Heute vor 60 Jahren: Erster „Truppenversuch“ mit Atombombe

Am 01. November 1951 fand auf dem amerikanischen Testgelände Nevada Test Site der erste „Truppentest“ im Zusammenhang mit einer Atombomben statt, bei dem sich US-Soldaten im Nahbereich der Explosion aufhielten. 2.796 Soldaten beobachten im Rahmen des Manövers „Desert Rock I“ des amerikanischen Verteidigungsministeriums aus knapp 11 Kilometern Entfernung den Test, nach der Detonation rückten 883 Soldaten bis auf 450 Meter an die Abwurfstelle heran. Heute weiss man, dass die radioaktive Strahlung tödlich war.

Die Bombe „Dog“ war vom Typ „Mark 4“ und hatte eine Sprengkraft von 21 kiloTonnen und wurde von einem B-50 Bomber abgeworfen und explodierte um 15:30 Uhr in 432 Metern Höhe. Der Abwurf fand im Rahmen der „Operation Buster-Jangle“, einer Serie von amerikanischen Kernwaffentests, die Ende 1951 auf der Nevada Test Site durchgeführt wurde, statt. Insgesamt fanden sieben Tests statt, sechs davon oberirdisch und einer unterirdisch. Es war die erste gemeinsame Operation des amerikanischen Verteidigungsministerium und des Kernwaffenlabors Los Alamos. Alle beteiligten Soldaten starben in den Folgejahren an Krebs oder anderen Strahlungsfolgekrankheiten. Unter Folgeerkrankungen litten auch Kinder und Enkel der Soldaten.

Auf dem Testgelände im Westen der USA wurden von 1951 bis 1958 119 oberirdische und von 1962 bis zum Teststopp-Memorandum 1992 über 1.000 unterirdische Atombombentests durchgeführt.

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Genau ein Jahr später, am 01.11.1952 um 19.14 Uhr und 59 Sekunden zündeten die USA die erste Wasserstoffbombe auf dem Eniwetok-Atoll im Pazifik. Es handelte sich um die bis dahin und im Ganzen viertstärkste Atombombe, die je getestet wurde: „Ivy Mike“ hatte eine Sprengkraft von 10,4 MT (10,4 Millionen Tonnen TNT), womit die gesamte bis dahin in allen Kriegen eingesetzte Sprengstoffmenge übertroffen wurde. Die Bombe wurde aufgrund ihres Gewichtes auf dem Boden zur Explosion gebracht. Die Insel Elugelab verdampfte vollständig, die umliegenden Inseln wurden durch den Feuerball und die Druckwellen bis in 10 Kilometer Entfernung zerstört. Anstelle der Insel Elugelab klaffte ein Krater im Riff, über 3 Kilometer im Durchmesser und 60 Meter tief. Insgesamt wurden etwa 80 Millionen Tonnen Erdreich aufgeschleudert. In der Luft wurde eine sehr hohe Radioaktivität gemessen, weitaus höher als von allen Wissenschaftlern erwartet. Aus diesem Umstand ergab sich auch ein sehr starker radioaktiver Fallout, der jedoch durch günstige Winde zum großen Teil auf den offenen Ozean nordöstlich des Atolls hinausgetragen wurde.

Frankreich hat im November 2008 als erstes Land überhaupt angekündigt, Soldaten und Zivilisten zu entschädigen, die bei den Atomversuchen des Landes zwischen 1960 und 1996 verstrahlt wurden und erkrankten. 10 Millionen Euro wurden dafür zur Verfügung gestellt. Noch 2001 hatte die Regierung geleugnet, dass überhaupt Personen geschädigt wurden. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums waren an den 210 Atomtests in der algerischen Sahara und in Polynesien 150 000 Zivilisten und Soldaten beteiligt. In den 50er und 60er Jahren hatte Frankreich seine Soldaten vorsätzlich in Atomtestgebiete geschickt, um die Auswirkungen der Strahlung an Menschen zu testen. Rekruten wurden der Strahlung ausgesetzt, um zu Testen, ob die Kampfkraft einer Truppe während eines Atomkrieges leidet. Nicht nur die körperliche, sondern auch die psychische Wirkung einer Atomwaffe auf den Menschen sollte erkundet werden. 35 Minuten nach der Explosion wurde die Truppe bis 700 Meter auf den „Nullpunkt“ geschickt. Einige Panzer fuhren direkt zum Explosionsort. Viele der Soldaten starben oder erkrankten später an Krebs und anderen Verstrahlungsfolgen. Die Armee hatte bis 2008 die Verstrahlung niemals anerkannt.

Quellen (Auszug): greenpeace.de, www.seismo.ethz.ch, de.wikipedia.org, atom-aktuell.de; 01.11.2011

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