Die Achillesfersen der deutschen AKW

In einer dreiteiligen Serie „Die Achillesfersen der deutschen AKW“ macht der FOCUS auf Sicherheitsdefizite in deutschen Atomkaftwerken aufmerksam: Flugzeugabstürze, Erdbeben, Abklingbecken, Explosionen im Innern. Nachrüstungen sind nach Expertenangaben „nicht trivial“.

Einen Ausstieg aus der Kernkraft bis spätestens 2021 – das empfiehlt die von Angela Merkel eingesetzte Ethikkommission. Deren Empfehlungen sollen – ebenso wie der Bericht der Reaktorsicherheitskommission, der am kommenden Sonntag abgeschlossen sein soll, in die Energiestrategie der Bundesregierung einfließen. Bereits vorab wurde bekannt: Man setze lieber auf eine Technik, „die weniger Risiken biete“ – unter anderem bei Flugzeugabstürzen und Erdbeben.

Für Rainer Baake, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, ist die Sache klar.

„Weil die deutschen Atomkraftwerke nicht ausreichend gegen Flugzeugabstürze geschützt sind, brauchen wir über weitere Sicherheitsmängel eigentlich nicht zu diskutieren“, sagt er – zumindest mit Blick auf die sieben ältesten Meiler.

Gefährliche Freibäder

Das grundlegende Prinzip der Kernenergie besteht darin, dass bei Kernspaltungen Wärme entsteht, das grundlegende Problem darin, dass dieser Prozess letztendlich nicht zu stoppen ist. Teilweise für Jahrtausende. Verbrauchte Brennelemente können also nicht einfach auf den Müll geschmissen werden. Bislang diskutierten Atomgegner und -befürworter vor allem, wo und wie man den radioaktiven Abfall für einen so langen Zeitraum sicher endlagern kann. Seit der Katastrophe in Fukushima rücken allerdings Bauteile in den Mittelpunkt, die noch im Atomkraftwerk (AKW) selbst liegen: Die Abklingbecken. Die sehen auf vielen Fotos so friedlich aus wie Freibäder, wurden aber in Japan unerwartet zum Problem.

„Wenn es da aber zu einer Situation kommt, in der wir kein Wasser mehr haben, dann gibt es ein großes Problem“, sagt Rainer Baake, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe. Dann heizen sich die Brennstäbe auf, können in Brand geraten und ihre Strahlung mit dem Rauch an die Umwelt abgeben.

Schutz vor Explosionen im Inneren

Fällt in einem Atomkraftwerk dauerhaft die Kühlung aus, kommt es mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zu einem GAU – einem größten anzunehmenden Unfall. Die Brennelemente im Reaktorkern heizen sich kontinuierlich auf und schmelzen schließlich. Bekommt der Betreiber diesen Prozess nicht in den Griff, droht der Super-GAU. Experten benutzen diesen Begriff, wenn bei einem Unfall größere Mengen Radioaktivität über das Reaktorgelände hinaus nach draußen dringen.

Die Berechnungen sind extrem komplex, deutsche AKW sind zudem kaum gesichert gegen die Folgen von Kernschmelzen – eine Nachrüstung erscheint unmöglich.

Quelle (Auszug): focus.de, 11./12./13.05.2011

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