Gronau: Tag-X-Kampagne gestartet – Keine Inbetriebnahme des Dauer-Uranmülllagers – sofortige Stilllegung der Urananreicherungsanlage

Rund 55 Anti-Atomkraft-Initiativen, Umweltverbände und Parteigliederungen fordern gemeinsam die NRW-Landesregierung sowie die Bundesregierung auf, das erste Atommüll-Zwischenlager Deutschlands für 60 000 Tonnen Uranoxid im westfälischen Gronau nicht in Betrieb zu nehmen und die Urananreicherungsanlage (UAA) Gronau sofort stillzulegen. Für den Fall, dass die NRW-Landesregierung die derzeit für 2015 geplante Inbetriebnahme der Uranmüllhalle genehmigt, kündigten die Anti-Atomkraft-Initiativen in einem Aufruf zum „Tag X“ Proteste in Gronau an.

Erweiterungsbau der Urananreicherungsanlage Gronau, 3.8.2014; Bild: aaawest

Erweiterungsbau der Urananreicherungsanlage Gronau, 3.8.2014; Bild: aaawest

Die Uranfabrik in Gronau ist vom Atomausstieg komplett ausgenommen und produziert ohne zeitliche Befristung jedes Jahr den Uranbrennstoff für jedes 10. AKW weltweit. Dabei fallen in Gronau jährlich bis zu 7000 Tonnen Uranmüll an.

„Die Urananreicherungsanlage Gronau entwickelt sich immer mehr zum Testfall für die Zukunft der Atomenergie und der Atommüllentsorgung in Deutschland. Erstens will die Bundesregierung auf die Urananreicherung auch nach 2022 nicht verzichten und zweitens will die NRW-Landesregierung offenbar erstmals die Lagerung von Atommüll ohne jede zeitliche Befristung genehmigen. Von einem Zwischenlager kann man also bei der neuen Uranlagerhalle gar nicht sprechen – wir befürchten in Gronau die schleichende Entstehung eines oberirdischen Endlagers, das nicht einmal gegen Flugzeugabstürze gesichert ist,“ so Udo Buchholz vom Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) und Mitglied des örtlichen Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau.

Die Urananreicherung und Uranmülllagerung in Gronau erfordern eine Unzahl an Urantransporten quer durch NRW, Europa und darüber hinaus. Natururan wird in Form von Uranhexafluorid aus Frankreich, Großbritannien, Kanada und den USA nach Gronau geliefert. Das als Atommüll anfallende abgereicherte Uranhexafluorid geht zur sogenannten „Dekonversion“ nach Südfrankreich und ab 2015 nach Großbritannien. Aus Frankreich und Großbritannien kommt es dann als Uranoxid zur zeitlich unbefristeten Dauerlagerung nach Gronau zurück. Allein in Südfrankreich warten schon 13 000 Tonnen Uranoxid auf den Transport nach Gronau, für die 12–15 Uranzüge nötig sein werden. Die Initiativen kündigten deshalb grenzüberschreitende Proteste gegen die zu erwartenden Uranmülltransporte nach Gronau an.

„Die Urananreicherung in Gronau ist unverantwortlich. Offiziell soll Deutschland aus der Atomenergie aussteigen, aber die Bundesregierung will den Uranbrennstoff made in Gronau weiter in alle Welt liefern. Und nun türmen sich in Gronau wachsende Uranmüllberge auf, deren Entsorgung völlig ungeklärt ist. Eine zeitlich unbefristete Lagerung in Gronau lässt Schlimmes befürchten. Die NRW-Landesregierung muss die Reißleine ziehen und die Urananreicherung in Gronau beenden,“ so Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

AtomkraftgegnerInnen kündigen Proteste an: Für die nächsten Monate sind im Rahmen der jetzt gestarteten Tag-X-Kampagne zahlreiche Protestaktionen geplant:

  • 7. September, 14 Uhr: Traditioneller Sonntagsspaziergang an der UAA Gronau
  • 5. Oktober, 13.30 Uhr: Kundgebung an der UAA Gronau
  • November: Französisch-deutsche Urantransportekonferenz in Münster
  • Tag X: Am Sonntag nach Bekanntwerden der Inbetriebnahme-Genehmigung durch die NRW-Landesregierung um 14 Uhr Kundgebung vor der UAA Gronau

Weitere Proteste entlang der Urantransportstrecken sind in Vorbereitung. Die Anti-Atomkraft-Initiativen bereiten sich auf eine lange, intensive Protestwelle gegen die zu erwartenden Uranmülltransporte vor. „Wir haben bekanntlich einen langen Atem“, so Udo Buchholz.

Auch contrAtom unterstützt den Aufruf zum Tag X in Gronau.

  • Tag X in Gronau – Keine Inbetriebnahme des ersten Dauer-Uranmülllagers!
    17. Juli 2014 – Im westfälischen Gronau steht die einzige Urananreicherungsanlage (UAA) Deutschlands. Zusammen mit der in Lingen stehenden Brennelementefabrik ist sie vom „Atomausstieg“ komplett ausgenommen. In Gronau wird zeitlich unbefristet weiter Atombrennstoff produziert. Und der Uranmüllberg wächst und wächst! Dafür soll ein neues Zwischenlager in Betrieb gehen. Lassen wir nicht zu, dass klammheimlich ein oberirdisches Dauerlager für den Uranmüll entsteht. Lassen wir nicht zu, dass die rot-grüne Landesregierung sich ihrer Verantwortung entzieht und die Bundesregierung den Atomausstieg zurückdreht!

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