Atomstandort Brunsbüttel

Atomkraftwerk in Deutschland mit einem stillgelegten Siedewasserreaktor und einem Standortzwischenlager für Atommüll.

Details zu:

Atomkraftwerk Brunsbüttel  

13. Juli 2012 - Auch Vattenfall klagt gegen Atomausstieg

Nach Eon und RWE kämpft auch der Energiekonzern Vattenfall mit einer Verfassungsbeschwerde um eine Entschädigung für den Atomausstieg. Atomkraftgegner weisen Forderungen an den Steuerzahler zurück, schließlich waren die AKW Brunsbüttel und Krümmel jahrelang vom Netz, eine Wiederinbetriebnahme ungewiss und heftig umstritten. - mehr

Standort-Facts

  • Ort: Brunsbüttel, Schleswig-Holstein
  • Land: Deutschland
  • Rubrik: Standort
  • Zustand: in Betrieb

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Das Atomkraftwerk befindet sich bei Brunsbüttel, Kreis Dithmarschen, Schleswig-Holstein, etwa 65km nordwestlich von Hamburg, direkt an der Elbe.

Am Standort befinden sich ein stillgelegter Siedewasserreaktor sowie ein Standortzwischenlager für Atommüll in Betrieb. Ein Interimslager wurde in der Planungsphase gecancelt.

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Atomkraftwerk Brunsbüttel

  • Veralteter Siedewasserreaktor der Baureihe '69. Diese Baulinie, zu der noch Isar-1, Philippsburg-1 und Krümmel gehören, weist deutliche Sicherheitsdefizite gegenüber den neueren Reaktortypen auf und ist für eine besondere Häufung von Störfällen bekannt. Besonders problematisch ist der kleinvolumige und dünne Sicherheitsbehälter, der bei größeren Störfällen besonders leicht durch Überdruck versagen kann und bei einer Kernschmelze innerhalb von Minuten durchschmelzen würde - massive Freisetzungen radioaktiven Materials mit kurzer Vorwarnzeit wären die Folge.
    Weitere grundlegende Sicherheitsdefizite sind eine eingeschränkte zerstörungsfreie Prüffähigkeit der Konstruktion, der schwächer ausgelegte Reaktordruckbehälter ohne nahtlose Schmiederinge, das schwach ausgelegte Notkühlsystem (unter anderem fehlt ein Mitteldruckeinspeisesystem) sowie die schwächer ausgelegte und teilweise vermaschte Notstromversorgung.
    Hinzu kommen die grundlegenden Schwachstellen von Siedewasserreaktoren: Da der Primärkreislauf den Sicherheitsbehälter verlässt und der gesamte Dampfkreislauf radioaktiv ist, kann ein Rohrbruch z.B. im Maschinenhaus zu direkter Freisetzung radioaktiven Dampfes und zu großem Kühlmittelverlust führen, ohne dass ausgetretenes Kühlmittel über die Notkühlsysteme zurück geführt werden kann - in diesem Fall droht eine Kernschmelze. Bei Lecks im Kondensator ist auch eine Freisetzung direkt in das Flusswasser denkbar. Zur Reaktorabschaltung müssen die Absorberstäbe, anders als bei Druckwasserreaktoren, gegen die Schwerkraft mittels Hydraulik in den Reaktor eingefahren werden, das Abschaltsystem ist also nicht "ausfallsicher". Auch das alternative Abschaltsystem, die Borsäureeinspeisung, verlässt sich auf aktive Systeme (Hochdruckpumpen).
  • Mangelhafter Schutz gegenüber Flugzeugabstürzen: Brunsbüttel gehört zu den drei durch Flugzeugabstürze (insbesondere Terrorangriffe) am stärksten verwundbaren Atomkraftwerken in Deutschland. Sein Reaktorgebäude ist nur gegen den Absturz eines kleinen Sportflugzeuges ausgelegt.
  • Bis zu seiner Stilllegung nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima die meisten Störfälle in deutschen Atomanlagen
  • Der erste schwere Störfall ereignete sich am 18. Juni 1978, nur 2 Jahre nach Inbetriebnahme, als durch ein Leck an einer Dampfleitung 2 Tonnen radioaktiver Dampf in die Atmosphäre entwichen. Trotzdem lief der Reaktor noch über zwei Stunden weiter - die Betriebsmannschaft hatte das automatische Sicherheitssystem manipuliert, um die Anlage am Netz zu halten. Das AKW stand daraufhin mehr als zwei Jahre still.
  • Als das AKW wieder in Betrieb genommen wurde, war schon bekannt, dass Rohrleitungen mit schweren Mängeln eingebaut worden waren. So musste Brunsbüttel von 1982 bis 1983 wieder still gelegt werden, um die Rohre auszutauschen.
  • 1989 musste der Reaktor wegen zahlreichen Störfällen wieder für ein Jahr vom Netz.
  • Bei der Revision 1992 traten wieder Probleme mit Rohrleitungen, man fand über 60 Risse. Brunsbüttel blieb für 1025 Tage vom Netz, das ist die längste Stillstandszeit, zu der es bei einem deutschen AKW je gekommen ist. Insgesamt hält das AKW Brunsbüttel unter allen deutschen Atomkraftwerken den Rekord an Stillstandszeiten.
  • 2001 explodierte direkt neben dem Reaktordruckbehälter eine Leitung wegen Wasserstoffansammlung. Nur ein einfaches Rückschlagventil, das bei der Explosion zudem beschädigt wurde, verhinderte das Ausströmen des unter hohem Druck stehenden radioaktiven Dampfes. Das Ausströmen hätte den Verlust von Kühlmittel bedeutet, was zu einer Kernschmelze, also dem Super-GAU führen kann. Der Betreiber fuhr den Reaktor erst zwei Monate später nach einer Weisung durch die Atomaufsicht für eine Inspektion herunter.
  • AKW Brunsbüttel: Nie eine sichere Notstromversorgung gehabt
    Das Atomkraftwerk Brunsbüttel hatte noch nie eine sichere Notstromversorgung – zu dem Schluss kommt Sebastian Pflugbeil in einem Betrag im Strahlentelex Nr. 506-507, Februar 2008. - mehr

Standortzwischenlager Brunsbüttel

  • Standortzwischenlager gegen Atommüllmisere: Nachdem im Juli 2005 die Wiederaufarbeitung von Brennstäben aus deutschen AKW als Entsorgungsweg gesetzlich verboten wurde, musste eine Alternative Lösung für die vielen Tonnen hochaktiven Atommülls her. Nach dem Prinzip der Zwischenlager von Ahaus und Gorleben, in die nationaler High-Activ-Waste (HAW) in speziellen Behältern eingelagert wird, wurden Standortzwischenlager direkt neben den Atomkraftwerken etabliert, in denen der HAW für eine bestimmte Dauer auf eine nationale Endlagerlösung warten soll. Relativ willkürlich wurden hierfür 40 Jahre angenommen.
  • Sicherheitskonzept: CASTOR - Die Standortzwischenlagerhallen selbst erfüllen kaum einen Sicherheitszweck, vielmehr Schutz vor Witterungseinflüssen und Abführung von Abstrahlungs-Wärme der Behälter. Zwar seien die Hallen massiver gebaut als herkömmliche, vergleichbare Hallen zur Materiallagerung, gegenüber Unfalleinwirkungen schützt aber allein der verwendete Behälter vom Typ CASTOR das hochgefährliche Inventar vor Freisetzung. Inwiefern diese Behälter gegenüber realistischen Unfalleinwirkungen ausgelegt sind, ist sehr umstritten.

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Reaktordaten Brunsbüttel

  • Baubeginn: 15.04.1970
  • Erste Kritikalität: 13.07.1976
  • Beginn des kommerziellen Betriebs: 09.02.1977
  • Abschaltung: 2011

Standortzwischenlager Brunsbüttel

  • Atomrechtlich beantragt: 30.11.1999
  • Atomrechtlich genehmigt: 28.11.2003
  • Baurechtlich genehmigt: 24.09.2003
  • Offizieller Baubeginn: 07.10.2003
  • Inbetriebnahme: 05.02.2006
  • Betriebsende: etwa 2046 (geplant)
  • Kapazität: 80 Behälter Typ "CASTOR V/52"

Interimslager Brunsbüttel

  • Antrag: 15.08.2000
  • Keine Genehmigung erhalten, da nach Inbetriebnahme des SZL keine Notwendigkeit mehr bestand.

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Letzte Änderung: 13.07.2012
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