IPPNW: Auch in Frankreich erkranken mehr Kinder im Umkreis von Atomkraftwerken an Leukämie

Im Umfeld von französischen Atomkraftwerken sind laut der sogenannten Geocop-Studie des französischen Medizin-Instituts Inserm zwischen 2002 und 2007 fast doppelt so viele Kinder unter 15 Jahren an Leukämie erkrankt wie im Landesdurchschnitt. Die französische Studie ist für die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW ein weiterer Beleg für den Zusammenhang zwischen ionisierender Strahlung und der Zunahme von Leukämieerkrankungen bei Kindern.

„Die Ergebnisse der neuen Studie aus Frankreich reihen sich ein in die Ergebnisse der Studien zum Leukämierisiko bei Kleinkindern im Nahbereich von Atomkraftwerken aus Deutschland, Großbritannien und der Schweiz“, erklärt der Wissenschaftler Dr. Alfred Körblein.

Denn auch wenn die Wissenschaftler für den gesamten Studienzeitraum von 1990-2007 keine Erhöhung der Leukämiefälle bei Kindern unter 15 Jahren beobachtet haben wollen, beträgt die Erhöhung des Leukämierisikos für Kleinkinder unter 5 Jahren in diesem Zeitraum 37 %. Zu diesem Ergebnis kommt Alfred Körblein, der die Daten der Studie ausgewertet hat. Er berichtet, dass die Erhöhung des Leukämierisikos für Kleinkinder im Nahbereich von Atomkraftwerken auch in Großbritannien (36 %), Deutschland (41 %) und der Schweiz (40 %) in der gleichen Größenordnung liege.

Zwar seien die Einzelergebnisse wegen kleiner Fallzahlen statistisch nicht signifikant, aber eine gemeinsame Analyse der vier Datensätze aus Deutschland, Großbritannien, der Schweiz und Frankreich ergebe ein deutlich signifikantes Ergebnis. Noch deutlicher werde die Erhöhung, wenn die Anzahl von Leukämieneuerkrankungen im 5-km Nahbereich verglichen werde mit der Anzahl der Neuerkrankungen von Kindern, die weiter als 5 Kilometer vom Atomkraftwerk entfernt leben. Dann errechne sich mit den aus den vier Ländern kombinierten Daten ein relatives Erkrankungsrisiko für Kleinkinder von 44 %.

Die deutsche „Epidemiologische Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken“ (sogenannte KiKK-Studie) hatte im Dezember 2007 signifikant belegt, dass das Risiko für Kinder unter 5 Jahren, die im 5-Km-Umkreis von Atomkraftwerken wohnen, an Krebs zu erkranken um 60 % erhöht ist, das Risiko einer Leukämieerkrankung sogar um 120 %. Die Autoren der Studie bemühen sich seit deren Veröffentlichung die Studienergebnisse herunterzuspielen: Die radioaktiven Abgaben der Atomkraftwerke könnten die erhöhten Kinderkrebsraten nicht erklären. Bis heute liefern sie aber keine Erklärung für die Ursache, obwohl die Zunahme des Erkrankungsrisikos allein vom Abstand des Wohnorts zum Atomkraftwerk bestimmt wird.

Bereits seit Juli 2009 fordert die IPPNW den Bundestag in einer Petition auf, den Strahlenschutz um Atomkraftwerke zu verbessern und dabei das Risiko von noch ungeborenen Kindern im Mutterleib zu berücksichtigen. Die Petition ist bis heute immer noch unbeantwortet und weiter „in der parlamentarischen Prüfung“.

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Quelle: ippnw.de; 19.01.2012

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