Die Ostsee ist das am stärksten kontaminierte Meer der Welt. Sie ist stärker mit Radioaktivität belastet als beispielsweise die irische See, in die die Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield (England) täglich ihre Abwässer pumpt. Zu diesem Status tragen vor allem die schwedischen und finnischen Atomanlagen bei.

(Angabe in Bequerel pro Kilogramm)

Gründe für diese Kontamination

  • Der geringe Wasseraustausch zwischen der Ostsee und den großen Ozeanen beträgt nur 1% pro Jahr. Entsprechend gering ist die Verdünnungsrate.
  • Die Tschernobyl-Katastrophe von 1986, der hauptsächliche Anteil des nuklearen Fallouts aus dem explodierten Reaktorblock ging über Skandinavien nieder.
  • Der Fallout der oberirdische Atomwaffentests, u.a. in den späten 70er Jahren
  • Die Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield, trotz der großen Entfernung, die zwischen der Ostsee und der WAA liegt, hat der enorme Ausstoß von Radioaktivität einen Einfluss auf Konzentration in der Ostsee (drittstärkster Verschmutzer)
  • In Betrieb oder in Stilllegung befindliche Atomanlagen an der Küste der Ostsee

Atomstandorte rund um die Ostsee

AKW-Standorte um die Ostsee

AKW-Standorte um die Ostsee

Rund um die Ostsee befindet sich eine Reihe von Atomanlagen: Atomkraftwerke in Schweden, Finnland und Russland, außerdem in Studsvik, Schweden ein Unternehmen, welches sich auf Entsorgung von Atommüll spezialisiert hat. So wurden dort etwa die radioaktiven Dampferzeuger aus dem stillgelegten AKW Stade demontiert.

Auch in Deutschland war bis 1990 das Atomkraftwerk Greifswald an der radioaktiven Verunreinigung der Ostsee beteiligt. Im Zuge der deutsch-deutschen Wiedervereinigung wurden die Blöcke aber aus Sicherheitsgründen abgeschaltet.

Schwedische Reaktoren haben die größte Freisetzung an Radioaktivität!

Unter den Atomkraftwerken entlang der Ostseeküste haben laut Untersuchungen der Europäischen Gemeinschaft und Experten des Riso Nuclear Research Laboratory (Dänemark) zwischen 1970 und 2000 die Reaktoren in Schweden die größten Freisetzungswerte an Radioaktivität in die Umwelt. Die Reaktoren in Forsmark und Oskarshamn stehen seit 20 Jahren an der Spitze dieser Liste – um den Faktor 100.000 größer als etwa das russische AKW Leningrad bei Sosnovy Bor.

Am stärksten betroffen ist laut der Untersuchungen der Norden der Bottnischen See zwischen Finnland und Schweden und die östlichen Bereiche des finnischen Golfes.

Finnland plant zudem mit dem Neubau eines weiteren Reaktors in Olkiluoto (Europäischer Druckwasserreaktor – Olkiluoto-3) sowie einem weiteren geplanten AKW in Loviisa zusätzliche Einleitungen in die See. Außerdem sollen in Olkiluoto – wie auch in Schweden – direkt am Meer ein unterirdisches Lager für hochradioaktiven, abgebrannten Brennstoff entstehen.

Abgabe von Radioaktivität aus finnischen, schwedischen, russischen AKW; 1970-2000

Abgabe von Radioaktivität aus finnischen, schwedischen, russischen AKW; 1970-2000

Im Sommer 2005 wurde im schwedischen Atommüllendlager SFR für schwach- und mittelaktiven Müll bei Forsmark ein Leck entdeckt, aus dem zehnmal mehr Radioaktivität in die Ostsee gelangte, als normal. Das Lager befindet sich direkt am Wasser, unterhalb des Meers. Mit Beginn der Einlagerung im SFR im Jahre 1988 – las weltweit erstes seiner Art – wurde eine Sicherheit von 50 – 100 Jahren garantiert. Nun rosten dort die Atommüllfässer durch und verseuchen über die Drainage das Umgebungswasser und die Ostsee. Wie sich herausstellte, war dieses Problem dem Betreiber lange bekannt. Die Kraftgrupp behob aber nicht die Ursache der Lecks, sondern leitete seither das aufgefangene radioaktive Wasser einfach in die Ostsee. Als Konsequenz wurde das Lager Mitte 2007 von den zuständigen Behörden geschlossen.

Die Einleitung von solch großen Mengen an Radioaktivität ist nur möglich, weil großzügige Grenzwerte, die auf einen wirtschaftlichen Betrieb der Atomanlagen ausgelegt sind, es behördlich erlauben.

In Olkiluoto an der finnischen Westküste wird an einem unterirdischen Lager für hochaktiven Atommüll geforscht. Hier muss es eine Sicherheits-Garantie für Jahrtausende gewährleistet sein – die es aber unter realistischen Bedingungen niemals geben kann. Gleiches gilt für die Endlagerpläne Schwedens in Oskarshamn und Forsmark an der Ostküste der Ostsee.

Vattenfall und E.ON betreiben Atomanlagen

Das Atomkraftwerk Forsmark, die Anlage mit den größten radioaktiven Emissionen, sowie das AKW Ringhals, wird vom in Deutschland sehr stark in der Kritik stehenden Konzern Vattenfall betrieben. Am Atomkraftwerk Oskarshamn ist der deutsche Stromkonzern E.ON mit 54,5 Prozent beteiligt.

Über die Fische gelangt die Radioaktivität in den Menschen

Die im Meer befindliche Radioaktivität reichert sich in Fischen und anderen Meerestieren an. Über den Verzehr von Fisch aus der Ostsee gelangen die Stoffe in den menschlichen Körper.

Eine Untersuchung mit dem Titel „Modellierung und Bewertung von Radioaktivitätsdosen“ aus dem Jahre 1998 des staatlichen dänischen Labors Risø hält fest, dass 94% aller durch den Menschen aufgenommen Radioaktivität über Fische geschieht.

Die „Helsinki Kommission“ und die schwedische Strahlenschutz Behörde zeigen zudem anhand von Statistiken auf, dass die Fisch, die vor den Reaktoren in Oskarshamn, Forsmark, Studsvik und Olkiluoto gefangen wurden, ein höheres Maß an Cäsium – 137 enthalten. Zudem ist bekannt, dass sich vor allem in meist verschmutzten Gebieten, dem nördlichen Botnischen Meer und in dem Finnischen Meerbusen Cäsium und Strontium anreichern.

Die Ostsee ist keine radioaktive Müllkippe!
Die Verschmutzung der Meere und der Nahrungskreisläufe muss gestoppt werden!

Wir fordern:

  • Radioaktive Verschmutzungen müssen mit allen Kräften verhindert werden.
  • Gründliche Untersuchung von Radionukliden in Wasser, Fischen und Sedimente, Aufspürung der Quellen der radioaktiven Verseuchung.
  • Ein Moratorium gegen die geplanten Atom-Projekte an der Ostseeküste, der schwedischen und finnischen Endlagerprojekte für abgebrannte Brennstäbe sowie den russischen Plänen des Atommüllimports in die Häfen im finnischen Meeresbusen.

Download & Quellen: http://www.nuwinfo.se/baltic-radioactive200612.html (engl.)


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