Sackgasse Atomkraft: Radikale Wende in der Energiepolitik gefordert – AktivistInnen mauern Einfahrt zum AKW Neckarwestheim zu

Am 23. April haben rund 30 AktivistInnen erfolgreich das Atomkraftwerk Neckarwestheim für mehrere Stunden blockiert. Mit der Aktion zivilen Ungehorsams forderten sie eine radikale Wende in der Energiepolitik. Die AtomkraftgegnerInnen mauerten die Einfahrt des Kraftwerks mit einer acht Meter langen Mauer zu und errichteten davor symbolisch Windräder. Die Aktion findet vor dem Hintergrund der heutigen Hauptversammlung des Energiekonzerns Energie Baden-Württemberg (EnBW) statt, der den Atommeiler betreibt.

Florian Kollmann, Sprecher der AktivistInnen erklärte:

„Es ist absolut inakzeptabel, wenn ein Konzern aus reinem Profitstreben weiter auf die Risikotechnologie Atomkraft setzt! Anstatt auf Laufzeitverlängerung zudrängen, gehört die Technologie sofort stillgelegt! Kollmann weiter: „In drei Tagen jährt sich die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zum 23. Mal – wenn EnBW im Jahr 2009 mit Tricksereien einen längeren Betrieb des Atomkraftwerks durchsetzen will, verharmlost der Konzern die Gefahren der Atomkraft und verhöhnt die Opfer der Katastrophe.“

Nach Ansicht der AktivistInnen ist Atomkraft nicht nur eine der gefährlichsten Formen der Stromerzeugung, sondern zugleich eine der teuersten. Entlang der gesamten Brennstoffkette verursache die Technologiekatastrophale ökologische, soziale und wirtschaftliche Folgen. Zudem blockiere das Festhalten an der Technologie die dringend notwendige Wende hin zu Energiesparen, mehr Energieeffizienz und dem umfassenden Ausbau der Erneuerbaren Energien. Dass die zentralen und unflexiblen AKW zunehmend eine Konkurrenz und keine so genannte „Brückentechnologie“ ins Solarzeitalter darstellen, hat jüngst der Stromkonzern E.on offenbart, der sich gegen einen unbegrenzten Ausbau der Erneuerbaren Energien aussprach,da dieser die Wirtschaftlichkeit der Atomkraft gefährde.

Die AktivistInnen forderten den Betreiber EnBW dazu auf, seine Atomkraftwerke jetzt stillzulegen und rufen zu weiteren Protesten auf. Am 26. April findet ab 14 Uhr auf dem Parkplatz vor Tor 1 des AKW Neckarwestheim eine Kundgebung zum Jahrestag der AKW-Katastrophe von Tschernobyl statt.

Hintergrund:

Das AKW „Neckarwestheim 1“ sollte ursprünglich bereits abgeschaltet sein, wird aber seit Monaten mit gedrosselter Leistung gefahren um den Abschaltzeitpunkt herauszuzögern. Der Reaktor „Neckarwestheim II“ soll bis zum Jahr 2022 Strom liefern. Derzeit ist zudem eine Klage auf Übertragung von Strommengen aus dem jüngeren Block Neckarwestheim-II auf Reaktor I anhängig. Bundesumweltminister Gabriel hatte diesen Antrag Mitte 2008 mit der Begründung unzureichender Sicherheit abgelehnt. Die AKW Neckarwestheim I & II sind seit Inbetriebnahme wiederholt in der Kritik. Neben bauartbedingten Schwachstellen, bei GKN I etwa der Auslegung des Sicherheitsbehälters und einer geringeren Redundanz, werden Mängel am Kühlsystem sowie unzureichender Schutz gegen Flugzeugabstürze kritisiert. Besonders gravierend wiegt die Tatsache, dass die AKW auf geologisch instabilem Untergrund stehen. Ende 2002 war es in 4,5 Kilometer Entfernung auf einem Acker ohne Vorwarnung zu einem 18 Meter tiefen Erdeinbruch gekommen.

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