Erdbebenrisiko in US-Atomkraftwerken unterschätzt

Bei dem ungewöhnlich starken Erdbeben in der vergangenen Woche sind 27 mehr als hundert Tonnen schwere Atommüllbehälter im US-Atomkraftwerk North Anna verruscht. Eine Analyse von vorläufigen Regierungsdaten ergab, dass das Erdbeben-Risiko eines ernsthaften Zwischenfalls in amerikanischen AKW erheblich unterschätzt wurde.

In einem Fall sei das Risiko sogar 24 Mal höher als vor 20 Jahren erechnet. Mindestens 27 Reaktoren müssen nach dem vorläufigen Bericht der Atomaufsichtsbehörde NRC nachgerüstet werden. Die umfassende Untersuchung der Erdbebensicherheit der US-Kraftwerke war bereits nach dem Atomunglück in Fukushima auf den Weg gebracht worden. Wie viele AKW genau besser auf Erdbeben vorbereitet werden müssen, steht erst dann fest, wenn die Betreiber das seismische Risiko für ihre Anlagen neu berechnet haben. Dazu will die Behörde die Betreiber noch in diesem Jahr auffordern. Die Atomindustrie hat hingegen erklärt, das Beben in der vergangenen Woche habe gezeigt, dass die Reaktoren ausreichend gesichert seien.

Die beiden Reaktoren im AKW North Anna im Bundesstaat Virginia hatten sich bei dem Erdbeben der Stärke 5,8 am 23.08.2011 automatisch abgeschaltet. 27 von insgesamt 53 über 100 Tonnn schwere Atommüllbehälter haben um bis zu 11,4 Zentimeter bewegt, sagte der Sprecher der Betreibergesellschaft Dominion. Die dickwandigen Behälter seien aber nicht beschädigt worden. Sie seien „intakt“ und so konstruiert, dass sie nicht umfallen könnten.

In den USA gelten vor allem die Atomkraftwerke in Kalifornien als gefährdet. Starke Erdbeben an der Ostküste sind sehr selten und eher ungewöhnlich. Dennoch kommen sie bisweilen vor, wie das Beben Ende August Wochen bewiesen hat. Das AKW North Anna ist seitdem abgeschaltet.

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Quellen (Auszug): strompreisvergleich-kostenlos.de, news.yahoo.com, bernerzeitung.ch; 02.09.2011
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