Alte AKW könnten schneller abgeschaltet werden – „Mit einem lachenden und einem weinenden Auge“

Altere Atomkraftwerke sollen aus wirtschaftlichen Erwägungen früher als vorgeschrieben vom Netz gehen. Dafür sollen neuere Anlagen länger laufen. Über diese Überlegungen der Energiekonzerne berichtet das Handelsblatt in der heutigen Ausgabe. Wir begrüßen diese Überlegung, denn jedes Atomkraftwerk, das stillgelegt wird, ist ein Risiko weniger. Dennoch werden wir keine Ruhe geben, bis nicht das letzte AKW abgeschaltet ist.

Derzeit werde nachgerechnet, ob sich der Betrieb der Alt-Akw noch lohne, wenn von der Bundesregierung geplante zusätzliche Sicherheitsauflagen umgesetzt würden, hieß es unter Berufung auf Angaben aus Branchen- und Regierungskreisen. Im Gegenzug könnten neuere Akw dann noch länger am Netz bleiben als aufgrund der von Union und FDP durchgesetzten Laufzeitverlängerung bereits vorgesehen.

„Wir sehen diese Überlegungen mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, so Jochen Stay von ausgestrahlt. „Jedes Atomkraftwerk, das stillgelegt wird, ist ein Risiko weniger. Und wir sehen jede mögliche Stilllegung auch als Erfolg der Anti-Atom-Bewegung, denn ohne die Massenproteste der letzten Monate hätte es die zusätzlichen Sicherheitsauflagen nicht gegeben, die den Stromkonzernen jetzt zu schaffen machen.“

Wir werden auch weiter Druck auf die Atomaufsichtsbehörden der Bundesländer machen, damit diese bei den Sicherheitsauflagen nicht locker lassen. Die Übertragung von Stromkontingenten auf weniger alte Reaktoren verschlechtert die Ausgangslage für uns Atomkraftgegner nicht wesentlich, denn ob AKW wie Neckarwestheim 2 oder Brokdorf bis 2034 oder 2042 laufen dürfen, ist so oder so indiskutabel und wird auf unseren Widerstand stoßen.

Andererseits wird mit der aktuellen Debatte der Anschein erweckt, als wären weniger alte Atomkraftwerke sicher und könnten bis zum St. Nimmerleinstag weiterbetrieben werden. Dies ist nicht der Fall. In jedem AKW, selbst in den jüngsten, die ja auch schon mehr als 20 Jahre auf dem Buckel haben, kann jeden Tag der Super-GAU eintreten. Die jetzt beschlossenen Sicherheitsauflagen reichen deshalb noch längst nicht aus. Wirkliche Sicherheit gibt es nur, wenn alle Reaktoren stillgelegt werden. Dafür werden wir uns weiter einsetzen.

Entscheidende Stellschraube der nächsten Zeit wird so oder so die tatsächliche Höhe der Sicherheitsauflagen. Je nachdem, wie viel Nachrüstungen die Atomaufsichten der Länder von den AKW-Betreibern verlangen, wird die Zahl der Reaktoren, die zeitnah stillgelegt werden, kleiner oder größer ausfallen. Deshalb ist unser Hauptansatzpunkt in den nächsten Monaten, die entsprechenden Landesregierungen nicht aus der Verantwortung zu lassen.

Die Proteste gehen weiter: Am 12. März findet eine 45 km lange Menschenkette vom AKW Neckarwestheim zur Stuttgarter Staatskanzlei statt. Am 25. April, zum 25. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe, wird vor sämtlichen AKW-Standorten der Republik protestiert.

Quelle (Auszug): ausgestrahlt.de, news.yahoo.de, 07.02.2011

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