Baustopp in Gorleben – jetzt!

Nach der Veröffentlichtung einer weiteren Studie, die erneut die Nichteignung von Gorleben als Atommüllendlager belegt, kann jetzt als nächster Schritt nur noch ein sofortiger Baustopp folgen. Auch die Proteste im Rahmen des Castortransports haben gezeigt, dass es keinerlei gesellschaftliche Akzeptanz mehr für das Projekt gibt. Baustopp – jetzt!

Gorleben stoppen!

Gorleben stoppen!

73 Millionen Euro sind im kommenden Jahr für die weitere Erforschung in Gorleben vorgesehen – 3 Millionen für eine alternative Standortsuche. Geologe Dr. Ulrich Kleemann, bis April 2010 als Fachbereichsleiter im Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) für die Endlagerung zuständig, hat in seiner gestern vorgestellten Studie zur Geologie massive Zweifel an einer Langzeitsicherheit des Salzstockes aufgeworfen. In einer vorangegangenen Studie belegt Diplom-Geologe Ulrich Schneider, dass sich Gas unter dem Bergwerk befindet – dass sich zu einem explosiven Gemisch entwickeln kann. „Oben Wasser, unten Gas – und in der Mitte wackelt es“, die Zusammenfassung der Erkenntnisse, die nun zu Gorleben vorliegen. Und wir sprechen hier nicht vom Bau eines Kurzzeit-Projektes, sondern eines Experiments, was nirgends auf der Welt bisher gelang, niemand bislang eine sinnvolle technische Lösung vorlegen kann – aber die Haltbarkeit tausende Jahre betragen muss. Denn ein Versagen – der Austritt von großen Mengen an Radioaktivität – darf sich die Menschheit nicht leisten. Ein Asse-Desaster mit hochradioaktivem Müll wäre ein Katastrophe ungeahnten Ausmasses.

Umso erstaunlicher, dass Geologe Kleemann der für die laufenden Sicherheitsanalysen und damit Eignungsaussagen für den Salzstock federführenden Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) nach umfassender Auswertung der vorliegenden BGR-Unterlagen „unwissenschaftliches Arbeiten“ unterstellen muss. Eine „Diplomarbeit auf diesem Niveau würde glatt durchfallen“, so Kleemann. Das BGR sieht anhand ihrer Publikationen bis heute die „Eignungshöffigkeit“ des Salzstocks Gorleben als gegeben an. Kleemann erhebt im Fazit seiner Studie schwerwiegende Vorwürfe: Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse, die die „Eignungshöffigkeit“ des Salzstocks in Frage stellen, werden von den Behördengutachtern komplett ausgeblendet. Wo die Faktenlage dünn oder unvollständig ist, interpretiert die BGR zugunsten einer „Eignungshöffigkeit“. Und in der Geologie sind viele Fragen mit Schätzungen oder Annahmen zu beantworten. Sieht man die Arbeit des „Arbeitskreis Endlagerung“ (AKEnd) als Grundlage für Kriterien, die für oder gegen einen Standort entscheiden, dann wären es bereits zwei Ausschlusskriterien, die erfüllt werden: Störungen im Gestein und mögliche Gasvorkommen. Gorleben wäre also raus.

  • Eigentlich können sie auch nicht anders, die vom Staat angestellten Wissenschaftler des BGR. Politisch wurde sich auf einen Standort festgelegt, und dieser muss jetzt entgegen aller Zweifel durchgesetzt werden. Denn die Alternative – die Aufgabe von Gorleben – hieße: Nulllösung. Man stünde nach über 30 Jahren vor dem Nichts.

Doch genau dieses Nichts ist nötiger den je.

Morgen treffen sich Politiker der Länder um Umweltminister Röttgen, um bei einem Gesetz zur Lösung der Endlagerfrage weiterzukommen. Auf einem ersten Treffen am 11. Oktober beschloss man eine „weisse Landkarte“, Alternativen zum seit 35 Jahren einzigen möglichen Endlagerstandort Gorleben sollen bundesweit gesucht werden. Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe soll bis zum Sommer 2012 ein Endlagersuchgesetz erarbeiten – so die Planungen. Ob dieser Zeitplan eingehalten wird, ist fraglich. Schließlich soll eine bislang völlig ungelöste Frage zukunftweisend beantwortet werden.

Am 25.01. möchte Röttgen die nächste Episode des „Gorleben-Dialogs“ auflegen. Was sich nach einer kritischen Diskussion anhört ist in Wahrheit das Nachholen einer Bürgerbeteiligung, die für ein rechtlich nicht mehr angreifbaren Projektverlauf von Nöten ist. 30 Jahre und 1,6 Milliarden Euro nach dem Beginn der Arbeiten dürfen sich Menschen zu dem Bauvorhaben äußern – eine Frechheit!

Tag für Tag werden unterdessen in Gorleben weiter Fakten geschaffen, als einziges Argument das investierte Geld und der politische Wille. 24 Stunden, jeden Tag wird weitergebaut an einem Endlager. Die Verantwortlichen bestreiten öffentlich nichtmal mehr dieses Faktum – hiess es doch bis letztes Jahr noch, man würde nur „forschen“ und „erkunden“. Ein „Schwarzbau“ also, denn ein nötiges atomrechtliche Genehmigungsverfahren für einen „Endlagerbau“ gibt es nicht.

Wir sind ganz nah dran, dass ein 30jähriger Krimi ein Ende nimmt. Denn die Erklährungsnot derer, die eine billige Entsorgungslösung für ihren Atommüll wollen, ist größer den je.

Bis zum endgültigen Abgesang leisten wir weiter Widerstand.

  • Neue Studie: Gorleben kann kein Endlager werden
    13. Dezember 2011 – Bei einem ergebnisoffenen Standortvergleich käme der Salzstock Gorleben nach einer neuen Untersuchung als Endlager für hochradioaktive Abfälle nicht in die engere Auswahl. Der Salzstock liege in einer aktiven Störungszone, unter ihm befinden sich “potentiell gasführende Schichten”. Die Ergebnisse der Studie zeichnen einen weiteren Meilenstein im Kampf gegen Gorleben. Jede Weitererkundung ist Geldverschwendung.
  • Stop Gorleben – jetzt! Es fehlt jede Legitimation zur Weitererkundung!
    2. Dezember 2011 – Gorleben ist politisch und gesellschaftlich nicht weiter durchsetzbar. Selbst die CDU im Landkreis Lüchow-Dannenberg kommt nach dem Castor-Debakel zu diesem Schluss, den Atomkraftgegner seit Jahren einfordern. Parallel steht fest, dass die Entscheidung für Gorleben als Atommüll-Endager ein rein politischer Deal gewesen ist. Jetzt kann nur noch ein Baustopp folgen.
  • Endlagersuche: Die Landkarte ist nur ohne Gorleben “weiss”!
    11. November 2011 – Bundesumweltminster Norbert Röttgen und seine Landesminister wollen mit einer “weissen Landkarte” einen Neuanfang für das weitere Vorgehen bei der Suche nach einem Atommüllendlager. Atomkraftgegner fordern einen sofortigen Baustopp in Gorleben und die Absage des Castortransports. Kurzzeitig wurde heute mittag das Bergwerk blockiert.

Quellen: bi-luechow-dannenberg.de, gorleben-epilog.de, ausgestrahlt.de; 14.12.2011

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