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Frankreich, 11.03.2010
Werben für Atomreaktoren
Frankreichs Staatschef proklamiert bei einer Pariser Konferenz das Recht auf Kernkraft.
Wenn sich Nicolas Sarkozy die Gelegenheit bietet, französische Atomkraftwerke zu verkaufen, greift der Präsident entschlossen zu. Da war kaum ein Staatsbesuch in der arabischen Welt, den Sarkozy nicht zur Verkaufsförderung genutzt hätte. Und manchmal schafft Sarkozy die Gelegenheit eben auch selbst. So hat er am Montag Energieminister und Spitzenbeamte aus 65 am Reaktorbau interessierten Ländern zu einer Konferenz über die zivile Nutzung der Atomkraft nach Paris gebeten. Mit am Tisch saßen die Reaktorbauer Alstom, Areva, EDF, GDF, Suez und Total.

Die Länder, die im Besitz von Nukleartechnologie seien, dürften sich nicht hinter ihren Privilegien verschanzen, sondern müssten dem Rest der Welt daran teilhaben lassen, forderte der Präsident. Und damit sich die Habenichtse die Hochtechnologie auch leisten können, appellierte Sarkozy an Weltbank und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, Investitionen in die klimafreundliche Atomenergiegewinnung entschlossen zu fördern. Es sei ein Skandal, dass für die zivile Nutzung der Kernkraft bisher keine Kredite bereitgestellt würden, sagte der Staatschef.

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Über die von Sarkozy betriebene Verkaufsförderung geriet zunächst in den Hintergrund, was aus Sicht der Internationalen Atomenergiebehörde doch Hauptzweck der zweitägigen Pariser Zusammenkunft sein sollte: die Eindämmung der durch den weltweiten Run auf Reaktoren entstehenden Gefahren.

Die Lust auf einen Reaktor

Mehr als 60 Staaten, darunter zahlreiche Entwicklungsländer, wollen in den nächsten zwei Jahrzehnten insgesamt 450 Atommeiler bauen. Soll das Risiko eines Reaktorunglücks, eines Terroranschlags oder der Ausbreitung von Atomwaffen nicht in gleichem Ausmaß zunehmen, müssen die nach Kernenergie strebenden Staaten beizeiten auf strenge Sicherheitsstandards verpflichtet werden.

Yukiya Amano, der neue Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, hatte deshalb im Vorfeld des Treffens an künftige Reaktorbesitzer appelliert, sich strengsten Sicherheitsvorschriften zu beugen. In dem Bewusstsein, mit der sicheren Entsorgung des Atommülls eine auf Jahrhunderte angelegte Verpflichtung einzugehen, müssten sie nicht zuletzt auch stabile rechtliche Rahmenbedingungen schaffen, sagte Amano.

Sarkozy hat in seiner Eröffnungsansprache die nukleare Sicherheit ebenfalls zur Priorität erklärt. Er sprach sich dafür aus, dass die internationale Atomenergiebehörde in jedem Land jederzeit unangemeldet Kontrollen durchführen dürfe. Auch forderte der Präsident, unter der Schirmherrschaft der Internationalen Atomenergiebehörde eine unabhängige Institution zu gründen, welche die Sicherheit der auf dem Weltmarkt angebotenen Reaktoren bewerten solle. Argwöhnische Konferenzteilnehmer witterten hinter dem Vorstoß allerdings den schnöden Versuch, unerfahrene südkoreanische Billiganbieter auszubooten.

Thema: Politik/Diskussion - Rubrik: Rennaissance/Ausbau - Artikel gelesen: 253 mal
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