Vor 7 Jahren starb Atomkraftgegner Sebastien Briat

Bei dem Versuch, den Atommülltransport auf dem Weg nach Gorleben zu stoppen, starb am 07. November 2004 der damals 22-jährige Sébastien Briat.

Sébastien Briat, Aktivist, Geboren 1982 in Louppy-sur-Chée, Gestorben am 7. November 2004 bei Avricourt, Frankreich.

Er wuchs mit Vater, Mutter und zwei jüngeren Schwestern in einem kleinen Dorf in Lothringen auf, ging auf das College de Vaubecourt, dann auf das Gymnasium in Bar-Le-Duc. Er war ein guter Schüler und „eher bescheiden“, wie sich ein Lehrer erinnert.

Sébastien Briat spielte seit seiner der Knabenzeit Rugby, war die Nummer 9 beim Bar Ovalie Club, der schwarz-weiß trägt. Seit einem Jahr war er mit Leuten zusammen, die Spaß an Musik, Straßentheater und Zirkus haben, in den Tag hinein leben und sich „Car’pe Diem“ nennen. Sie träumten davon, einen alten Bus umzubauen, um damit loszuziehen. Sébastien Briat machte sich gerne überall nützlich, sagen Freunde. Sie nannten ihn „Bichon“ – Liebling. Er versuchte sich als Seiltänzer.

Zudem engagierte er sich in der Gruppe Cacendr (Collectif d’action contre l’enfouissement des déchets radioactifs), die gegen ein Untergrundlabor im nahen Bure kämpft, das nach erfolgreicher Tiefenerkunndung zum Endlager für hochradioaktiven Abfall werden soll. Mit sieben anderen Aktivisten wollte er am vergangenen Sonntag im Wald bei Avricourt, nahe der deutschen Grenze, den Atommüll-Zug aufhalten, der Richtung Gorleben rollte. Vier ketteten sich an Stahrohren unter dem Schienenstrang fest, vier weitere solten Wache halten. Kurz zuvor war die heiße Fracht bereits durch andere Blockierer bei Laneuveville-devant-Nancy gestoppt worden.

Als der 2200 Tonnen schwere, 400 Meter lange Zug gegen 14.30 Uhr im Wald eine Kurve nahm, fuhr er nahezu Höchstgeschwindigkeit – 98 Stundenkilometer. Der Begleithubschrauber hatte just zum Tanken abgedreht. Eine Polizeistreife entdeckte die Blockierer zu spät.
Der Lokführer versuchte eine Notbremsung. Sébastien Briat aber kam nicht mehr schnell genug von seinen Fesseln los. Der Zug, den er stoppen wollte, überrollte ihn. Er starb kurz darauf an seinen Verletzungen.

Quelle: Tim Murphy, Wochenende – Die Seite Zwei, Süddeutsche Zeitung. 13./14. Nov. ’04, Nr. 264

Solidaritäts-Aktion „nirgendwo“
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