Noch mehr Müll für Lubmin: Schiffsreaktor der Otto Hahn

Das Zwischenlager Nord bei Greifswald-Lubmin wird zur nationalen Atommüllkippe: Immer neue Pläne kommen zutage, welche radioaktiven Komponenten in der Halle enden sollen. Aktuell geht es um den Reaktor des ersten und letzten atomar betriebenen Frachters: der Otto Hahn. Im Dezember 2010 wurden bereits die Brennstäbe eingelagert.

Die „Ostsee Zeitung“ vom 25.01. zitiert den Chef der Energiewerke Nord, Henry Cordes: dieser will die Reste des atomgetriebenen Frachters „Otto Hahn“, darunter der Reaktor, „voraussichtlich auf Dauer“ bei den Energiewerken Nord (EWN) einlagern.

Eine entsprechende Genehmigung sei beim zuständigen Schweriner Innenministerium gestellt worden. Bislang dürfen Großkomponenten wie kontaminierte Dampferzeuger aus anderen Atomkraftwerken als Rheinsberg und Greifswald nur zehn Jahre lang im Zwischenlager Nord deponiert werden. Cordes begründete den Antrag damit, dass in den Lagerhallen 1 bis 7 am Greifswalder Bodden noch Kapazitäten verfügbar seien. Mit einer unbefristeten Deponierung könnten Transporte radioaktiver Materialien durch Deutschland vermieden werden, dadurch würden Kosten gespart.

Im Dezember 2010 waren unter Protest von tausenden Atomkraftgegnern vier Castoren mit rund 2.500 Brennstäben aus dem Atomfrachter „Otto Hahn“ sowie aus dem Forschungszentrum Karlsruhe nach Lubmin gebracht worden.

Die „Otto Hahn“ lief 1964 als das dritte ziviles Schiff der Welt, das mit Atomenergie angetrieben wurde, vom Stapel. Es war unter Federführung des GKSS (Gesellschaft für Kernenergie in Schifffahrt und Schiffbau) Forschungszentrums in Geesthacht als Symbol einer „strahlenden“ Zukunft gedacht, blieb aber das einzige deutsche Schiff mit Atomantrieb. Der Reaktor hatte eine thermische Leistung von 38 MW. Mit dem Einsatz der „Otto Hahn“ als Forschungsschiff sollten Erfahrungen für zukünftige Nuklearschiffs-Anlagen gesammelt werden. Da die „Otto Hahn“ ausländische Häfen wegen ihres an Bord befindlichen Atomreaktors nicht im gewünschten Umfang anlaufen durfte, wurde das Experiment 1979 schließlich eingestellt.

Bis zum Ende der Einsatzzeit lagen Anlaufgenehmigungen für 25 Länder vor. Insgesamt hat die „Otto Hahn“, mit mehreren technischen Schwierigkeiten behaftet, 650.000 Seemeilen zurückgelegt, 33 Häfen in 22 Staaten angelaufen und rund 750.000 Tonnen Ladung befördert.

Der Atomreaktor der „Otto Hahn“ wurde 1980 ausgebaut und nach Angaben der taz vom 27.02.2001 im GKSS-Forschungszentrum Geesthacht einbetoniert.

Der Reaktor der „Otto Hahn“ hat eine interessante Vorgeschichte: Von der BUND-Kreisgruppe Herzogtum Lauenburg wird in dem BUND-Magazin für Schleswig-Holstein, Ausgabe 1-2004, unter dem Titel „Stilles Atom-Endlager in Geesthacht“ auf das „bundesweit erste de facto- Atommüll-Endlager“ auf dem Gelände der Geesthachter GKSS aufmerksam gemacht. Dort lagert demnach seit nunmehr über 22(!) Jahren der hochradioaktive Reaktordruckbehälter (RDB) des einzigen deutschen atomgetriebenen Frachters „Otto Hahn“ – zu Forschungszwecken, so die Genehmigung zur (Zwischen-) Lagerung. Aber: An dem Stahl des RDB der „Otto Hahn“ sei in über zwei Jahrzehnten nicht ein einziges Mal (!) geforscht worden, so der BUND Schleswig-Holstein. Wie der BUND damals von der Geschäftsführung der GKSS erfuhr, sollte die Forschungsoption für den RDB der „Otto Hahn“ von der GKSS auch für die nächsten Jahrzehnte aufrechterhalten.

Durch diese „genehmigungsrechtliche Grauzone“ ist aus einer „de jure-(Zwischen-)Lagerung eine de facto-Endlagerung“ geworden. Unter dieses Kapitel soll nun offensichtlich ein Schlussstrich gezogen werden.

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