Trotz Atomausstieg mehr Geld für Atomforschung

Es offenbart sich die Atomlobby: Mit dem Weiterbetrieb alter Meiler können sie in Deutschland nicht mehr punkten, nun soll die Atomforschung ausgebaut werden, um auf dem Weltmarkt weiter im Geschäft zu bleiben. Millionenbeträge fließen an Gesellschaften, die sich dem Weiterbetrieb der Atomanlagen verschrieben haben.

Einrichtungen wie die Helmholtz-Gesellschaft würden derzeit pro Jahr mit 32 Millionen Euro gefördert. Diese Summe soll im kommenden Jahr auf 35 Millionen Euro steigen. Dazu kämen 10 Millionen Euro, die direkt in Forschungsprojekte fließen. „Das zeigt: Atomforschung bleibt wichtig“, so Forschungsministerin Annette Schavan (CDU). Auch in Zukunft brauche Deutschland Kompetenz, um international sprech- und urteilsfähig zu sein.

  • Es geht konkret zum Beispiel um das „Transmutationsverfahren“, das radioaktive Isotope umwandeln soll und ihre Halbwertzeit drastisch verkürzen. Es sei „hochinteressant“, so Schavan mit Blick auf die ungelöste Endlagerfrage.

Auch in die Forschung der Fusionstechnik investiert Deutschland: Trotz der in den vergangenen Jahren explodierten Baukosten will Deutschland sich auch künftig am Piltoprojekt ITER in Frankreich beteiligen.

Im vergangenen Jahr sah die Mittelverteilung auf Bundesebene folgendermaßen aus: 618 Mio. € stellte die Bundesregierung für Energieforschung insgesamt zur Verfügung, das BMBF gab im Vergleich zu anderen Ministerien mit 289 Mio. € die meisten Mittel aus. Aus dem Gesamtbetrag flossen 199 Mio. € in erneuerbare Energien sowie 216 Mio. € in Mittel für Energieeffizienz. Mehr Gelder gingen hingegen in die Kerntechnik: 134 Mio. € wurden in Stilllegung und Rückbau kerntechnischer Versuchsanlagen investiert, die nicht zum Energieforschungsprogramm gezählt werden. Für nukleare Sicherheits- und Endlagerforschung wurden 72 Mio. € und für Kernfusionsforschung 131 Mio. € ausgegeben.

Noch deutlicher ist die Schieflage auf europäischer Ebene. Hier fließt der Löwenanteil in die Kernfusion: Für erneuerbare Energien und Energieeffizienz wurden 126 Mio. € aufgewendet, Forschung für Energiespeicher, Netztechnik, Kohleverstromung, fossile Brennstoffe sowie Kohlendioxid-Abscheidung werden nur mit 74 Mio. € gefördert. In die Reaktorsicherheit und Abfallbehandlung hingegen flossen 32 Mio. €, in die Kernfusionsforschung 488 Mio. €.

Atomkraftgegner sind entrüstet: Über die Kosten der Energiewende werde gefeilscht, für weitere atomare Großprojekte sei aber Geld da:

„Das ist schyzophren – hier offenbart sich das eigentliche Interesse der Wirtschaft. An einer nachhaltigen Energiewende, die auf dezentralen kleinen Anlagen berucht, hat niemand Interesse. Dabei steckt darin der tatsächliche Ausweg aus der Abhängigkeit von fossilen und atomaren Brennstoffen, Blackouts und hohen Stromkosten.“, so Jan Becker von contrAtom. „Die Bundesregierung hält sich schon wieder an zum Scheitern verurteilten Strohhalmen wie der Atomfusion oder Transmutation fest, die ein Rettungsanker für ihre Atomenergie sein sollen. Auch dagegen richtet sich unser Protest!“

Wir fordern, die Forschungsgelder zu streichen und in die Energiewende zu investieren!

  • Atomfusion als letzter Strohhalm
    Aufgrund der beschränkten Vorhandenheit des fossilen Rohstoffes Uran als Brennstoff in herkömmlichen Atomreaktoren und dem missglückten Versuch der „Schnellen Brüter“ bleibt der Atomindustrie als zeitbezogene Perspektive allein die des Atomfusionsreaktors, von dem heute niemand wissen kann, ob er jemals funktionieren wird.
  • Transmutation
    Atommüll-Transmutation – teuer, ungewiss und gefährlich. “Transmutation” – die Lösung für das Atommüllproblems? Mithilfe chemischer und physikalischer Verfahren sollen langlebige Isotope, die Jahrtausende gefährlich strahlen, unschädlicher gemacht werden. Ihre Halbwertzeit soll drastisch reduziert werden und damit auch der Aufwand für eine Endlagerung. Eines der gewichtigsten Argumente gegen den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke wäre relativiert: die Frage nach der Langzeitsicherheit von Atommülllagern. Doch erstmal kostet die Entwicklung erheblich Geld, ist gefährlich und grundsätzlich ist ungewiss, ob sie im großen Stil funktioniert.

Quellen (Auszug): vdi-nachrichten.com, 24.06.2011

2 Kommentare zu Trotz Atomausstieg mehr Geld für Atomforschung

  • Nein, man sollte lieber gleich an Generation-V-Reaktoren forschen. Die nutzen Atommüll als Brennstoff, sind im Betrieb absolut wartungsfrei und so sicher, dass das Reaktorgebäude noch für eine Parallelnutzung zur Verfügung steht, etwa einen Vergnügungspark oder eine Jugendherberge.

  • David L. sagt:

    Gratulation. Das Rumgehaue auf Kernfusionsforschung zeigt dass der Titel „contrAtom“ hier wortwörtlich genommen wird. Einfach auf alles einschlagen was das Wort „Atom“ enthält befreit natürlich wunderbar von dem Bedürfnis, die in diesem Informationsnetzwerk verbreiteten Informationen auch mit etwas Tiefe zu versehen.

    Kernfusion ist genau der Prozess, der unsere Solaranlagen, und über das Wetter unsere Windräder und Wasserkraftwerke mit Energie versorgt. Er hat absolut nichts mit Uran, Plutonium oder anderen radioaktiven Materialien zu tun. Diesen Prozess von der Sonne auf die Erde zu holen wäre ein massiver technologischer Fortschritt in Richtung einer nachhaltigen Energieversorgung.

    Aber wahrscheinlich braucht es einen neuen Namen, damit das ankommt. Vielleicht bemerkt mal jemand dass wir Menschen auch aus Atomen bestehen…

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