Castor-Erkennungshilfe

Castor-Erkennungshilfe: Eine detaillierte Beschreibung des Castorzuges durch Deutschland, anhand von Beispielen aus den vergangenen Jahren.

Beispiel: November 2004 & 2005

  • 2x Dieselloks (Baureihe 232, verkehrsrot),
  • 1x BGS Personenwagen (kobaltblau mit Gepäckabteil vorne),
  • 5x BGS-Personenwagen (ozeanblau/elfenbein),
  • 12x Castor-Behälter,
  • 6x BGS-Personenwagen (ozeanblau/elfenbein),
  • 1x Diesellok (Baureihe 232, verkehrsrot),
  • 1x Diesellok (Baureihe 232, verkehrsrot, Seitenaufschrift DB Cargo)

Der Transport hat eine Gesamtlänge von 660m und ein Gesamtgewicht von ca. 2900 Tonnen.

Lok der Baureihe 232 in verkehrsrot
Eingesetzt zur Beförderung der Castorwaggons werden insgesamt 4 Loks der Baureihe 232 („Lumilla“), jeweils 2 ziehende an der Spitze und 2 schiebende am Ende.

Personenwaggons
Zur Beförderung von Personal des BGS und der Polizei werden Personenwaggons mitgeführt. Im Jahr 2004 wurden neben den Castorbehältern insgesamt 12 zusätzliche Waggons mitgeführt, wovon 11 reine Personenwaggons waren. Ein weiterer blauer Waggon, der direkt hinter die führenden Loks gekoppelt wurde, wurde als Gepäckwagen ausgemacht. Die Anordnun g der Personenwaggons war 2004 wie folgt: 5 Waggons vor den Castorbehältern sowie 6 dahinter.

Der mysteriöse „blaue Waggon“
1x BGS Personenwagen in kobaltblau mit Gepäckabteil vorne wird bei jedem Transport von Atommüll (auch Transporte in die Wideraufarbeitungsanlagen, bis 07/2005) mitgeführt. Immer wird dieser Waggon direkt hinter die Lok gekoppelt. Dieser Waggon ist mit mehreren Antennen auf dem Dach bestückt: vermutlich handelte es sich hierbei um eine rollende Kommandozentrale, die außerdem vom Begleitpersonal auf der Straße per GPS zu orten ist. Außerdem ist zu vermuten, dass hier schweres Gerät zum Auflösen von Schienenblockaden mitgeführt wird.

Castorbehälter-Transportwaggon
Dient der Beförderung von Castor-Behältern auf der Schiene. Ausführungen existieren gewöhnlich mit grünem oder blauem Fahrgestell. Unter der grauen Haube, die zum Be- und Endladen auseinandergeschoben wird, lagert der Behälter auf einem Traggestell inkl. vorgeschriebener Stossdämper. ‚Castor‘ ist eine Abkürzung für die englische Bezeichn ung „cask for storage and transport of radioactive material“.

Atommüll-Fracht
Der Castortransport im November 2011 beinhaltet Atommüll als Glaskokillen in elf Castor-Behältern vom Typ „HAW28M“. Gesamtgewicht der Castoren: ca. 1200 Tonnen (ca. 112 Tonnen Gewicht pro Castor).

Begleitfahrzeuge auf Parallelstraßen
Vielfach wird der Transportzug auf parallel führenden Straßen von einem hohen Polizeiaufgebot begleitet. Dabei sind nicht nur Mannschaftswagen sondern auch schweres Gerät zur Räumung von Schienenblockaden u.ä.

Castor
Die Castor-Behälter sind in einem Stück aus Gusseisen (Sphäroguss) geferti gt und haben an der Oberfläche zur besseren Wärmeabfuhr eingearbeitete Kühlrippen. Ein System aus zwei Deckeln soll nach Angabe der Gesellschaft für Nuklear-Behälter (GNB) die Dichtigkeit und den sicheren Einschluss angeblich gewährleisten. – Auch diese Castor-Behälter wurden keinen praktischen Tests unterzogen, sondern den Sicherheitsaussagen liegen Computersimulationen oder Tests mit Modellen in kleinerem Massstab zugrunde.

Jeder in 2011 genutzte Castor „HAW 28 M“ ist gut 6 Meter lang und hat einen Außendurchmesser von rund 2,5 Metern. Er wiegt beladen mit 28 Glaskokillen 114 Tonnen und hat eine maximale thermische Energie von 56kW. In diesen Castor-Behältern soll der hochradioaktive Abfall 20 bis 30 Jahre lang bis zur Entsorgung in einem Endlager „zwischengelagert“ werden.

Im Vergleich zu anderen Behältern wie den Vorgänger „HAW 28 CG“ oder den französischen „TN 85“ mussten wegen erhöhter Strahlung zusätzliche Neutronenmoderatoren verbaut werden. Die Genehmigung des deutschen Typen „HAW 28 M“ verzögerte sich, so dass ein Transport in 2009 ausfallen musste.

Glaskokillen

Die Glaskokillen enthalten hochradioaktiven Atommüll in Form von nicht wiederverwertbaren Spaltprodukte aus abgebrannten Brennelementen. Sie werden in La Hague bei einer Temperatur von rund 1100 Grad mit einem Glasgranulat (Borosilikatglas) zu einer homogenen Glasmasse verschmolzen. Diese wird in einen zylindrischen Behälter aus Edelstahl gefüllt. Jeder Zylinder fasst 400 Kilogramm der Glasmasse. Er hat einen Durchmesser von 43 Zentimetern und eine Höhe von 1,34 Metern. Die Glaskokillen müssen in La Hague wegen ihrer hohen Temperatur zunächst zwischengelagert werden. Beim Rücktransport haben die hochradioaktiven Glaskokillen an der Oberfläche noch eine Temperatur von 150 bis 180 Grad. Im Inneren sind es mehr als 400 Grad. Sie müssen deshalb in den Castor-Behältern weitere 20 bis 30 Jahre im „Zwischenlager“ Gorleben abkühlen. Zur Endlagerung sollen die Glaskokillen wieder aus den Castor-Behältern herausgenommen werden.

In einem Castor befindet sich eine Radioaktivität von ca. 350 x 10 hoch 15 Becquerel bis zu 3,5 x 10 hoch 17 Becquerel. Zum Vergleich: Nach offiziellen Angaben soll die Strahlung im Atommülllager ASSE II ca. 3,1 x 10 hoch 15 Becquerel betragen. Damit wäre nur ein einziger Castor um das 110-fache Radioaktiver als der gesamte Atommüll in der ASSE.

Zwischenlager Lubmin, Bild: dpa

Castor im Zwischenlager Lubmin, Bild: dpa

Castor-Straßentransport

Castor-Straßentransport

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