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Deutschland, 04.09.2007
Die Hitliste der AKW-Pannen
Mit seiner Forderung, die sieben ältesten deutschen Atommeiler sollten vorzeitig vom Netz, hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) den erwarteten Widerspruch bei Atomlobby und Union provoziert. CDU und CSU machen sich dabei jetzt die Argumentation der Stromkonzerne zu eigen, nicht das Alter eines Atommeilers sei entscheidend für dessen Abschaltdatum, sondern allein dessen Sicherheit. Damit jedoch begibt sich Union auf dünnes Eis.
Denn ein Blick auf die aktuelle Störfallstatistik deutscher AKW zeigt: Alter und Störanfälligkeit der Meiler sind tatsächlich zwei Seiten derselben Medaille. Die sieben dienstältesten Kraftwerke, die Gabriel gern ausknipsen würde, sind mit Abstand diejenigen mit den meisten Pannen. Die Betreiber selbst haben sie als ´meldepflichtige Ereignisse´ der Atomaufsicht offiziell mitgeteilt.

Störfall-Spitzenreiter ist das 31 Jahre alte AKW Brunsbrüttel mit 113 meldepflichtigen Ereignissen innerhalb der vergangenen zehn Jahre, knapp gefolgt von den beiden ältesten Meilern Biblis B und A mit 112 respektive 99 Störungen. Gleich danach kommen die nur unwesentlich jüngeren AKW Unterweser (91), Philippsburg I (75) und Neckarwestheim (63). Alter und Störfallanfälligkeit haben also eine fast spiegelbildliche Entsprechung. Nur einen Ausreißer hat die Statistik: den Skandalmeiler Krümmel. Der liegt mit 101 Vorkommnissen seit 1997 ganz vorn im Störfall-Register, obwohl der Meiler mit Baujahr 1983 eigentlich nicht zu den Methusalems zählt. Doch auch dieser Ausreißer passt durchaus ins Gesetz der Serie ´alt gleich störanfällig´, denn Krümmel ist nur eine leicht modernisierte Variante der Reaktor-Oldies und galt schon bei seiner Inbetriebnahme als veraltet.

Aber die offizielle Statistik zeigt nicht nur, dass ältere Reaktor-Bautypen unsicherer sind. Die Atommeiler werden offenbar auch im Laufe des Betriebs pannenanfälliger. So ereigneten sich von den 113 Störfällen in Brunsbüttel 99 in den vergangenen fünf Jahren. Verstärkt wird die Altersschwäche noch durch einen weiteren Risikofaktor: Die meisten AKW-Oldies sind gar nicht oder weniger gegen Terrorangriffe aus der Luft gewappnet als jüngere Reaktoren.

Die ´Älter-gleich-unsicherer´-Gleichung hatten sogar die Energiemanager selbst akzeptiert, als sie im Atomkonsens die Zeitfolge der Abschalttermine ihrer Meiler nach Betriebsdauer unterzeichneten. Mit ihren Anträgen auf Laufzeitverlängerung für die drei ältesten AKW haben sie dieses Einverständnis aber aufgekündigt. Sie wollen die Frage, ob alte Reaktoren unsicherer sind als jüngere, nun von Gerichten entscheiden lassen und nicht von der Politik. Die Pannenserien in Brunsbüttel und Krümmel haben die Aktien für erfolgreiche Klagen jedoch nicht gerade steigen lassen.

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