Verzicht auf Atomtransporte im Hamburger Hafen? Vor allem heiße Luft!

In Hamburg wird seit längerem über Atomtransporte diskutiert. Die Grünen meinen, mit einem freiwilligen Verzicht von Hafenunternehmen weiter zu kommen. Hapag-Lloyd und die HHLA wollen jetzt auf Kernbrennstofftransporte verzichten. Da das praktisch kaum reale Auswirkungen hat (Analyse der Auswirkungen bei urantransport.de), reagierten Robin Wood und ContrAtom mit der folgenden gemeinsamen Pressemitteilung:

Verzicht auf Atomtransporte im Hamburger Hafen? Vor allem heiße Luft!
Der freiwillige Verzicht umfasst nur unter 10 Prozent der Transporte radioaktiver Stoffe im Hamburger Hafen

Der angekündigte Verzicht der Unternehmen HHLA und Hapag-Lloyd auf den Umschlag von Kernbrennstoffen in Hamburg ist ein kleines Zugeständnis, aber noch lange kein Durchbruch in der Auseinandersetzung um die Sperrung des Hafens für sämtliche Atomtransporte. Das stellen ContrAtom und ROBIN WOOD fest, die sich seit Jahren im Bündnis „Atomtransporte durch Hamburg stoppen!“ engagieren.

Medien brachten gestern Schlagzeilen wie „Atomtransporte im Hafen stehen vor dem Aus“ (Hamburger Abendblatt) oder „Hafenunternehmen verzichten auf Atomumschlag“ (NDR). In den Artikeln wurde berichtet, dass die Reederei Hapag-Lloyd und die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) künftig freiwillig auf den Umschlag von Kernbrennstoffen verzichten. Hamburger Atomkraftgegner*innen weisen darauf hin: Die Erfolgsmeldung ist nicht so groß, wie sie sich anhört. Praktisch machen die Transporte, auf die jetzt verzichtet werden soll, nur etwa zwei Prozent der durch Hamburg beförderten radioaktiven Stoffe aus. Im Jahre 2017 wären das 12 von 119 Transporten gewesen (also etwa 10%), bezogen auf die Masse sogar noch weniger, denn nur 367 Tonnen Kernbrennstoff wurden transportiert (Nettomasse), aber 8640 Tonnen sonstige radioaktive Stoffe (Bruttogewicht). Die Zahlen stammen aus Recherchen der Hamburger Systemoppositionellen Atomkraft Nein Danke Gruppe.

Zum einen umfasst der Verzicht nur Kernbrennstoffe, das heißt Stoffe, die spaltbar sind, insbesondere Uranprodukte erst nach dem Anreicherungsprozess. Nicht verzichtet wird also auf den Umschlag von Uranerzkonzentrat und nicht angereichertem Uranhexafluorid, beides sind Zwischenprodukte auf dem Weg zur Produktion von Brennelementen für Atomkraftwerke. Hapag-Lloyd beförderte 2017 etwa 3000 Tonnen (Bruttomasse) nicht angereichertes Uranhexafluorid in 12 Transporten, aber kein einziges Mal Kernbrennstoffe. Alle Atomtransporte durch Hapag-Lloyd werden also weiter gehen, vielleicht sogar weiter steigen wie bisher – vor dem Amtsantritt des rot-grünen Senats 2014 wurden durch Hapag-Lloyd nur knapp 1000 Tonnen Uranhexafluorid über Hamburg transportiert. Versorgt wird mit dem Uranhexafluorid vor allem die Urananreicherungsanlage in Gronau, die nicht vom Atomausstieg betroffen ist und weiter Uran für alle Welt anreichern darf.

Auch der Verzicht der HHLA bedeutet lange nicht das Aus der Atomtransporte in Hamburg, auch wenn dieser durchaus ein Anfang ist. Viele der über das HHLA-Terminal Altenwerder abgewickelten Atomtransporte werden weiter gehen, weil es sich dort vorwiegend um nicht angereicherte radioaktive Stoffe handelt, insbesondere um das – auch chemisch extrem gefährliche – Uranhexafluorid und um Uranerzkonzentrat. Der Abbau von Uran verursacht enorme ökologische Schäden und Menschenrechtsverletzungen.

„Dass zwei große Hafenbetriebe, an denen die Stadt Hamburg Anteile hat, nach vielen Protestaktionen endlich auf den Umschlag eines Teils der radioaktiven Stoffe, die zum Betrieb von Atomkraftwerken eingesetzt werden, verzichten, ist gut, aber reicht bei weitem nicht aus. Jetzt müssen zügig weitere Schritte folgen: HHLA, Hapapg-Lloyd und alle weiteren im Hafen tätigen Unternehmen müssen auf sämtliche Urantransporte verzichten. Wenn dies nicht freiwillig geschieht, ist eine gesetzliche Regelung nötig“, sagt Ronja Heise, Energiereferentin bei ROBIN WOOD.

Irene Thesing von ContrAtom ergänzt: „Viel herausgekommen ist bei dem freiwilligen Verzicht nicht. Im Hafen wird weiter Profit vor dem Schutz der Gesundheit der Menschen hier oder beim Uranabbau gehen – geschützt durch den Senat mit kleinen Happen zur Beruhigung der Bevölkerung. Deshalb bleiben auch weiter entschlossene Aktionen gegen die verbliebenen Transporte notwendig. In dem Zusammenhang sei auch darauf hingewiesen, dass Atomkraftgegner*innen für ihre Aktionen gegen die Transporte immer wieder vor Gericht stehen und vom Staat verurteilt werden – der nächste Prozesstermin ist am 25.4. um 9 Uhr vorm Amtsgericht Hamburg-Harburg wegen einer Abseilaktion gegen einen Urantransport aus der Firma C.Steinweg – die bisher keinerlei Verzicht ankündigte.“

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