China: 3.000 Jahre Uran nur durch Schnellen Brüter

Die Meldung aus China, AKW-Brennstoff für 3.000 Jahre produzieren zu können, hat einen ganz bitteren Beigeschnmack: Laut Experten aus der Wirtschaft handelt es sich um Fortschritte in der Schnellen-Brüter Technologie. Hierbei wird mit großen Mengen des giftigsten Stoffes der Welt hantiert: Plutonium. Nicht ohne Grund hat Deutschland damals mit Kalkar davon Abstand genommen.

Die Berichte des chinesische Fernsehsender CCTV (China Central Television) seien vergleichsweise unklar, doch die Experten von RBC Capital Markets glauben, dass man auf neue Entwicklungen im Bereich der Wiederaufbereitung und der Schnelle Brüter-Technologie hindeutet.

Die Wiederaufbereitung sei aber nichts Neues und werde bereits erfolgreich in Europa, Russland und Japan durchgeführt. Allerdings sei diese Technologie exterm kostenintensiv und nach Ansicht der Experten handelt es sich dabei um eine Branche, die mehr vom politischen Willen lebt als von der Wirtschaftlichkeit. Derzeit würden rund 7,5 Mio. Pfund U3O8 aus der Wiederaufbereitung gewonnen – während das gesamte globale Angebot bei rund 190 Mio. Pfund liege. Das China darauf abziele, Kernbrennstoffe wieder aufzubereiten, sei nicht neu.

So genannte Schnelle Brüter würden über die Fähigkeit verfügen, nicht spaltbares Uran in spaltbaren Brennstoff umzuwandeln. Dies sei ein unglaublich komplexer und teurer Prozess, der seit Jahrzehnten nicht aus der experimentellen Phase komme.

Befürworter der Schnelle Brüter-Technologie sind der Meinung, dass daraus 2020 oder auch erst in den 2030er Jahren eine kommerziell tragfähige Technologie entstehen könnte. Deshalb seien die RBC-Experten der Ansicht, dass es sich bei dem groß verkündeten „Durchbruch“ mehr um „Hype“ als um Realität handelt.

Schneller Brüter CEFR

Der China Experimental Fast Reactor (CEFR) ist am 21. Juli 2010 erstmals kritisch geworden, wie der Betreiber, das China Institute of Atomic Energy (CIAE) Ende Juli mitteilte. Der Versuchsbrüter CFR, ein Prototyp, befindet sich am CIAE in der Nähe von Beijing. Er verfügt über eine thermische Leistung von 65 MW und kann 20 MW Strom ins Netz speisen. Der natriumgekühlte CEFR ist der erste Versuchsbrüter des Landes und wurde in Zusammenarbeit mit Russland gebaut.

Nach dem CEFR plant China den Bau eines kommerziell genutzten Brüters. Im Oktober 2009 hat die CIAE mit der russischen Atomstroiexport und der China Nuclear Energy Industry Company (CNEIC) einen Vertrag unterzeichnet, der Planungsarbeiten zum Bau zweier Schneller Brüter des russischen Typs BN-800 in China zum Ziel hat. Projektbeginn ist laut der Atomstroiexport August 2011.

Schneller Brüter: Gefahrensteigerung statt -minimierung

Die Konstruktion eines Schnellen Brüters birgt besondere Gefahren, die gegenüber denen eines herkömmlichen Atomkraftwerkes um ein vielfaches größer sind: Die Menge des in den Brennstäben eingesetzte Uran-235 beläuft sich in den herkömmlichen Atomreaktoren auf etwa drei Prozent, in denen des Schnellen Brüters hingegen auf etwa 20%. Dies kann bei Defekten oder Störungen viel schnelleren zu einer Überhitzung der Brennstäbe führen als im konventionellen Reaktortyp.

Das als Kühlmittel verwendete Natrium reagiert bekanntlich heftig mit Wasser, außerdem gerät es in heißem Zustand allein bei Luftkontakt in Brand. Ein Leck in einem der Natriumkreisläufe kann also nicht nur zur Überhitzung des Reaktors führen, sondern auch zu gefährlichen Natriumbränden, die sich im einzigen Deutschen Brutreaktor Kalkar bereits im Probebetrieb ereigneten.

Zentrales Problem stellt die große Menge des genutzten Ultragiftes Plutonium dar: Im Brutreaktor Kalkar sollten mehrere 100 Kilogramm pro Jahr erbrütet werden. Neben der vorhandenen Menge am Kraftwerkstandort selbst müsste dieser Stoff, der zu den giftigsten überhaupt gehört, in einer groß angelegten Infrastruktur transportiert und verarbeitet werden.

Wiederaufarbeitungsanlagen sind für den Betrieb von Schnellen Brütern unerlässlich. Neben der hohen Umweltverseuchung, die aus dem Betrieb einer WAA nachweislich resultiert, wäre für die Brüter-Technologie ein anderes, noch komplexeres Verfahren der Aufarbeitung notwendig, da der Plutoniumgehalt der Brennstäbe und dessen Abbrand entscheidend höher liegen.

Weitere zahlreiche Störfälle, im Wesentlichen nicht nuklearer Natur sondern durch natriumbedingte Korrosionsprobleme, Undichtigkeiten infolge der hohen Kühlmitteltemperaturen u.a. hervorgerufen, wurden viele Brüteranlagen ganz oder für mehrere Jahre abgeschaltet.

  • Der Brüter treibt alle Problematiken der Atomenergienutzung auf die Spitze: Zentralisierung, Kapitalintensität, technische Komplexität.

 

  • Der Schnelle Brüter: Vom Wunderkind zur Nullnummer
    Als die “Atomkraftwerke der 2. Generation” feierte man sie in den 70er Jahren: Den schnellen Brüter, der den Brennstoffengpass, der aufgrund beschränkter Uranreserven auskommen muss, beheben sollte und durch die Nutzung des bislang nutzlosen Uran 238 einen effizienteren Betrieb des Brennstoffkreislaufes darstellen sollte.

Textquelle (Auszug): goldinvest.de, 05.01.2011

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