Die Schweiz steigt aus

Nicht nur Deutschland will der gefährliche Atomkraft den Rücken kehren: Auch die Schweiz will aussteigen. In Italien wird in wenigen Tagen über die Atomenergie abgestimmt. Und auch im „Atomland“ Frankreich möchte die Mehrheit ein Ende der AKWs. Überall machen die Menschen deutlich, dass sie Atomkraft nicht länger dulden!

In der Schweiz werden keine neuen Atomkraftwerke mehr gebaut. Die bestehenden AKW werden am Ende ihrer Betriebszeit vom Netz genommen. Das Schweizer Parlament hat heute einen Vorschlag der Regierung zum Ausstieg des Landes aus der Atomkraft bestätigt: Die Zustimmung in der Bundesversammlung erfolgte über die Parteigrenzen hinweg mit 101 zu 54 Stimmen bei 30 Enthaltungen.

  • Die bestehenden fünf AKW des Landes werden mit Ende ihrer Betriebszeit zwischen 2019 und 2034 stillgelegt. Das alte AKW Mühleberg wird damit noch acht weitere Jahre betrieben.

Nur zwei Tage nach Beginn der Katastrophe im japanischen Fukushima stellte die Schweiz die Pläne, mindestens einen neuen Reaktor als Ersatz für alte Anlagen in Müheberg und Beznau zu bauen, auf den Prüfstand. Die Leiterin des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation, Doris Leuthard, sagte, man werde sämtliche Sicherheitsstandards prüfen und gegebenenfalls anpassen.

Volksabstimmung in Italien

Das italienische Verfassungsgericht hat den von der Opposition geforderten Volksentscheid zur Atomkraftnutzung am 12. und 13. Juni für rechtens erklärt. Die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte unter dem Eindruck der Atomkatastrophe von Fukushima im März ein einjähriges Planungsmoratorium für Atomkraftwerke verhängt und im April beschlossen, den geplanten Wiedereinstieg in die Atomenergie zu stoppen.

Berlusconi hatte allerdings erklärt, dass der Atomenergie die „Zukunft“ gehöre und den Wunsch geäußert, die Italiener binnen ein oder zwei Jahren von der Sicherheit der Atomkraft überzeugen zu können. Oppositionsvertreter und die Umweltschutzorganisationen warfen der Regierung daraufhin vor, nur Zeit gewinnen zu wollen. Sie rufen dazu auf, der Atomenergie bei dem anstehenden Referendum eine Absage zu erteilen.

Italien war nach der Katastrophe in Tschernobyl 1986 im folgenden Jahr aufgrund eines Referendums aus der Atomenergie ausgestiegen, hatte im Jahr 2008 unter Berlusconi aber wieder ein Gesetz zur Planung von Meilern beschlossen. Ab dem Jahr 2014 sollten Atomkraftwerke gebaut werden, die ab dem Jahr 2020 in Betrieb gehen sollten.

  • Am 12. und 13. Juni sind die Italiener aufgerufen, per Referendum über die Atomenergie abzustimmen.

Frankreich: Mehrheit gegen Atomkraft

Sechs von zehn Franzosen sind laut einer Umfrage der „Journal du Dimanche“ für einen schrittweisen Ausstieg ihres Landes aus der Atomenergie: 62 Prozent der Franzosen wollen ein Ende der AKWs innerhalb der kommenden „25 bis 30 Jahre“. Insgesamt 15 Prozent der Befragten befürworteten sogar ein noch rascherem Ausstieg.

Der Druck aus der Bevölkerung wird den Atomausstieg durchsetzen:

„Überall wird deutlich, dass die Menschen Atomkraftwerke nicht weiter wollen – das müssen Politiker, die über Jahrzehnte sehr gut an den Geschäften mit den Atomkonzernen nun anhand der schwindenen Wählergunst lernen“, kommentiert contrAtom. „Atomkraft ist eine Dinosaurier-Technik, die uns großen Gefahren aussetzt. Nach Fukushima haben immer mehr Menschen kein Verständnis mehr für den Weiterbetrieb der AKWs und fordern Erneuerbare Energien als Alternative. Deutschland könnte jetzt mit einem konsequenten Atomausstieg weltweit Vorreiter und gutes Beispiel für werden.“

  • Italien stoppt Wiedereinstieg in Atomkraft
    20. April 2011 – Italien hat den eigenen Wiedereinstieg in die Atomkraft vorerst gestoppt. Nach dem GAU in Tschernobyl hatte das Land nach einer Volksbefragung bis 1990 alle vier AKWs abgeschaltet. Vor dem GAU von Fukushima plante Italien den Bau eines EPR-Reaktors – gegen erheblichen Widerstand in der Bevölkerung.
  • Stresstest in der Schweiz: Erhebliche Mängel in Atomkraftwerken
    5. Mai 2011 – In den fünf schweizer Atomkraftwerken sind erhebliche Mängel festgestellt worden. Besonders schlecht schneidet das alte AKW Mühleberg ab. Abgeschaltet werden die Meiler trotzdem nicht. Das ist die Bilanz nach dem ersten “Stresstest” nach Fukushima.
  • Stand der Dinge: Atomkraft weltweit auf absteigendem Ast
    22. April 2011Eine anlässlich des 25. Jahrestags der Atomkatastrophe von Tschernobyl im Europäischen Parlament präsentierte Bericht zum Stand der weltweiten Atomenergie kommt zu dem Schluss, dass der Anteil von Atomkraft an der Elektrizitätsproduktion weltweit abnimmt und künftig weiter abnehmen wird. So war 2010 erstmals die weltweite Leistung erneuerbarer Energien größer als die der aktiven AKW (381 Gigawatt gegenüber 375 Gigawatt vor Fukushima).

Quellen: focus.de, news.yahoo.de; 08.06.2011

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