Nichts zu feiern im AKW Brokdorf

Am 01. September wollte E.ON das 25 jährige Bestehen des Atomkraftwerk Brokdorf mit einem Festakt begehen. Die wirtschaftliche Lage des Konzerns sei aber kein Grund zum Feiern, gibt E.ON zu – und sagt das Jubiläum ab. Parallel soll der Meiler mit einem defekten Transformator wieder in Betrieb genommen werden. Atomkraftgegner fordern den Konzern auf, auch die Wiederinbetriebnahme abzusagen.

E.on plant weltweit ca. 11.000 Stellen zu streichen, nachdem der Konzern insgesamt einen Schuldenberg von 30 Mrd. Euro in den letzten Jahren aufgebaut hat. Als Argument müssen die Belastungen durch den Atomausstieg herhalten, Kritiker bezweifeln aber einen ausschließlichen Zusammenhang. Denn nicht so sehr der Atomausstieg, sondern die schon viel früher begonnene Energiewende macht dem Konzern zu schaffen – denn er hat diese schlicht verschlafen. Und das Wehklagen der Atomkonzerne hat nur einen relativen Bezug zu den AKW-Abschaltungen: Der Kurs der Eon-Aktie, Anfang 2008 noch bei 50 Euro, fiel schon vor Fukushima auf 23 Euro. Eon hatte bereits im November – also vor dem Beschluss der Bundesregierung zum Atomausstieg – angekündigt, bis Ende 2013 Unternehmensanteile im Gesamtwert von 15 Milliarden Euro verkaufen zu wollen, um seine Schulden abzubauen und Spielraum für Investitionen zu haben. Bislang verkaufte Eon unter anderem seine Stromnetze in Großbritannien und Italien. Die Umwandlung in eine europäische Aktiengesellschaft hat den Vorteil, dass der Arbeitnehmer weniger Einfluss auf den Konzern erhalten wird.

Am 07. August war Brokdorf nach einem Defekt in einem Maschinentransformator notabgeschaltet worden.Tage später gab E.ON bekannt, dass der betroffene Trafo, mit dem Strom ins Netz eingespeist wird, nicht mehr zu reparieren sei und ausgetauscht werden müsste. Aktuell plant der Atomkonzern, den Reaktor mit nur halber Leistung wieder in Betrieb zu nehmen. Ein entsprechender Antrag zum Wiederanfahren ist gestern bei der Atomaufsicht in Kiel eingereicht worden. Jeder Tag Stillstand kostet E.on rund eine Million Euro Einnahmeverlust. Daher soll das AKW Brokdorf nun mit nur noch einem Transformator so schnell wie möglich wieder in Betrieb nehmen, notfalls eben mit nur halber Leistung.

„Wirtschaftliche Not bei E.on ist nicht gerade ein Hinweis, dass Sicherheit an höchster Stelle steht”, stellt Dirk Seifert, Energiereferent von ROBIN WOOD fest. Auch das AKW Brokdorf ist nicht gegen Abstürze großer Verkehrsflugzeuge gesichert und sollte sofort stillgelegt werden. „Das E.on im Angesicht der Katastrophe von Fukushima überhaupt an eine Feier gedacht hat, ist schon unanständig gewesen.“

Wir forden E.ON auf, nicht nur das 25 jährige Jubiläum sondern auch die Wiederinbetriebnahme abzusagen!

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Quelle (Auszug): blog.robinwood.de; 24.08.2011
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