Entscheidung über Castor-Transport nach Gorleben fällt Ende Oktober

Das Umweltministerium in Hannover will bis Ende Oktober über die Einlagerung weiterer Castor-Behälter im Zwischenlager Gorleben entscheiden. Das geht aus einem Mittwoch vom Ministerium veröffentlichten Zeitplan hervor. Zur Zeit rollen aber bereits Container für die Polizei durch den Landkreis Lüchow-Dannenberg. Und am 12. Oktober stattet der Umweltminister einen nächsten „Dialog-Besuch“ ab.

Die „fünfte Jahreszeit“ im Wendland hat offenbar begonnen. Immer wieder rollen LKW mit Containern, in denen die Armada an Polizei untergebracht werden soll, durch den Landkreis. Der Aufbau der riesigen Infrastruktur hat begonnen. Zwar gibt es noch immer keinen offiziellen Transporttermin, aber es gibt viele Hinweise, dass der nächste Castortransport Ende Novemver rollen soll.

Das niedersächsische Umweltministerium hält sich noch bedeckt. Denn erst ab Mitte Oktober sollen Gutachten des TÜV zur erhöhten Strahlung am Zwischenlager, vom Zwischenlagerbetreiber entwickelte Vorschläge und neue Strahlenmessungen zu Bewertung vorliegen. Erst nach einer Überprüfung will das Ministerium einem weiteren Transport zustimmen – das wird sich bis Ende Oktober hinziehen.

Am 12. Oktober wird erstmal Umweltminister Röttgen erwartet. Ein neuer Versuch des „Gorleben-Dialoges“ soll in Hitzacker gestartet werden, bislang hatte der Minister wenig Erfolg. Weder die Bevölkerung des Landkreises noch die niedersächsische Politik steigt in seine „Akzeptanz-Gespräche“ ein. Das Land will sogar – so McAllister in einem Brief an Röttgen – von dem Standort Abstand nehmen und plädiert für eine ganz andere Lagerungsvariante. Atomkraftgegner lehnen einen „Dialog“ mit dem Umweltminister strikt ab, denn derartiges beschreibt die Fortführung des Endlagerprojekts Gorlebens – und nicht etwa dessen Ende.

„Röttgen will sich Akzeptanz für ein Atommüllendlager erschleichen – doch die wird er im Wendland auch angesichts eines weiteren Castortransports niemals bekommen“, so Jan Becker von contrAtom. „Seit 30 Jahren wehren sich die Menschen gegen ein undemokratisch durchgesetztes Vorhaben, das keine Langzeitsicherheit gewährleisten kann. In wenigen Wochen wird das Wendland wohl wieder Schauplatz eines Polizeistaates. Im Angesicht dieser Fakten kann niemand auch nur an Akzeptanz denken. Wir werden uns weiter wehren, gegen Castoren, Gorleben und den Weiterbetrieb der AKWs.

Auf einen von drei für den „Fachdialog über Gas und Kohlenwasserstoffe im Salz“ geplanten Experten, den Kieler Geologe Ulrich Schneider, muss Röttgen sogar im Vorfeld schon verzichten. Dieser hatte nach der Werbung mit Zeitungsanzeigen seine Teilnahme zurückgezogen – und steht nun für einen „Dialog“ nicht mehr zur Verfügung.

Niedersachsens Ministerpräsident McAllister plädierte kürzlich auch für ein anderes Endlagerkonzept – was Gorleben Geschichte werden liesse.

Mit einem ersten öffentlichen Dialogversuch war Röttgen bereits im Februar 2011 gescheitert. 700 Menschen protestierten anlässlich seines Besuches in Hitzacker – und waren sich am Ende einig: „Von Röttgen nichts Neues“. Der Bundesumweltminister kündigte erneut eine ergebnisoffene Prüfung für das Endlagerbergwerk an. Bei einem ersten Besuch Röttgens im Wendland wurde er ignoriert. Anfang Dezember 2010 war die Öffentlichkeit ausgesperrt worden, der Umweltminister sprach von „Beginn eines Dialogprozesses“, Atomkraftgegner von einem „Täuschungsmanöver der Öffentlichkeit und medialer Inszenierung“.

  • Analysiert: Gorlebendialog stockt
    2. März 2011 – Die geringe Beteiligung am „Gorlebendialog“ des Bundesumweltministeriums (BMU) zeigt, wie schwer es die Regierung hat, als Dialogpartner akzeptiert zu werden. Die Ergebnisse der Onlinebefragung des BMU sind raus. 324 Personen haben abgestimmt. 5 Nutzer haben den Aufruf kommentiert.
  • Gorleben stoppen! Röttgen macht im Wendland keinen Boden gut
    14. Dezember 2010 – Zur Stunde protestieren hunderte im Wendland während des Besuches von Bundesumweltminister Röttgen gegen den geplanten Bau des Atommüllendlagers in Gorleben. Etliche Bauern sind mit ihren Treckern gekommen und bilden auf der Zufahrt einen Spalier. Im Hafen von Hitzacker liegt das Greenpeace-Schiff Beluga-II vor Anker mit einer deutlichen Aussage zwischen den Masten: „Atomminister Röttgen: raus aus Gorleben!“
  • Röttgen in Gorleben: Täuschungsmanöver und mediale Inszenierung
    2. Dezember 2010 – Als Täuschungsmanöver der Öffentlichkeit und mediale Inszenierung bezeichnet die Bürgerinitiative Umweltschutz den Besuch von Norbert Röttgen im Wendland am heutigen Donnerstag. Röttgen selbst bezeichnete sein Kommen als “Beginn eines Dialogprozesses”. Atomkraftgegner im Wendland ignorieren seinen Besuch.

Quelle (Auszug): open-report.de, ndr.de; 22.09.2011

Solidaritäts-Aktion „nirgendwo“
Artikel-Archiv