Erhöhte Radioaktivität durch AKW-Revision

Die AKW-Betreiber loben das jährliche Abschalten ihrer Meiler zur „Revision“ als Wartung, Überholung, Investition und Innovation. Mit Millionenbeträgen wird suggeriert, man erhöhe Sicherheit. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Im Zeitraum dieser Abschaltungen ist die Abgabe an Radioaktivität höher als im „Normalbetrieb“.

  • 14.06., Grafenrheinfeld: „Das Revisionsprogramm umfasste circa 1.000 teilweise sehr umfangreiche Prüfungen und zahlreiche Inspektions- und Instandhaltungsarbeiten. Das Gemeinschaftskernkraftwerk Grohnde investierte für die Revisionsarbeiten insgesamt 56 Millionen Euro.“
  • 16.06., Grohnde: „In Summe investierte E.ON Kernkraft im Rahmen dieser Revision circa 60 Millionen Euro.“

In bestimmten Zeiträumen treten aus Atomkraftwerken viel mehr Radioaktivität aus als sonst. Beim Brennelementwechsel wird der Deckel des Druckbehälters geöffnet, die verbrauchten Brennstäbe kommen in ein Lagerbecken. Wenn der Deckel sich öffnet, entweicht durch ein Lüftungssystem aber viel mehr Radioaktivität als im Normalbetrieb. So kommen Tagesspitzen zustande. Die öffentlichen Werte aber zeigen nur Mittelwerte eines längeren Zeitraumes.

„Die Tabelle besagt, dass immer in diesem Quartal, in dem eine Revision mit Brennelementwechsel gemacht worden ist, erhöhte Werte aufgetreten sind“, so Reinhold Thiel vom IPPNW. „Die richtigen Werte sind aber die, die geheim gehalten werden. Das sind die Spitzenwerte. Und die sind deutlich höher als gemittelte Werte“, meint der kritische Arzt.

Laut Physiker Alfred Körblein vom Umweltinstitut München schnellt die Abgabe von Edelgasen innerhalb eines Tages um das 160-Fache in die Höhe. Innerhalb weniger Tage entweicht fast ein Drittel des gesamten Jahresausstoßes für Edelgase, bei Jod ist es sogar die Hälfte.

Radioaktivität/Ortsdosisleistung in mikroSievert/Stunde AKW Philippsburg

Radioaktivität/Ortsdosisleistung in mikroSievert/Stunde AKW Philippsburg

Die Betreiber haben bisher ihre eigenen taggenauen Werte nicht veröffentlicht. Auf Anfrage gibt RWE dem ARD-Journal plusminus erstmals eine Statistik über den Zeitraum des Brennelementwechsels in Gundremmingen preis. Es sind Daten der sogenannten Revision im vergangenen Jahr. Sie zeigen die Spitzenabgaben von Edelgasen und Jod.

  • Die errechneten Werte würden außerdem weit unterhalb der erlaubten Grenzwerte liegen – um bis zu 90 Prozent, so der Energiekonzern. Was unterhalb der Grenzwerte liegt, ist für RWE also unschädlich.
  • Der Strahlenbiologe Edmund Lengfelder sieht das anders: „Die Freisetzung durch eine so massive Erhöhung bedeutet einen Schub an Strahlenbelastung in einem Organismus, der fünf- bis zehnmal strahlensensibler ist als der Erwachsene und das ist für mich wie eine Flasche Schnaps dem Kind geben.“

Die Betreiber gehen von den gesetzlichen Grenzwerten aus und die unterschreiten sie deutlich. Die kritischen Wissenschaftler gehen von den Schäden aus, die ihrer Ansicht nach auch schon weit unterhalb der Grenzwerte entstehen. Für sie sind die Grenzwerte eine politische Größe, meint Lengfelder: „Die Öffentlichkeit ist leider der irrigen Meinung, ein Grenzwert sei die Grenze zwischen sicher und unsicher. Das ist es überhaupt nicht. Jeder Grenzwert toleriert politisch gesehen eine gewisse Menge an gesundheitlichen Schäden.“

  • Grenzwerte für radioaktive Strahlung
    Grenzwerte gaukeln in der Regel – insbesondere in Zusammenhang mit der Atomenergie – eine Ungefährlichkeit vor. Ist ein Grenzwert bestimmt, so sagt dieser in der Regel nichts über die tatsächliche Gefährlichkeit aus, sondern ist ein sogenannter ‘politischer Wert’, der das politisch Vertretbare ausdrückt. Grundsätzlich gilt, daß es für die Schädlichkeit radioaktiver Strahlung keinen Grenzwert gibt. Jede noch so kleine Menge ist schädlich. weiterlesen »
  • WHO-Chefin: Auch Niedrigstrahlung ist gefährlich
    Bislang vertrat die WHO immer dieselbe Position wie die IAEA: So genannte “interne radioaktive Strahlung”, im Körper angereichert, sei nicht gefährlich. Damit ist nun Schluss: “Es gibt keine ungefährlichen Niedrigwerte radioaktiver Strahlung”, erklärte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan am Mittwoch bei einem kurzfristig anberaumten Treffen mit Mitgliedern der kritischen “Initiative für eine unabhängige WHO”. weiterlesen »
  • Niedrigstrahlung aus Atomkraftwerken im „Normalbetrieb“
    Durch die Kernspaltung entstehen radioaktive Stoffe, die in unterschiedlichem Maße strahlen. Diffusionsfähige radioaktive Spaltgase gelangen nach und nach in den ersten Kühlwasserkreislauf. Durch nicht zu vermeidende Defekte an den Brennstäben treten andere radioaktive Spaltprodukte ebenfalls aus und gelangen bei der regelmäßig notwendigen Reinigung des Kühlwassers und anderen Instandhaltungsarbeiten in die Umwelt. Auch im Kühlmittel selbst entstehen radioaktive Stoffe, die nicht vollständig zurückgehalten werden können. Große bzw. größere Mengen radioaktiver Stoffe gelangen bei einem Störfall in die Umwelt. weiterlesen »

Quellen (Auszug): e.on-kernkraft; daserste.de; 22.06.2011

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