Castortransport in der Schweiz

Ein Transport mit radioaktivem Atommüll wurde gestern aus der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague ins schweizerische Zwischenlager Würenlingen gebracht. Der Widerstand gegen diese Transporte ist im Vergleich mit Deutschland gering – regt sich aber immer stetiger, denn eine Lösung für den gefährlichen Müll ist auch in der Schweiz nicht in Sicht.

  • „Wer den Dreck macht, muss ihn auch zurücknehmen“, lautet unisono die Haltung der Grünen, Greenpeace und der Schweizerischen Energiestiftung. „Der Atommüll gehört zu den Atomkraftwerken, wie der Kuhfladen zur Kuh gehört“, bringt es Jürg Buri von der Schweizerischen Energiestiftung auf den Punkt. Die Schweizer wollten Atomkraftwerke, also müssten sie auch die Konsequenzen davon tragen, und eine dieser Konsequenzen sei der giftige Atommüll.
Castortransport in der Schweiz; Bild: greenpeace.ch

Castortransport in der Schweiz; Bild: greenpeace.ch

Mit intensiver Kampagnenarbeit hatte Greenpeace Schweiz erreicht, dass seit 2006 kein Atommüll mehr exportiert werden darf. Den Müll, den die AKW-Betreiber vor 2006 ausser Landes geschafft haben, müssen sie auch wieder zurücknehmen. Greenpeace protestiert deswegen nicht gegen den Castor-Transport nach Würenlingen.

Die aktuelle Situation in der Schweiz ist jedoch völlig schizophren, denn während der Atomstrom Zustimmung erhält (die Schweiz plant den Bau von weiteren Atomkraftwerken), wehren sich alle Kantone gegen den Bau eines Endlagers auf ihrem Gebiet. Es gebe derzeit weder eine politische noch eine technische Lösung für den Atommüll.

Der mit radioaktivem Material beladene Sonderzug erreichte gestern (Donnerstag) um 11.26 Uhr den Bahnhof St. Johann in Basel. Diskret und von der Bevölkerung unbemerkt sollten die Waggons von Frankreich kommend fahren – so zumindest wollten es die Behörden: Gefahrenguttransporte sind in der Schweiz Geheimsache. Die zuständigen Bundesbehörden sagen weder, wann die Züge in die Schweiz kommen, noch, wie die genaue Route verläuft, noch was sie transportieren.

Messungen von Greenpeace haben eine doppelte Grundradioaktivität drei Meter neben dem Behälter ergeben: Das tiefe Resultat sei darauf zurückzuführen, dass nur „mittelaktiver“ radioaktiver Abfall transportiert werde, erklärt Florian Kasser von Greenpeace.

  • Gefährlicher Atommüll wird über Dutzende von Kilometern durchs Land transportiert, behandelt, gelagert und wieder transportiert. Die Verschiebung von Atommüll gefährdet die Bevölkerung und verschleiert, wo der Müll am Ende vergraben wird, so Greenpeace Schweiz.

Parlamentarier in Basel schlagen nun aber Alarm. Sie wollen dringlich Auskunft vom Bundesrat: Wie informiert der Bundesrat die Öffentlichkeit und ist er bereit, künftige Transporte transparent anzukündigen? Was wird transportiert? Was tut der Bundesrat zum Schutz der Bevölkerung vor Unfällen mit dem radioaktiven Material?

Alles „Hässliche“ rund um die Atomenergie werde in der Schweiz verschwiegen, führt Buri aus. „Dass im Niger oder in Namibia Menschen ihr Leben lassen, weil sie für uns Uran abbauen, hört man nie.“

Bis ins Jahr 2018 sollten nach Medienberichten zwölf Lieferungen im Auftrag des Energiekonzerns Axpo von La Hague nach Würenlingen erfolgen.

Die einzige Lösung für das Atommüllproblem ist das Abschalten der Kernkraftwerke. Anstatt neue Atomkraftwerke zu bauen, müssen die Schweizer Energieversorger endlich konsequent in erneuerbare und saubere Energien investieren.

Textquelle: tagesschau.sf.tv, bazonline.ch, greenpeace.ch (auch Bild); 03.03.2011

Solidaritäts-Aktion „nirgendwo“
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