Endlagersuche: Die Landkarte ist nur ohne Gorleben „weiss“!

Bundesumweltminster Norbert Röttgen und seine Landesminister wollen mit einer „weissen Landkarte“ einen Neuanfang für das weitere Vorgehen bei der Suche nach einem Atommüllendlager. Atomkraftgegner fordern einen sofortigen Baustopp in Gorleben und die Absage des Castortransports. Kurzzeitig wurde heute mittag das Bergwerk blockiert.

Trotz des geplanten Neustarts bei der Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll wird der Salzstock Gorleben weiter erkundet. Es gehe darum, das Verfahren zu öffnen unter Einschluss der Weitererkundung von Gorleben, betonte Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) am Freitag in Berlin. Es solle eine „weiße Landkarte“ geben, die keinerlei Tabus zulasse, was die Lösung der Standortfrage betreffe. Zu dem ergebnisoffenen Prozess gehöre aber auch eine weitere Erkundung des Standorts Gorleben.

Bund und Länder hatten zuvor vereinbart, Alternativen zum seit 35 Jahren einzigen möglichen Endlagerstandort Gorleben bundesweit zu suchen. Röttgen betonte: „Es muss klar sein, dass über keinen Standort und auch nicht über Gorleben, entschieden wird, wenn es nicht zuvor einen Vergleich mit einem anderen Standort gegeben hat.“ Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe soll nun bis zum Sommer 2012 ein Endlagersuchgesetz erarbeiten.

Atomkraftgegner fordern einen sofortigen Baustopp in Gorleben. „Tag für Tag werden hier Fakten geschaffen und damit eine Ergebnisoffenheit verhöhnt“, so Jan Becker von contrAtom. „Jetzt von einer ‚weissen Landkarte‘ zu sprechen und parallel unter dem Deckmantel der Erkundung im Wendland weiterzumachen, ist schlichtweg Täuschung der Öffentlichkeit. Schwarz/gelb hat Angst vor einer Eskalation – anders lässt sich dieser angebliche Neustart nur 14 Tage vor dem nächsten Castortransport nicht erklären.“

Für eine tatsächliche Ergebnisoffenheit muss der Salzstock Gorleben vom Tisch, dafür ein sofortiger Baustopp verhängt werden und dann grundsätzlich erstmal ein Verfahren zum Umgang mit der Endlagersuche gefunden werden. Erst nach einer breiten Einigung auf die Endlagertechnik selbst kann über einen möglichen Standort dafür diskutiert werden.

Aus Protest gegen den Weiterbau in Gorleben ketteten sich heute vormittag – parallel zur Diskussion des Bundesumweltministers in Berlin – zwei Atomkraftgegner in der Zufahrt des Bergwerks an einem Trecker fest.

„Wir sind stolz darauf, dass wir über 30 Jahre lang dafür gesorgt haben, dass im Gorlebener Salzstock noch kein Gramm Atommüll eingelagert wurde und so haben verhindern können, dass ein weiteres Atommülldesaster nach Morsleben und der Asse II vorprogrammiert wurde“, so Wolfgang Ehmke, Sprecher der BI Lüchow-Dannenberg.

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  • Es gibt keine Debatte über den Umgang mit Atommüll
    1. November 2011 – Was tun Atomkraftgegner, wenn sie gewonnen haben? Blumen züchten? Windräder bauen? Gehen sie in den politischen Vorruhestand? Eine deprimierende Antwort kommt gerade aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg. Dort macht die Protestbewegung gegen das geplante Atommülllager in Gorleben weiter, als hätte es nie eine Energiewende gegeben. So schreibt die ZEIT am 21.10. – nun gibt es Kontra. Denn eine grundsätzliche Debatte über den Umgang mit Atommüll ist nicht in Sicht.

Quellen (Auszug): dpa; 11.11.2011

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