EU versucht Grenzwerte für radioaktive Verstrahlung von Lebensmitteln zu erhöhen

Nach dem Unglück in Japan versucht die EU per Eilverordnung die Grenzwerte für Strahlenbelastung von Lebensmitteln aus Japan zu erhöhen. Vor allem für Verstrahlung durch Cäsium 134 und Cäsium 137 soll der Höchstwert auf 1.250 Becquerel angehoben werden. Der momentane Grenzwert wurde nach Tschernobyl bei 600 Becquerel gesetzt.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner verweist seit Tagen auf „verstärkte Kontrollmaßnahmen“ und „spezielle Schutzstandards“ – sie informiert die Öffentlichkeit jedoch nicht darüber, dass die EU-weit geltenden Grenzwerte für die radioaktive Belastung von Lebensmitteln aus den betroffenen Regionen Japans am vergangenen Wochenende deutlich erhöht wurden.

Die EU Kommission hat heimlich, still und leise die Katastrophengrenzwerte für Lebensmittel in Kraft gesetzt. Das heißt, dass Nahrungsmittel jetzt deutlich höher radioaktiv belastet sein dürfen, als im Normalfall. Die Grenzwerte für Cäsium wurden zum Teil verdoppelt, für Lebensmittel wie Fischöl und Gewürze sogar verzwanzigfacht.

Ursprünglich waren diese Grenzwerte nach der Tschernobyl-Katastrophe eingeführt worden, um die Ernährung der Bevölkerung trotz eines Super-GAUs sicher zu stellen. Von einem Ernährungsnotstand kann bei einem Lebensmittelimportanteil aus Japan von unter 0,05 Prozent jedoch kaum eine Rede sein.

  • Das Umweltinstitut München fordert die Bundesregierung deshalb auf, diese Grenzwerterhöhung unverzüglich zu revidieren und stattdessen ein sofortiges Einfuhrverbot von Lebensmitteln aus Japan zu erlassen!

„Grenzwerte sollen Sicherheit suggerieren, nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl vor 25 Jahren hatten Verbraucherverbände statt der 600 Becquerel vor allem für Schwangere und Kindernahrung einen Richtwert von 60 Becquerel empfohlen“, erinnert die BI Lüchow Dannenberg und fordert, Grenzwerte nicht an wirtschaftlichen Interessen zu orientieren.

  • Grenzwerte gaukeln Sicherheit vor. Doch ist medizinisch nicht erwiesen, dass geringe Strahlung völlig ungefährlich ist.

Textquelle: shortnews.de, umweltinstitut München, 28./29.03.2011

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2 Responses to EU versucht Grenzwerte für radioaktive Verstrahlung von Lebensmitteln zu erhöhen

  • jan sagt:

    Aigner kehrt um: «Der vorbeugende Verbraucherschutz muss Priorität haben», sagte ein Sprecher von Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) am Freitag in Berlin. «Deshalb ist bei einer Vereinheitlichung aus Gründen des vorsorgenden Gesundheitsschutzes grundsätzlich immer der jeweils niedrigste, also sicherste Grenzwert anzuwenden.»

  • HaJoFl sagt:

    Im „Limbo-Konsens“ senkt die EU die Anforderungen, sonst gibt es ja wegen der wirtschaftlichen Interessen keine Mehrheiten. Das ist auch und insbesondere bei der europaweiten Überprüfung auf die Einhaltung von Standards zu befürchten, insbesondere wegen Frankreich.
    Den AKW-Betreiber müssten auch die vollständigen Kosten der „Entsorgung“ und Zwischen- /Endlagerung aufgebürdet werden, dann wäre der AKW-Betrieb unwirtschaftlich.

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