Atommüllendlager in alten Bunkern?

Auf der Suche nach einem Endlager für Atommüll werden die Vorschläge immer interessanter: Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander könnte sich auch eine zentrale Lagerung in ehemaligen Bunkeranlagen oder einem alten Atomkraftwerk vorstellen. Atomkraftgegner fordern, die Arbeiten an den Tiefenlagerkonzepten Schacht Konrad und Gorleben sofort einzustellen. Zudem müsse die Produktion von weiterem Müll schnellstmöglich ein Ende finden.

  • „Langfristig wird die Sicherheit der Lager etwa vor Terroranschlägen eine besondere Rolle spielen“, sagte der FDP-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. Wenn die Rückholbarkeit wichtigstes Kriterium sein soll, werde auch Ton und Granit interessant, so Sander.

Damit könnten also auch Standorte in Bayern oder Baden-Württemberg wieder in die Diskussion kommen, wobei sich vor allem Bayern als Atomland No.1 bislang vehement dagegen wehrt. Landesvater Seehofer, Umweltminister Söder setzen beide auf Gorleben – was auch CDU/CSU-Parteilinie ist. Man müsse das Bergwerk zu Ende erkunden, um eine Eignung festzustellen. Erst wenn diese negativ wäre, würden andere Standorte oder Verfahren erkundet. Aber auch der niedersächsische Ministerpräsident MyAllister wendet sich bereits gegen Gorleben als Standort. Die FDP schert nun wohl endgültig aus der gemeinsamen „Gorleben-Linie“ aus – auch wenn Sander noch einmal betont, man müsse vor allen weiteren Schritten erst die Eignung in Gorleben feststellen. Weitere Standorte zu erkunden würde „viele Brandherde“ entstehen lassem, was man nicht durchhalten könneman käme dann „zu gar keiner Lösung“, so Sander.

  • Sander stellt auch die unterirdische Lagerung generell in Frage: „Man könne Atommüll auch in einem stillgelegten Kernkraftwerk oder einer alten militärischen Anlage irgendwo in Deutschland endlagern. So eine Art Bunker-Lösung“, so Sander laut dpa.

Nach dem Scheitern der Endlagerbergwerke Asse-II und Morsleben verweisen Atomkraftgegner seit Jahren auf die unkalkulierbaren Gefahren, die aus deiner Tiefenlagerung resultieren können. Eine Langezeitsicherheit kann über tausende Jahre nicht gewährleistet werden.

„Nach diesem Eingeständnis von Minister Sander erwarten wir, dass er als niedersächsischer Umweltminister die Projekte Gorleben und Schacht Konrad sofort einstellen lässt!„, fordert Jan Becker von contrAtom. In beiden Fällen handelt es sich um Bergwerke, in denen ohne vernünftige Option einer Rückholung Atommüll angeblich „langzeitsicher“ endgelagert werden soll.

Eine Lagerung über Tage oder die Möglichkeit einer Rückholbarkeit bringt Risiken des Missbrauchs der gefährlichsten Stoffe der Welt, aus denen Atombomben gebaut oder ganze Länder ausgelöscht werden könnten. Es geht bei der Endlagerung um Zeiträume, die eine Generation nicht ansatzweise überblicken kann. Ländergrenzen, politische Modelle und selbst die Kommunikation werden relativ. Und nicht mal für Atomkraftwerke gibt es heute einen effektiven Schutz gegen mögliche Terrorangriffe. Das einzig vernünftige Verfahren wäre die sofortige Abschaltung aller Atomanlagen, damit es erstmal keinen weiteren Müll mehr gibt!

  • Sander denkt an „Bunker-Lösung“ für Atommüll
    26.09.2011 – Auf der Suche nach einem Endlager für Atommüll kann sich Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander auch eine zentrale Lagerung in ehemaligen Bunkeranlagen vorstellen. „Langfristig wird die Sicherheit der Lager etwa vor Terroranschlägen eine besondere Rolle spielen“, sagte der FDP-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in Hannover.
  • Kritik unerwünscht: Schacht Konrad wird beschleunigt
    29. August 2011 – Nun doch 2014. Schon in 3 Jahren soll erster Atommüll im ehemaligen Eisenerzbergwerk Schacht Konrad eingelagert werden. Nachdem die Stadt Salzgitter die weiteren Genehmigungen erfolgreich blockiert hatte, will sich nun das Sozialministerium um eine endgültige Bauerlaubnis kümmern. Atomkraftgegner fordern den Stopp des Projekts, denn die Tiefenlagerung von Atommüll ist schon lange nicht mehr Stand von Wissenschaft und Technik.
  • Es braucht das endgültige Aus für das Endlager Gorleben!
    19. August 2011 – Im Herbst will die Bundesregierung ein Endlager-Suchgesetz vorlegen. Damit soll in erster Linie eine gesetzliche Grundlage für den Schwarzbau Gorleben geschaffen werden. Ehrlicher wäre die Bezeichnung “Endlager-Finde-Gesetz”, denn was am Ende dieser Suche herauskommt, steht von vornherein fest: ein Endlager. Innerhalb weniger jahre soll ein Standort gefunden werden, der dann für die Ewigkeit den hochradioakiven Abfall aufnehmen soll. “Es braucht das endgültige Aus für das Endlager Gorleben!” fordern Atomkraftgegner.
  • Werden Deutschlands Nuklearanlagen gegen Terrorangriffe geschützt?
    12. September 2011 – Vor zehn Jahren, nach den Anschlägen auf das World-Trade-Center in den USA entbrannte eine Debatte um die Sicherheit der Atomkraftwerke gegenüber Flugzeugabstürzen. Plötzlich war ein bislang als Restrisiko gewertetes Kriterium – der gezielte Terrorangriff auf ein Meiler mit einem Flugzeug – zu einer denkbaren Bedrohung geworden. In zehn Jahren hat sich zur Verbesserung der Sicherheit einiges getan.
  • Greenpeace: Kommt Bewegung in die Endlagerfrage?
    16.09.2011 – Wohin mit dem Atommüll – diese Frage treibt die Bundesrepublik seit Jahrzehnten um. Jetzt liegen neue Vorschläge für die Endlagersuche auf dem Tisch. Greenpeace-Atomexperte Tobias Münchmeyer nimmt Stellung zur aktuellen Entwicklung.

Quellen (Auszug): dpa, sueddeutsche.de, 26.09.2011

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