66 Jahre nach Hiroshima: Atomanlagen stilllegen!

Im japanischen Hiroshima haben die Menschen des ersten Atombombenabwurfs vor 66 Jahren gedacht. Aber diesmal stand nicht allein die Geschichte im Mittelpunkt, in vielen Reden ging es auch um die Gegenwart. Denn es ist der erste Gedenktag seit der Katastrophe von Fukushima. Atomkraftgegner fordern, dass beim Ausstieg aus der Atomenergie auch die Atomwaffenbeteiligung beendet werden muss.

Vor 66 Jahren, am 06. August 1945 warf der US-B29-Bomber Enola Gay die Atombombe „Little Boy“ über der japanischen Stadt Hiroshima ab. Bis Ende Dezember 1945 starben etwa 140.000 Menschen. Es handelt sich um den ersten von zwei Einsätzen von Atombomben in kriegerischen Auseinadersetzungen überhaupt.

  • Um 8:15 Uhr und 17 Sekunden Ortszeit klinkte der US-Bomber Enola Gay die Bombe in 9.450 Metern Höhe aus. Um 8:16 Uhr und zwei Sekunden detonierte sie in 580 Metern Höhe über der Innenstadt. 43 Sekunden später hatte die Druckwelle 80 Prozent der Innenstadtfläche dem Erdboden gleich gemacht. Es entstand ein Feuerball mit einer Innentemperatur von über einer Million Grad Celsius. Die Hitzewirkung von mindestens 6.000 Grad ließ noch in über zehn Kilometer Entfernung Bäume in Flammen aufgehen. Von den 76.000 Häusern der Großstadt wurden 70.000 zerstört oder beschädigt. Unterdessen stieg der für Atombombenexplosionen charakteristische, aus aufgewirbelten und verseuchten Trümmern bestehende Atompilz bis in 13 Kilometer Höhe auf. Dieser verbreitete hochkontaminiertes Material, das etwa 20 Minuten später als radioaktiver Niederschlag (Fallout) über der Gegend niederging.

Die Atombombenexplosionen töteten insgesamt etwa 92.000 Menschen sofort. Bei Menschen, die sich im innersten Stadtkern aufhielten, verdampften buchstäblich die obersten Hautschichten. Der gleißende Blitz der Explosion brannte Schattenrisse von Personen in stehengebliebene Hauswände ein, ehe die Personen von der Druckwelle fortgerissen wurden. Weitere 130.000-140.000 Menschen starben bis Jahresende an den Folgen des Angriffs, zahlreiche weitere an Folgeschäden in den Jahren danach. Durch ein Täuschungsmaöver hatten die Verantwortlichen erreicht, dass sich die Bevölkerung nicht in Schutzbunkern befand. Bis heute sterben damalige Einwohner Hiroshimas an Krebserkrankungen als Langzeitfolge der Strahlung. Nimmt man diese Spätfolgen hinzu, starben über 240.000 der damaligen Einwohner (bis zu 98 Prozent).

  • Der Bürgermeister der Stadt Hiroshima, Kazumi Matsui rief in seiner Friedenserklärung nicht nur zur Abschaffung aller Atomwaffen weltweit auf, sondern auch zu einem Wechsel in der Energiepolitik: „Atomkraft und die Menschheit können nicht koexistieren“.
  • Die ärztliche Friedensorganisation IPPNW erinnert anlässlich der Atombombenabwürfe an „alle Strahlenopfer der nuklearen Kette vom Uranabbau über den „Normalbetrieb“ der Atomkraftwerke, den Einsatz und das Testen von Atomwaffen bis hin zur ungelösten Atommüllendlagerung“.

Von der Bombe zum AKW

Die Geschichte lehrt, dass viele Länder, die in die Atomtechnologie eingestiegen sind, vorrangig ein militärisches Interesse damit verbanden. Das heißt: Sie wollten nicht nur Strom produzieren, sondern auch die Fähigkeit erwerben, Atombomben zu bauen. In den USA und in der Sowjetunion war das Interesse am Bau von Atombomben von Beginn an das ausschlaggebende Motiv beim Einstieg in die Atomtechnologie. Unter dem Eindruck der US-Doktrin „Atoms-for-Peace” von 1953 starteten zahlreiche Länder offiziell ein rein ziviles Atomprogramm, obwohl es ihnen um den Zugang zur Bombentechnologie ging.

So ist in Europa das militärische Motiv nachzuweisen bei den zunächst rein zivil deklarierten Atomprogrammen Großbritanniens, Frankreichs, Schwedens, der Schweiz und Spaniens. Alle diese Programme zielten, zumindest in ihren ersten beiden Jahrzehnten, darauf ab, eine industrielle Kapazität zur Produktion von Waffen-Plutonium zu schaffen.

Alle Länder, die an die Technologie zum Bau von Atombomben gekommen sind – oder dies jahrelang versucht haben –, wurden dabei von Ländern mit vorhandenen Atomprogrammen unterstützt. Der Export von – vermeintlich ziviler – Atomtechnologie, Know-how und spaltbaren Stoffen ist der Weg für die Verbreitung der Techniken und von Know-how zum Bau von Atomwaffen.

Die ersten Atomkraftwerke wurden nicht zur Stromerzeugung sondern zur Produktion von Waffen-Plutonium errichtet. Elektrische Energie war Abfallprodukt. Noch heute laufen Reaktoren, die atombombenstoff herstellen. Etliche Tonnen atombombentaugliches Material lagert in Spaltstoffbunkern der Wiederaufarbeitungsanlagen.

Atombomben in Deutschland

Im rheinland-pfälzischen Büchel lagern noch immer Atombomben der USA, mit denen deutsche Soldaten im Rahmen von Nato-Verträgen Einsaätze und sogar Erstschläge fliegen könnten.

  • Unverzüglich muss die Regierung notwendige Schritte zum endgültigen und vollständigen Abzug amerikanischer Atomwaffen von deutschem Boden unternehmen!

Wir fordern die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen – weltweit!

  • Deutsche Aufrüstung: Als die Atombombenträume platzten
    05.08.2011 – Angestachelt vom nuklearen Wettrüsten der USA und UdSSR schmiedete Konrad Adenauer in den Fünfzigern einen gewagten Plan: Auch die BRD sollte zur Atommacht werden. Für seine Idee wagte der Bundeskanzler ein riskantes Manöver – er ließ sich auf ein doppeltes Spiel mit zwei Westmächten ein.
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    Am 13.02.1960 fand in der algerischen Wüste der erste französische Atomwaffentest statt – der erste von etwa 200 zum Teil oberirdischen Explosionen. Gesundheitliche Folgen in der Bevölkerung werden bis heute offiziell bestritten.
  • Atomtests: Soldaten waren Versuchskaninchen
    16.02.2010 – Menschen als «Versuchskaninchen»: Frankreich hat bei seinen frühen Atomtests Soldaten vorsätzlich radioaktiver Strahlung ausgesetzt, um die Reaktion von Truppen in einem Atomkrieg zu untersuchen. Das geht aus einem geheimen Bericht hervor, aus dem die Zeitung «Le Parisien» am Dienstag zitiert.
Solidaritäts-Aktion „nirgendwo“
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