Atomstandort Brokdorf

Atomkraftwerk in Deutschland mit einem in Betrieb befindlichen Druckwasserreaktor und einem Standortzwischenlager für Atommüll.

Details zu:

Blockade des AKW Brokdorf am 16.04.2010  

Hamburg hängt am AKW Brokdorf: 31. Januar 2012 - Sollte das Atomkraftwerk Brokdorf in nächster Zeit ausfallen, könnte es wegen der kalten Wetterlage zu einem Blackout in Hamburg kommen – schreibt das Hamburger Abendblatt. Atomkraftgegner warnen vor Hysterie, mahnen aber erneut die Abhängkeit von Großtechnologie an. - mehr

Standort-Facts

  • Ort: Brokdorf, Schleswig-Holstein
  • Land: Deutschland
  • Rubrik: Standort
  • Zustand: in Betrieb

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Das Atomkraftwerk befindet sich nahe der Gemeinde Brokdorf im Kreis Steinburg, Schleswig-Holstein, etwa 50km nordwestlich von Hamburg, direkt an der Elbe. Am Standort befindet sich ein in Betrieb befindlicher Druckwasserreaktor sowie ein Standortzwischenlager für Atommüll.

Reaktordaten Brokdorf

  • Baubeginn: 01.01.1976
  • Inbetriebnahme: 14.10.1986
  • Kommerzieller Betrieb: 22.12.1986
  • Abschaltung: 2021 (geplant)

Standortzwischenlager Brokdorf

  • Baubeginn: 05.04.2004
  • Inbetriebnahme: 05.03.2007
  • Betriebsende: 2047 (geplant)

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AKW Brokdorf: Chronik

  • 1972 - Beginn der Planungsarbeiten durch die Kraftwerk Union AG, zwei Jahre später Gründung der Kernkraftwerk Brokdorf GmbH
  • 25.10.1976 - Erste atomrechtliche Teilgenehmigung abends durch die Landesregierung Kiel ausgesprochen
  • 26.10.1976 - Baubeginn in Brokdorf um ein Uhr nachts unter Polizeischutz. Der Bauplatz wird wie eine Festung eingezäunt und mit Stacheldrahtrollen und Wassergräben gesichert
  • 30.10.1976 - Erste Großdemonstration am Bauplatz, mehr als 5.000 Teilnehmer. Rund 2.000 davon brechen gewaltsam in die Baustelle ein, um sie zu besetzen. Mehrere Hundertschaften Polizei räumen das Gelände mit Wasserwerfern und Tränengas
  • 13.11.1976 - "Brokdorf II"-Demonstration, 30.000 internationale Teilnehmer. Die Polizei errichtet Straßenkontrollen und riegelt das Gelände weiträumig ab, ausgerüstet mit Wasserwerfern, Tränengasgranaten, Pferden, Hunden und Hubschraubern. Bürgerkriegsähnliche Gefechte, 3.000 Demonstranten stürmen erneut den Bauzaun. Bilanz: Über 130 Verletzte, davon 70 Polizisten
  • 17.12.1976 - Verwaltungsgericht (VG) Schleswig verfügt einen vorläufigen Baustopp, der im Februar 1977 verlängert wird
  • 19.02.1977 - Trotz eines vom VG Schleswig bestätigten Verbots bislang größte Demonstration gegen Brokdorf: 50.000 Menschen bei "Brokdorf III" vor Ort und in Itzehoe. Diesmal keine Stürmung des Baugeländes
  • 17.10.1977 - Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg ordnet unbefristeten Baustopp für das AKW Brokdorf an, bis die Entsorgungsfrage geklärt ist. Die Atomkraftgegner beschließen, vor Ort nicht weiter zu demonstrieren, solange der Baustopp gilt
  • 28.03.1979 - Havarie im Atomkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg, Pennsylvania (USA)
  • 16.05.1979 - Niedersachsens Ministerpräsident Albrecht erklärt - unter dem Eindruck der massiven Proteste in der Bevölkerung und des Kernschmelzunfalls in Harrisburg -, dass eine Wiederaufbereitungsanlage (WAA) in Gorleben politisch nicht durchsetzbar sei. Die Bundesregierung favorisiert fortan ein "Integriertes Entsorgungskonzept" mit dezentraler Entsorgung
  • 28.09.1979 - "Entsorgungsbeschluss" der Regierungschefs von Bund und Ländern: Eine deutsche WAA soll gebaut werden und ein Systemvergleich zwischen Wiederaufarbeitung und direkter Endlagerung erfolgen. Spätestens Ende der 90er-Jahre soll ein Bundesendlager betriebsbereit sein. Als Entsorgungsvorsorgenachweis für den Weiterbetrieb von AKWs gilt der Nachweis über den Verbleib der abgebrannten Brennelemente für sechs Jahre im Voraus
  • 14.10.1979 - Anti-Kernkraft-Großdemonstration in Bonn mit mehr als 70.000 Teilnehmern 1980 - Antrag für ein externes Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente in Gorleben (1.500 Tonnen). In Hessen, Niedersachsen, Bayern und Rheinland-Pfalz werden Standorte für eine WAA gesucht
  • 22.01.1981 - OVG Lüneburg hebt Baustopp für das AKW Brokdorf auf: Es erkennt Fortschritte bei der Lösung der Entsorgungsfrage
  • 18.02.1981 - Kiel erteilt zweite Teilerrichtungsgenehmigung
  • 28.02.1981 - Großdemonstration in der Wilster Marsch mit rund 100.000 Teilnehmern - bis dahin größte Demo gegen Kernkraft in der Bundesrepublik, von rund 10.000 Polizisten begleitet. 128 Polizisten und geschätzt ebenso viele Demonstranten werden bei heftigen Krawallen verletzt. Massenweise Messer, Stahlkugeln, Schleudern und Eisenstangen stellt die Polizei sicher. Brokdorf wird zum Symbol des Widerstands gegen die Atomindustrie, spaltet aber auch die Anti-AKW-Bewegung in friedliche und militante Gruppen. Die Demonstration geht durch den Brokdorf-Beschluss des Bundesverfassungsgerichts (14. Mai 1985: zu den Grundsätzen der Versammlungsfreiheit) in die Rechtsgeschichte ein
  • 25.05.1981 - Hamburgs Bürgermeister Hans-Ulrich Klose (SPD) tritt unter anderem wegen seiner Politik um den Bau des Atomkraftwerks in Brokdorf (Nichtbeteiligung, Nichtunterstützung) von seinem Amt zurück
  • 26.04.1986 - Der GAU von Tschernobyl - eine der schwersten Reaktorkatastrophen der Geschichte
  • 07.06.1986 - 30.000 demonstrieren in Brokdorf gegen die baldige Inbetriebnahme; 10.000 Hamburger Demonstranten auf dem Weg zum Atomkraftwerk Brokdorf werden im schleswig-holsteinischen Kleve aufgehalten
  • 08.06.1986 - "Hamburger Kessel": Auf dem Heiligengeistfeld sammelt sich eine Demonstration aus Protest gegen den Polizeieinsatz vom Vortag. Die mehr als 800 Personen werden bis zu 13 Stunden lang innerhalb der Absperrketten festgehalten. Zwei Monate später muss Innensenator Rolf Lange seinen Hut nehmen
  • 08.10.1986 - Inbetriebnahme des Atomkraftwerks als weltweit erste Anlage nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl
  • 22.12.1986 - Beginn des kommerziellen Leistungsbetriebs
  • 1992 - Brokdorf ist das AKW mit der weltweit höchsten Brutto-Jahresstromerzeugung
  • 2003 - Atomrechtliche Genehmigung zur Errichtung eines Zwischenlagers für 100 Castorbehälter, Fertigstellung Herbst 2005
  • 05.03.2007 - Inbetriebnahme des Standort-Zwischenlagers am AKW Brokdorf

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Letzte Änderung: 31.01.2012
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