Plutonium: Es drohte noch größere Gefahr

Mehr als zehn Jahre verhinderte Greenpeace die Verwendung plutoniumhaltiger Brennelemente im AKW Fukushima. Wären die MOX-Brennstäbe wie geplant 1999 zum Einsatz gekommen, die heutige Reaktorkatastrophe fiele wohl noch verheerender aus.

Bereits am Wochenende um den 18. März liefen die ersten Meldungen über plutoniumhaltige Brennelemente, die in dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima zum Einsatz gekommen sein sollen, über den Ticker auf greenpeace.de. Als in den frühen Morgenstunden des 21. März Rauch über dem Anlagenkomplex aufstieg, wurden die Arbeiter evakuiert: Es bestehe ein erhöhtes Risiko für das Personal, wurde gemeldet, da sich in Reaktor 3 hochgefährliches Plutonium befinde.

Offenbar hätten die Gefahren durch schmelzende Plutonium-Brennstäbe, sogenannte Mischoxid-Brennelemente (MOX), noch wesentlich größer sein können, wäre es nach dem Willen der AKW-Betreiberfirma Tepco gegangen. Diese hatte im Sommer 1999 beim britischen Konzern British Nuclear Fuel (BNFL) 446 Kilogramm Plutonium, Stoff für bis zu 60 Atombomben geordert, um es im Atomkomplex Fukushima einzusetzen.

Das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise hatte den umstrittenen Atomtransport damals um die halbe Welt begleitet, die Ankunft in Japan fand unter Polizeischutz statt. In den kommenden zehn Jahren verhinderte Greenpeace in Zusammenarbeit mit den Anwohnern durch konsequenten Protest und Gerichtsverfahren den hochgefährlichen Einsatz der MOX-Brennelemente im AKW Fukushima. Im September 2010 habe sich Tepco dann schließlich doch entschlossen, einen Teil der Brennelemente in Block 3 einzubauen, wie Shaun Burnie, damals Leiter der internationalen Greenpeace Atomkampagne, berichtet.

„Hätte Tepco Electric die Erlaubnis bekommen, ihr MOX-Programm in vollem Umfang durchzuführen, wären in den letzten zehn Jahren viele, viele Tonnen Plutonium in den Reaktor eingebaut worden“, so Burnie. Die Atomkatastrophe von Fukushima hätte also noch um einiges verheerender ausfallen können.

Plutonium ist nicht nur radioaktiv sondern auch hochtoxisch, seine gesundheitsgefährdende Wirkung entfaltet der Stoff insbesondere, wenn er eingeatmet wird und sich in Knochen und Organen des Menschen anreichert. Noch kritischer wird es, wenn Plutonium durch Explosionen und Brände verteilt wird, gibt Henrik Paulitz von der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW gegenüber greenpeace-magazin.de zu bedenken.

Quelle: greenpeace-magazin.de, 05.04.2011

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