Merkel will Termine für Atomausstieg

Goodbye Restlaufzeiten: Nach einem Bericht der „Handelsblatt“ will Bundeskanzlerin Merkel für die Stilllegung der Atomkraftwerke in Deutschland Termine vorgeben. Bislang orientierte sich die endgültige Abschaltung an zugeteilten Reststrommengen – mit denen die Betreiber in der Vergangenheit getrickst hatten. Atomkraftgegner fordern maximale Sicherheit.

Die Bundesregierung will für die Abschaltung der Atomkraftwerke feste Jahreszahlen festlegen, Reststrommengen soll es nicht mehr geben – damit wird die Abschaltung unvermeidlich. Darauf habe sich Merkel mit Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Kanzleramtsminister Ronald Pofalla bei einem Treffen Ende vergangener Woche geeinigt, erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen.

Merkel, Röttgen und Pofalla seien übereingekommen, den Betreibern keinen Spielraum mit der Abschaltung zu lassen, wie es die Reststrommengen ermöglichten: durch den Betrieb mit nur verminderter Leistung oder gezielten Abschaltungen konnte die Stillegung von Neckarwestheim-1 etwa über die Bundestagswahl 2010 hinausgezögert werden. Betreiber EnBW verwies damals unverhohlen auf diese Taktiererei.

Nach Handelblatt-Informationen gilt es als sicher, dass eine Jahreszahl gewählt wird, die dem rot-grünen Ausstiegskonzept nahe kommt. Nach den Plänen von Rot-Grün wäre der letzte Meiler wahrscheinlich 2022 oder 2023 vom Netz gegangen.

Atomkraftgegner fordern von der Regierung maximale Sicherheit: Die Vorgabe von Abschaltdaten soll der Bevölkerung suggerieren, dass es mit der Atomkraft bald zu Ende geht. Bis 2023 sind es aber noch über zehn Jahre, in denen jeden Tag ein schwerer Unfall passieren kann. Die Betreiber haben mit einer terminlichen Abschaltung das finanzielle Nachsehen, weil sie die Laufzeit nicht mehr künstlich verlängern können. Nun darf es keine Zugeständnisse geben, deswegen auf Sicherheit zu verzichten!

  • Die sieben alten Meiler und das Kernkraftwerk Krümmel müssen abgeschaltet bleiben.
  • Alle weiteren Reaktoren müssen schnellstmöglich folgen. Die Universität Flensburg hat ein Szenario errechnet, dass einen Atomausstieg bis 2015 darlegt.
  • Studie: Auch ohne Atomkraft keine Stromlücke
    28. April 2011 – Auch mit einem schnellen Atomausstieg ist weder die Versorgungssicherheit in Gefahr, noch muss mit erheblich höheren Kosten gerechnet werden. Das zeigt ein von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) in Auftrag gegebenes Gutachten der Universität Flensburg. Machbar sei damit ein Atomausstieg bis 2017 oder sogar bis 2015. Diesen Beitrag weiterlesen »
  • CDU: “Weiter so” nach Fukushima?
    1. Mai 2011 – In der Diskussion um den Atomausstieg haben drei CDU-Landesverbände ein Leitlinien-Papier für eine “behutsame Energiewende” ausgearbeitet: von einem Ausstieg aus der Atomkraft dürfe die deutsche Wirtschaft nicht beeinträchtigt werden. Man dürfe sich zudem auf keinen Ausstiegstermin festlegen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Textquellen (Auszug): handelsblatt.com, 02.05.2011

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Solidaritäts-Aktion „nirgendwo“
Artikel-Archiv