Urananreicherung: Urenco-Börsengang “weiterhin mögliche Option” – Atomkraftgegner fordern Veto von Außenminister Steinmeier

Für die Bundesregierung ist ein Börsengang beim Verkauf des deutsch-britisch-niederländischen Urananreicherers Urenco „weiterhin eine mögliche Option“. Zugleich sei das Auswärtige Amt aufgrund der „nuklearen nichtverbreitungspolitischen Aspekte“ an den laufenden Verhandlungen „maßgeblich beteiligt“. Das geht aus einer jetzt veröffentlichten Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken hervor (Bundestags-Drucksache 18/1267, s. Anhang). Anti-Atomkraft-Initiativen und Umweltverbände fordern aufgrund der sicherheitspolitischen Brisanz der Urananreicherung ein Veto von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier gegen den Börsengang und Verkauf von Urenco.

Noch 2007 hatte Steinmeier im Handelsblatt mit Blick auf die Zukunft des Atomwaffensperrvertrags erklärt: „Wie stellen wir sicher, dass Staaten die Anreicherung von Uran nicht heimlich zum Bau von Atomwaffen nutzen? (…) Diese aufwändige Technologie ist aber auch der Schlüssel zu Atomwaffen. (…) Es ist nachvollziehbar, dass immer mehr Länder (…) selbst Uran anreichern wollen. Damit steigt aber auch die Gefahr des Missbrauchs.“ (Quelle: http://www.auswaertigesamt.de/DE/Infoservice/Presse/Interviews/2007/070502-Handelsblatt.html)

„Die Zentrifugentechnologie gilt als besonders geeignet für die Anreicherung von atomwaffenfähigem Uran. Der geplante Eigentümerwechsel bei Urenco und insbesondere ein Börsengang erhöhen die Risiken einer Weiterverbreitung von Atomwaffentechnologie und öffnen dem von Außenminister Steinmeier befürchteten Missbrauch Tür und Tor. Statt gefährliche Weiterverkaufspläne zu verfolgen, muss die Bundesregierung die Urananreicherung in Deutschland beenden,“ forderte Dirk Seifert von Robin Wood.

Urenco kein „internationales Vorbild“ bei nuklearer Nichtverbreitung

Die Anti-Atomkraft-Initiativen und Umweltverbände kritisieren zudem die Aussage der Bundesregierung, die Urenco sei „ein internationales Vorbild im Hinblick auf nukleare Nichtverbreitung“. Denn in den 1970er-Jahren verschaffte sich der pakistanische Atomforscher Dr. Khan ausgerechnet bei Urenco im niederländischen Almelo Zugang zur Urananreicherungstechnologie. Er wurde zum „Vater der pakistanischen Atombombe“ und verkaufte sein Wissen später auch an den Iran und nach Nordkorea.

„Wenn heute die Urananreicherung zu einem internationalen Sicherheitsproblem geworden ist, so geht dies auch auf das Versagen der Sicherheitskontrollen bei Urenco zurück. Die Bundesregierung sollte also gewarnt sein: Die jahrelangen Verhandlungen mit dem Iran belegen, dass eine Verbreitung der Urananreicherungstechnologie praktisch nicht rückholbar ist,“ so Udo Buchholz vom Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU).

Hintergrund zum Urenco-Verkauf:
Urenco gehört zu jeweils einem Drittel dem britischen und niederländischen Staat sowie zu gleichen Teilen EON und RWE. Im westfälischen Gronau betreibt die Urenco die bundesweit einzige Urananreicherungsanlage, die weltweit rund jedes zehnte AKW mit angereichertem Uran zur Brennelementefertigung beliefern kann. Die UAA in Gronau wurde vom Atomausstieg bislang ausgenommen und darf (noch) unbefristet weiterlaufen.

Weitere Urananreicherungsanlagen von Urenco befinden sich in Almelo (NL), Capenhurst (UK) und Eunice (USA). Zusammen mit Areva betreibt Urenco die ETC (Enrichment Technology Company), die u. a. für die Erforschung und Entwicklung der Zentrifugen verantwortlich ist. Größter Forschungsstandort der ETC ist Jülich.
Nach Medienberichten schwankt der geschätzte Verkaufswert von Urenco zwischen 2,5-14 Mrd. Euro.

  • Gronau: Atomkraftgegner kritisieren Urenco-Verkaufspläne
    23. April 2013 – Anti-Atomkraft-Initiativen und der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) kritisieren die aktuellen Verkaufspläne für die Urananreicherungsfirma Urenco. Nachdem die britische Regierung angekündigt hat, rund 3,5 Mrd. Euro aus dem Verkauf ihrer Drittelbeteiligung an Urenco erzielen zu wollen, fürchten die AtomkraftgegnerInnen nun, dass mögliche Käufer für diesen sehr hohen Verkaufspreis von den jetzigen Urenco-Eigentümern – neben dem britischen Staat auch der niederländische Staat sowie EON und RWE – möglicherweise schwerwiegende Zugeständnisse verlangen könnten.
  • Gronau: Internationale Diskussion um Urenco-Verkauf – Atomkraftgegner: “Stilllegen statt verkaufen!”
    18. Oktober 2012 – Beim Verkauf der britischen und deutschen Anteile am internationalen Urananreicherer Urenco bahnt sich nur wenige Tage nach der gescheiterten Großfusion von EADS und BAE Systems offensichtlich eine neue Auseinandersetzung zwischen der britischen, französischen und deutschen Regierung an. Laut einem Bericht der Sunday Times vom 14. Oktober plant der staatliche französische Atomkonzern AREVA entgegen früherer Dementis doch einen großen Einstieg bei Urenco, nachdem der britische Schatzkanzler George Osborne offiziell die Investmentfirma Morgan Stanley mit dem Verkauf der britischen Anteile beauftragt hat.

Quelle: PE Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen, Robin Wood, Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau, Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU); 12.05.2014

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