den USA

Wegen eines Lecks in einem Dampferzeuger musste ein Reaktor des US-AKW San Onofre abgeschaltet werden. Wegen des Defekts in Block 3 sei aber keine Radioaktivität in die Umwelt gelangt, versichert ein Sprecher der Nuclear Regulatory Commission. Die Anlage war erst im Dezember 2010 erneuert worden. Die Meiler befinden sich Rand des Pazifiks in unmittelbarer Nachbarschaft zu mehrerer tektonischer Verwerfungen. Auch die Sicherheit gegenüber Tsunamis – trotz einer acht Meter hohen Schutzmauer – ist fraglich.

Beide Reaktoren wurden im September 2011 bei Stromausfall notabgschaltet, über fünf Millionen Menschen in den US-Bundesstaaten Kalifornien und Arizona sowie im benachbarten Mexiko waren betroffen. Grund für die Abschaltungen soll die Hitze gewesen sein, die zu einem Kurzschluss in Stromleitungen geführt haben soll.

Philippsburg-2: Defekt in Lüftung

Im Block 2 des deutschen Atomkraftwerks Philippsburg wurden bei einer Prüfung Laufspuren im Kugellager eines Ventilators der sogenannten nukleartechnischen Lüftungsanlage festgestellt. Die Anlage dient der Lüftung und Unterdruckhaltung im Kontrollbereich im Innern des AKW und sorgt dafür, dass bei einem Leck keine Radioaktivität ins Freie gelangen kann. Laut Betreiber EnBW war der Ventilator zwar betriebsbereit, musste aber instandgesetzt werden und das Ereignis an die Aufsichtsbehörde gemeldet werden. Philippsburg-2 führte unter den neun verbliebenen AKW in Deutschland bereits letztes Jahr die Störfallstatistik an. Zuletzt war am 27.01. ein Leck gemeldet worden.

Leck in Fukushima

Auch aus dem japanischen Atomkraftwerk Fukushima werden immer wieder Probleme gemeldet. In Reaktor 2 sei die Temperatur von 52,0 Grad auf 71,7 Grad angestiegen, woraufhin der Betreiber TEPCO die Kühlwassermenge auf 9,6 Tonnen und damit eine Tonne mehr erhöhen musste. Nach Angaben des japanischen Senders NHK stieg die Temperatur innerhalb von etwa zehn Tagen um 25 Grad. Bereits am Freitag hatte Tepco mitgeteilt, dass an der Wasseraufbereitungsanlage, wo Radioaktivität aus dem Kühlwasser gefiltert wird, ein Leck auftrat. Durch dieses entweiche ausreichend Betastrahlung, um die Strahlenkrankheit auszulösen. Anfang der letzten Woche waren bereits 8,5 Tonnen radioaktives Wasser ausgetreten. Für die auftretenden Lecks machte Tepco unter anderem das kalte Wetter verantwortlich, das die Leitungen zum Bersten bringe.

Russland: Brand in Forschungszentrum

In einem Nuklear-Forschungszentrum in Moskau ist gestern ein Feuer ausgebrochen. Das Institut für Theoretische und Experimentelle Physik beherbergt einen nicht funktionsfähigen Schwerwasserreaktor, der gut 60 Jahre alt ist. Greenpeace Russland warnte vor einem hohen Gefahrenpotential.

Quellen (Auszug): spreadnews.de, de.euronews.net, derstandard.at, wort.lu, s-o-z.de, tageblatt.lu, volksfreund.de, spiegel.de, 20min.ch, enbw.com, 07.02.2012

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