Atomstandort Gundremmingen

Atomkraftwerk in Deutschland mit zwei in Betrieb befindlichen Druckwasserreaktoren, einem stillgelegten Versuchsreaktor sowie einem Brennelementezwischenlager.

Details zu:

 

3. Juli 2012: AKW Gundremmingen ist unsicher!
In Gundremmingen stehen die letzten zwei noch in Betrieb befindlichen Siedewasserreaktoren Deutschlands. Beide Blöcke haben erheblich Mängel – und dürfen noch jahrelang Strom produzieren. Bei einem schweren Unfall käme es zu einer dramatischen Ausbreitung von Radioaktivität. - mehr

Standort-Facts

  • Ort: Gundremmingen
  • Land: Deutschland
  • Rubrik: Standort
  • Zustand: in Betrieb

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Das Atomkraftwerk befindet sich in Gundremmingen im Landkreis Günzburg in Bayern, etwa 40km nordwestlich von Augsburg und 30km nordöstlich von Ulm, direkt an der Donau. Am Standort befinden sich zwei Siedewasserreaktoren im Leistungsbetrieb sowie ein stillgelegter Siedewasserreaktor und ein Zwischenlager für verbrauchte Brennstäbe in Transport- und Lagerbehältern.

Reaktordaten Gundremmingen-A (KRB-A)

  • Baubeginn: 12.12.1962
  • Inbetriebnahme: 01.12.1966
  • Kommerzieller Betrieb: 12.04.1967
  • Abschaltung: 13.01.1977

Reaktordaten Gundremmingen-B (KRB-II-B)

  • Baubeginn: 20.07.1976
  • Inbetriebnahme: 16.03.1984
  • Kommerzieller Betrieb: 19.07.1984
  • Abschaltung: 2017 (geplant)

Reaktordaten Gundremmingen-C (KRB-II-C)

  • Baubeginn: 20.07.1976
  • Inbetriebnahme: 02.11.1984
  • Kommerzieller Betrieb: 18.01.1985
  • Abschaltung: 2021 (geplant)

Größtes AKW Deutschlands

Das AKW Gundremmingen ist mit einer Leistung von 2 x 1.344 MW das leistungsstärkste deutsche Atomkraftwerk.

Standortzwischenlager Gundremmingen

Das Zwischenlager für die Aufbewahrung von verbrauchten Brennstäben in maximal 192 Transport- und Lagerbehältern vom Typ "CASTOR V/52" für bis zu 52 Siedewasser-Brennelemente wurde im August 2006 mit der Einlagerung der ersten Behälter in Betrieb genommen. Es befindet sich in unmittelbarer Nähe der Reaktoren.

Namens-Kürzel KRB

Das frühere Namenskürzel für das AKW lautete KRB (Kernkraftwerk RWE-Bayernwerk). Seit kurzem wird jedoch das Kürzel KGG (Kernkraftwerk Gundremmingen GmbH) verwendet. Zeitweilig war auch die Abkürzung KGB (Kernkraftwerk Gundremmingen Betriebsgesellschaft mbH) in Gebrauch, diese konnte sich jedoch aufgrund der Ähnlichkeit mit dem ehemaligen sowjetischen Geheimdienst nicht durchsetzen.

Störfälle

1987: Knallgasexplosionen im Reaktor
Im Mai 1987 kam es bei einem Test zum Ausfall eines der sicherheitstechnisch bedeutsamen Sicherheits- und Entlastungsventile, es kam zum Druckabfall im Reaktor. Bei Untersuchungen wurden an insgesamt drei Ventilen Schäden festgestellt, die auf die Zündung von Knallgas (Radiolysegas) zurückgeführt wurden. Ähnliche Schäden wurden 1987 auch in Krümmel und 1988 in Isar-1 festgestellt. Knallgas, ein Gemisch aus Wasserstoff und Sauerstoff, entsteht durch die Spaltung von Wassermolekülen durch die Strahlung und kann sich an verschiedenen Stellen der Anlage ansammeln und explosionsfähige Gemische bilden. 2001 in Brunsbüttel zerfetzte eine Knallgasreaktion sogar mehrere Meter einer Rohrleitung.

2003: Kühlwassermangel
Im Mai 2003 war beim Anfahren des Reaktors plötzlich der Waserfüllstand im Reaktordruckbehälter zu niedrig, aufgrund von "nicht ausreichender Speisewasserförderung", die Schnellabschaltung wurde ausgelöst. Ein Trockenfallen der Brennelemente kann jedoch auch nach Abschalten des Reaktors noch zu einer Kernschmelze führen - trotzdem wurde das "Ereignis" als Lappalie betrachtet. Was die Ursache des Wassermangels war, darüber machte der Betreiber in seiner Störfallmeldung keine Angaben - und auch die Aufsichtsbehörde, das Bayerische Umweltministerium, hakte offenbar nicht nach.

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Bauartbedingte Schwachstellen

Gundremmingen B ist ein Siedewasserreaktor. Dieses Reaktorkonzept weist einige grundlegende sicherheitstechnische Probleme auf: Da der Primärkreislauf den Sicherheitsbehälter verlässt und der gesamte Dampfkreislauf radioaktiv ist, kann ein Rohrbruch z.B. im Maschinenhaus zu direkter Freisetzung radioaktiven Dampfes und zu großem Kühlmittelverlust führen, ohne dass ausgetretenes Kühlmittel über die Notkühlsysteme zurück geführt werden kann - in diesem Fall droht eine Kernschmelze. Bei Lecks im Kondensator ist auch eine Freisetzung direkt in das Flusswasser denkbar.

Zur Reaktorabschaltung müssen die Absorberstäbe, anders als bei Druckwasserreaktoren, gegen die Schwerkraft mittels Hydraulik in den Reaktor eingefahren werden, das Abschaltsystem ist also nicht "ausfallsicher". Auch das alternative Abschaltsystem, die Borsäureeinspeisung, verlässt sich auf aktive Systeme (Hochdruckpumpen).

Der Sicherheitsbehälter von Gundremmingen B ist zudem wie bei allen deutschen Siedewasserreaktoren so klein und schwach ausgelegt, dass er dem auftretenden Druck bei einem größeren Dampfleck innerhalb des Behälters nicht standhalten kann (kein Volldruckcontainment), statt dessen verlässt man sich auf ein sog. Druckabbausystem aus Kondensationskammern.

In deutschen Siedewasserreaktoren, auch im baugleichen Reaktor Gundremmingen C, kam es schon mehrmals zur Beschädigung von Anlagenkomponenten durch kleinere oder mittelgroße Explosionen von angesammeltem Knallgas (Radiolysegas).

  • Teil 18: Zweierlei Mass in Gundremmingen – aber nicht die Sicherheit
    Die baugleichen Atomreaktoren Gundremmingen B und C sollen nicht – wie es logisch wäre – zum gleichen Zeitpunkt für immer abgeschaltet werden. Block B darf gemäß des “Atomkonsens” bis 2017, Block C aber bis 2021 laufen. Damit sind es die letzten gefährlichen Siedewasserreaktoren in Deutschland und der größte Atommüllproduzent!

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Letzte Änderung: 03.07.2012
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