Fukushima: Hungrig, verletzt, obdachlos und allein

Japan richtet um die havarierten Reaktoren von Fukuhsima eine langjährige Sperrzone ein. Wer künftig seine Heimat betreten möchte, darf das nur noch mit staaticher Genehmigung oder wird daran gehindert. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafen oder bis zu 30 Tage in Haft bestraft. 80.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren.

Erste Schätzungen besagen, dass die Sperrzone wohl 20 Jahre aufrecht erhalten werden müsste.

Die wirtschaftlichen Folgen der Atomkatastrophe werden nach Ansicht des Atomexperten Mycle Schneider Tschernobyl „bei weitem überschreiten“. Welche Folgen Fukushima für die Umwelt und die Gesundheit der Menschen haben werde, sei noch „schwer zu sagen“. Hinsichtlich wirtschaftlicher Folgen sei Fukushima „das Zigfache“ des Tschernobyl-Unfalls von 1986, „tiefgreifender und katastrophaler“. Die Entsorgung großer Mengen verstrahlten Löschwassers, die Verseuchung von Fischbeständen und Ernteausfälle in der für die Reisproduktion wichtigen Präfektur Fukushima seien nur einige der Schäden.

Neben 40 Menschen, vor allem Bauern und alte Menschen, sind nach Regierungsangaben noch 3.400 Kühe, 31.000 Schweine und 630.000 Hühner in dem Sperrgebiet. Die meisten der knapp 80.000 Bewohner in der Evakuierungszone hatten das Gebiet bereits verlassen, als es am 12. März evakuiert worden war.

Bewohner eilten am Donnerstag teilweise in Schutzkleidung, mit Gesichtsmasken und Regenausrüstung in die verlassenen Städte im Umkreis der Atomanlage zurück, um vor Inkrafttreten des Zutrittsverbots so viele Habseligkeiten mitzunehmen wie möglich. Die meisten von ihnen rasten in Autos durch die Zone, dabei waren die Autofenster verschlossen und die Fahrzeuge mit Kleidung und Wertsachen vollgepackt.

Die Sperrzone – ein Rückblick:

  • 11. März – Wenige Stunden nach dem Erdbeben lösen die Behörden Atomalarm aus. Das Gebiet im Umkreis von drei Kilometern um das Kernkraftwerk Fukushima wird zur Evakuierungszone.
  • 12. März – Die Regierung erweitert die Zone auf zunächst zehn, kurz darauf auf 20 Kilometer. In einer Entfernung bis zu 30 Kilometer sollen die Menschen möglichst im Haus bleiben.
  • 28. März – Anwohner sollen die Evakuierungszone von 20 Kilometern nicht mehr betreten. Einige ignorieren die Warnung und kehren vorübergehend in ihre Häuser zurück, um sich ein Bild zu machen.
  • 31. März – Trotz Empfehlung von Umweltschützern und der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA will Japan die Zone nicht ausweiten.
  • 10. April – Mit Billigung der Behörden kehren weitere Flüchtlinge kurzzeitig in das Katastrophengebiet zurück, um persönliche Dinge mitzunehmen.
  • 11. April – Die japanische Regierung kündigt an, dass binnen eines Monats auch mehrere Gemeinden außerhalb der 20-Kilometer-Zone um die Atomruine Fukushima Eins evakuiert werden sollen.
  • 21. April – Die Evakuierungszone von 20 Kilometern um die Atomruine herum wird offiziell zum Sperrgebiet erklärt. Der Zutritt ist nur noch mit staatlicher Genehmigung erlaubt. Rund 80 000 Menschen sind betroffen.

Quellen: dpa, AFP; 21.04.2011

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