Siemens steigt aus?!

Siemens ist in Deutschland der Atomkonzern Nr. 1. Nach dem Super-GAU in Japan überlegt Siemens nun den Atomausstieg. Der Konzern verdient Milliarden mit Wartungs-, Ausbesserungsarbeiten oder Brennelementeherstellung für die Atomindustrie. Damit könnte nun Schluss sein.

„Wir diskutieren derzeit alle Optionen“, zitiert die „Wirtschaftswoche“ einen hochrangigen Manager des Münchner Unternehmens. Es sei aber noch nicht entschieden, ob Siemens die Pläne völlig aufgebe oder etwa die Rolle eines bevorzugten technischen Partners übernehme. Der Konzern hatte vor zwei Jahren im März 2009 mit dem russischen Staatskonzern eine Absichtserklärung zur Gründung eines gemeinsamen Unternehmens unterzeichnet.

„Unser gemeinsames Ziel ist es, weltweit Marktführer im Kernenergiegeschäft zu werden“, hatte Siemens-Chef Peter Löscher damals gesagt. Das Gemeinschaftsunternehmen soll neue Atomkraftwerke bauen und vorhandene Meiler modernisieren.

2009: Siemens will mit Russland neue AKW bauen

Aufgrund von mangelhaftem Mitbestimmungsrechten und dem Vorwurf, die französische Sicherheitstechnik sei nicht auf dem Stand der Technik stieg Siemens Anfang 2009 beim französischen Atomkonzern AREVA aus. Nur kurze Zeit später wurde bekannt, dass Siemens an gemeinsamen Kraftwerkprojekten mit Rosatom, dem führenden Atomunternehmen Russlands interessiert ist. Russland bot spontan an, Siemens könne in Kaliningrad ein Atomkraftwerk bauen.

„Wir beabsichtigen, unser Engagement in Schritten auch in den nuklearen Kreislauf hinein auszuweiten“, sagte Siemens-Vorstand Wolfgang Dehen. „Heute bietet der Markt ein fantastisches Potenzial.“ Siemens wolle mit Rosatom eine führende Rolle spielen. (Spiegel Online. 24.02.2009)

Framatome / AREVA – Aus dem Imageverlust wurde ein neuer Name

Der weltweit führende Hersteller von Atomkraftwerkstechnik ist die „AREVA“, ehemals Framatome mit Sitz in Paris. Die Firma ist bis zum Ausstieg von Siemens 2009 ein Zusammenschluss von Siemens/KWU (34%) und der französischen Framatome (66%) gewesen. Mit einem nahezu Monopol auf dem Weltmarkt trägt AREVA eine entscheidende Verantwortung für den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke. Die deutsche Tochtergesellschaft hat ihren Sitz in Erlangen und führte die Geschäfte von Siemens/KWU unverändert fort.

Da Deutschland – nach dem offiziell letzten Projekt, dem Forschungsreaktor FRM-II in Garching, seit 1982 keine Atommeiler mehr in Auftrag gab, setzt AREVA verstärkt auf den Export – vor allem in die Länder im Osten: In die Slowakei mit dem AKW Mochovce, der Ukraine (K2R4-Reaktor) und viele weitere Länder Ostasiens. In Finnland leitet „Framatome ANP“ nicht unwesentlich Lobbyarbeit für die Atomenergie. Die Bauten in den ostasiatischen Ländern werden meist mittels staatlicher Kredite oder Hermes- Bürgschaften finanziert, die in Form von Strom an Deutschland zurückgezahlt werden sollen. Was eigentlich für AREVA und Siemens der Durchbruch auf dem weltweiten Atomkraftwerksmarkt werden sollte, entwickelt sich in Finnland zu einem Milliardendesaster: Der erste „Europäische Druckwasserreaktor“ (EPR) in Olkiluoto, der von AREVA und Siemens entwickelt wurde, verzögert sich aufgrund von Pannen immer weiter in der Fertigstellung, das einst zu einem Festpreis angebotene AKW wird viel teurer als geplant.

Siemens ist in Deutschland der Atomkonzern Nr. 1

Siemens hat in Deutschland mehr als 20 kommerzielle Atomkraftwerksblöcke gebaut. 17 dieser Atomreaktoren sind derzeit noch in Betrieb. Vier weitere Atomkraftwerke errichtete Siemens als Generalunternehmer in den Niederlanden (Borssele, 1973), in Argentinien (Atucha-1, 1974), in der Schweiz (Gösgen, 1979) und in Spanien (Trillo-1, 1988). Darüber hinaus entwickelte und baute Siemens mehrere Forschungsreaktoren.

Bedeutet „deutsche AKW-Technik“ auch größte Sicherheit?

Nein: Die deutschen AKWs entsprechen nicht mehr dem heutigen Stand der Technik, in zahlreichen Gutachten wurden Mängel über Mängel aufgezeigt. Keines der deutschen AKWs wäre heute, nach einem novellierten Atomgesetz, genehmigungsfähig! Aufgrund des hohen Kostendruckes wegen des offenen Wettbewerbes durch die Liberalisierung des Strommarktes wird immer mehr gespart – auf Kosten der Sicherheit: jährliche Routinearbeiten werden zeitlich verkürzt, für sicherheitsrelevante Reparaturarbeiten werden Hilfskräfte bzw. Leiharbeiter eingesetzt.

Mit einer Protestmailing-Aktion hatte contrAtom 2009 Siemens zum Ausstieg aus der Atomenergie aufgefordert. Die Kampagne „Siemens Boykott“ fordert seit Jahren die Bürger auf, keine Siemens-Produkte mehr zu kaufen – bis der Konzern aussteigt.

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