Fukushima war Vorsatz – Erdbebengefahr unterschätzt

Der Super-GAU von Fukushima war nicht nur „menschliches Versagen“, sondern durch vorsätzliches Nicht-Handeln konnte es zu der Katastrophe kommen. Zu dem Ergebnis kommen neueste Untersuchungen, die belegen dass nicht die Flutwelle, sondern das Erdbeben Auslöser für die Kernschmelze war. Und über diese Gefahr waren Betreiber und Regierung jahrelang informiert.

Die offizielle Version zu den Ereignissen in Fukushima lautete bislang: „Das Erdbeben hätten die Reaktoren ausgezeichnet überstanden. Doch dann sei der Tsunami gekommen und hätte die Stromversorgung für die Kühlung außer Kraft gesetzt. Dadurch sei die Notstromversorgung angesprungen. Erst als sich deren Batterien leerten, entstanden sukzessive die Probleme, weil die Brennelemente dann nicht mehr gekühlt wurden.“

Insider-Informationen belegen nun aber, dass die Brennstäbe im Reaktor 1 des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima bereits am ersten Abend nach dem Erdbeben vom 11. März geschmolzen seien. Tepco und die japanische Atom-Aufsicht hatten bislang stets betont, Fukushima 1 habe das Erdbeben schadlos überstanden. Zur Havarie sei es bloß gekommen, weil der Tsunami die Not-Kühlsysteme ausgeschaltet habe. Und mit einem solchen Tsunami habe niemand rechnen können. Die Reaktoren in Fukushima waren für ein Beben der Stärke 8,0 bis 8,3 ausgelegt worden. Das Erdbeben am 11. März hatte aber die Stärke 9.

  • Schon das Erdbeben hatte den Reaktor Leck geschlagen, deshalb begann sein Kühlwasserspiegel noch am selben Nachmittag zu sinken. Schon nach fünf Stunden begann die Kernschmelze in Reaktor 1.

Die frühe Kernschmelze erklärt auch, warum Reaktor 1 nicht heißer geworden ist, obwohl er nur wenig Wasser enthält. Das nukleare Brennmaterial liegt vermutlich zu Klumpen geschmolzen auf dem Reaktorboden; also im Rest Wasser, das noch im Reaktor verblieben ist. Im amerikanischen Three Mile Island lag das Brennmaterial nach der Kernschmelze 1979 auch auf dem Reaktorboden. Um es aus dem Reaktor zu bergen, musste man es schließlich zu Pulver mahlen. Dieser Prozess dauerte 14 Jahre.

In der Bewertung der Ursachen des Reaktorunfalls waren erst Anfang Mai von Seiten des Betreibers neue Einschätzungen zu hören gewesen: Bisher sprachen alle Verantwortlichen immer von einer unvorhersehbaren „Naturkatastrophe“ – dann gestand TEPCO „menschliches Versagen“ ein: Im Vorfeld des Fukushima-Unfalls hätten adäquate Schutzmaßnahmen getroffen werden müssen.

Die Schutzbehauptung zur Auslegung des Kraftwerks gegen Naturgewalten sind ebenfalls längst widerlegt: Tepco, das Parlament und die Aufsichtsbehörden waren von Wissenschaftlern vor einer Nuklearkatastrophe wegen eines Mega-Bebens oder eines schweren Tsunamis gewarnt worden. Im Dezember 2010 hatte ein Expertenbericht erst vor den Folgen eines Tsunamis gewarnt. Es war zwar eines der stärksten Erdbeben, die je registriert wurden, aber frühere Beben entlang der Bruchlinie vor der Sanriku-Küste waren nur unwesentlich schwächer. Japans Atomlobby hatte der Bevölkerung stets versichert, ihre AKWs seien „sicher“.

Damit wachsen Zweifel an der Erdbebensicherheit von Atomkraftwerken weltweit.

Schon wenige Tage nach der Katastrophe äußerte sich das Deutsche Atomforum zu den Ereignissen, die in Deutschland nicht möglich wären: „Eine Verkettung eines derart schweren Erdbebens und eines schweren Tsunamis ist in Deutschland nicht vorstellbar.“ Da weltweit nur die wenigsten Atomkraftwerke in Tsunami-Gegenden liegen, sei die Atomenergie durch die Ereignisse in Fukushima nicht gefährdet. Aber auch in Deutschland liegen AKW in Erdbebengebieten, etwa die zwei Reaktoren in Neckarwestheim.

  • Daraus resultiert, dass die Auslegung der Atomkraftwerke gegen Erdbeben systematisch unterschätzt wurde.
  • Da Sicherheitsrisiken ignoriert wurden, attestieren wir den Betreibern und der japanischen Atomaufsicht Vorsatz!
  • Wir fordern, dass in erdbebengefährdeter Region stehende AKW Neckarwestheim-2 sofort abzuschalten! Block-1 darf ebenfalls nie wieder ans Netz gehen.
  • Sind japanische AKW-Betreiber schlechter als deutsche?
    28. März 2011 – Wir befürchten: Nein. In Japan wurde in der Vergangenheit getrickst, getäuscht, beschwichtigt und die Bevölkerung in Sicherheit gewogen. Vergleichbare Praktiken sind uns in Deutschland gut bekannt. Wir erinnern (un)gern an die Täuschungsmanöver Vattenfalls bei den Störfällen in Krümmel.
  • Fukushima war “menschliches Versagen“
    2. Mai 2011 – In der Bewertung der Ursachen des Reaktorunfalls im japanischen AKW Fukushima sind von Seiten des Betreibers neue Einschätzungen zu hören: Bisher sprachen alle Verantwortlichen immer von einer unvorhersehbaren “Naturkatastrophe” – nun gesteht TEPCO “menschliches Versagen” ein. Dieses Eingeständis muss Auswirkungen auf den Reaktorbetrieb in aller Welt haben!

    Quellen (Auszug): spiegel.de, sueddeutsche.de, heise.de; 18.05.2011

    Eine Antwort auf Fukushima war Vorsatz – Erdbebengefahr unterschätzt

    • fakeraol sagt:

      Falsch. Am Epizentrum, 100km von Fukushima weg waren es 9,0, vor Fukushima nur noch 5,3 . Und da Fukushima für 8,0 bis 8,3 ausgelegt war, und die Skala logarithmisch ist, bedeutet das, daß ein Beben, das ca. 700 mal schwächer war, als die Auslegung von Fukushima (jeder Stufe auf der Skala = Verzehnfachung der Kräfte), trotzdem das Atomkraftwerk zerstört hat. Die Berechnungen der „Experten“ waren also um den Faktor 700 falsch.

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

    Artikel-Archiv