AKW-Abriss wird teurer und dauert länger

Am Beispiel des alten DDR-AKW Rheinsberg zeichnet sich ab, dass der Rückbau alter Meiler viel teurer wird als geplant und länger dauert als erwartet. Noch bis 2069 soll die Ruine nördlich von Berlin existieren. Dabei handelt es sich eigentlich nur um einen kleinen Versuchsreaktor. Wie die Betreiber den Abbau der großen Leistungreaktoren planen, lassen sie bislang offen.

Der Abriss des Rheinsberger Kernkraftwerks dauert länger und wird wesentlich teurer als geplant. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen im Bundestag hervor. Danach belaufen sich die Gesamtkosten auf rund 600 Millionen Euro. Beim Beginn der Arbeiten 1995 hatte die Regierung noch einen Finanzbedarf von rund 420 Millionen Euro geschätzt.

Die höheren Kosten ergeben sich laut der Bundesregierung aus den höheren Gebühren für die Endlagerung, die durch die Verschiebung des Baus der atomaren Endlager in Deutschland verursacht werden. Hinzu kommt, dass 1995 noch keine seriöse Schätzung für die Kosten der Beseitigung der Radioaktivität in den Betonstrukturen des Kraftwerks möglich war. Die ließ sich erst feststellen, als der Reaktor ausgebaut war.

Und diese Betonstrukturen sorgen auch dafür, dass die Anlage weitaus länger stehenbleibt, als gedacht. Mit der Entlassung aus dem Atomgesetz rechnet die Regierung erst im Jahr 2069. Die Entlassung bedeutet, dass alle radioaktiv belasteten Teile der Anlage verschwunden sind. Die Betreiberfirma Energiewerke Nord (EWN) hatte bereits 2009 festgestellt, dass das Reaktorgebäude weitaus stärker radioaktiv belastet ist als gedacht. Es soll deswegen einige Jahrzehnte abklingen, dann kann es abgerissen und als Bauschutt entsorgt werden. Die Bundesregierung geht allerdings weiter davon aus, dass die wesentlichen Arbeiten auf dem KKW-Gelände bis 2014 erledigt sind. Bis 2018 würden dann noch Dekontaminationsarbeiten in den Gebäuden anfallen, ab 2018 sollen sie nur noch abklingen. Bis dahin sollen auch die letzten radioaktiven Materialien ins Zwischenlager Lubmin bei Greifswald gebracht worden sein.

Ende Oktober 2007 war der Reaktorbehälter abtransportiert worden. Mit 110 Tonnen handelte es sich um einen der schwersten Atomtransporte, die bis dahin durchgeführt wurden. Der Spezialwaggon rollte dann über „die maroden Brücken von Lindow“, die Atomkraftgegner vor dem Transport als Sicherheitsrisiko kritisiert hatten. – mehr

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    27. Oktober 2011  – E.ON als Betreiber des Rückbaus ist stolz darauf: nur ein kleiner Teil des Abrissmaterials des Atomkraftwerks Stade muss als radioaktiver Müll entsorgt werden. Ein Großteil kann auf Hausmülldeponien entsorgt werden. Eine davon liegt bei Schneverdingen – die Anwohner schlagen Alarm, denn der Schutt ist radioaktiv.

Quelle (Auszug): www.maerkischeallgemeine.de; 05.11.2011

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