Atomanlagen machen krank – je näher, je eher

Seit Veröffentlichung der Kinderkrebsstudie (KiKK) vor 3 Jahren, die einen Zusammenhang von Erkrnakung und Wohnortnähe zu einer Atomanlage belegt, wurden zwei weitere epidemiologische Studien veröffentlicht. Eine zu Fehlbildungen bei Neugeborenen um Atomkraftwerke und eine zum Geschlechterverhältnis bei der Geburt um bayerische Atomkraftwerke. Beide Studien bestätigen die bei der KiKK-Studie gefundene Abstandsabhängigkeit.
Krebs-Risiko in Abhängigkeit zum Abstand

Krebs-Risiko in Abhängigkeit zum Abstand

Nicht alle Einzelbefunde sind statistisch signifikant, da teilweise zu kleine Fallzahlen vorliegen.

In der neuen Ausgabe des Strahlentelex beschreibt Experte Alfred Köberlein, dass eine gemeinsame Analyse der drei Datensätze mit einem nichtlinearen Abstandsmodell (Rayleighverteilung) eine hochsignifikante Abstandsabhängigkeit des Risikos mit einem Maximum des Effekts zwischen 3 und 5 Kilometern ergibt.

  • Das bedeutet: je näher der Wohnort zu einer Atomanlage, desto größer ist das Risiko zu erkranken!

In der Kinderkrebsstudie aus 2007 wurde nachgewiesen: Je näher ein Kleinkind an einem der 16 bundesdeutschen Atomkraftwerke wohnt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit für das Kind, an Krebs und insbesondere an Leukämie zu erkranken. Die Zahlen der Untersuchung beruhen auf einem Zeitraum von 24 Jahren und betreffen 21 Atommeiler in Deutschland, vier davon sind bereits stillgelegt. Ein Forscherteam wertete im Auftrag des Bundesamts für Strahlenschutz Daten des deutschen Kinderkrebsregisters in Mainz aus. Das Ergebnis: Zwischen 1980 und 2003 erkrankten im Umkreis von fünf Kilometern um die Reaktoren 77 Kinder an Krebs, davon 37 an Leukämie. Das Risiko, an einem Tumor oder Leukämie zu erkranken, steigt demnach statistisch signifikant mit der Nähe des Wohnortes zu einem Reaktor an.

Im November 2010 belegte eine Studie des Instituts für Biomathematik und Biometrie der Helmholtz-Gemeinschaft in München, dass im 35km-Radius um deutsche und schweizerische AKWs vor allem weniger Mädchen als im Landesdurchschnitt auf die Welt kommen.

Im Juli 2010 sollte eine Studie der Universität Mainz, die Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) gefertigt wurde, beweisen, dass ein Zusammenhang zwischen Fehlbildung bei Embryonen und der Nähe zu einer Atomanlage nicht gegeben ist. Aufgrund der niedrigen Fallzahlen hattee die Studie “eine zu geringe statistische Nachweisstärke”, um einen “ähnlichen Effekt wie die Studie 2007? (KiKK) nachzuweisen. Das zeigte eine Analyse der bereits im März 2010 veröffentlichten Studie des Physiker Dr. Alfred Körblein. Darin wurde bemängelt, dass die Auswertung lediglich an zwei Kraftwerksstandorten (AKW Phillipsburg und das AKW Biblis) im Umkreis von nur 10 km durchgeführt wurde, und der Studienzeitraum gerade einmal 15 Monate andauerte. Trotz der dünnen Datenlage zeige sich aber eine deutliche Zunahme des Risikos mit der Nähe zum Atomkraftwerk, wenn die Auswertung der Daten auf den Entfernungsbereich größer 3 km beschränkt werde

  • Fehlbildungen um deutsche Kernkraftwerke, Strahlentelex Ausgabe 560/561/2010 (pdf) – www.strahlentelex.de

weitere Informationen:

  • IPPNW: Weniger Mädchen in der Umgebung von Atomkraftwerken
    23.11.2010 – In den letzten 40 Jahren haben Mütter, die in Deutschland und in der Schweiz im Umkreis von 35 km einer der untersuchten 31 Atomanlagen leben, bis zu 15.000 Kinder weniger geboren als durchschnittlich zu erwarten gewesen wäre, die Mehrzahl davon Mädchen.
  • Neue Analyse belegt: Leukämierisiko im Umkreis von AKWs signifikant erhöht
    4. August 2011 – Kleinkinder im Nahbereich von Atomkraftwerken haben ein signifikant erhöhtes Risiko an Leukämie zu erkranken. Das belegt eine heute im Strahlentelex veröffentlichte Metaanalyse des Wissenschaftlers Dr. Alfred Körblein. Die gemeinsame Auswertung von Daten aus Deutschland, Großbritannien und der Schweiz zeigt im 5km-Bereich eine signifikant um 44 Prozent erhöhte Leukämierate gegenüber der Rate im Entfernungsbereich größer als 5 km (p=0,004).

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