Bayerisches Fukushima würde Österreich massiv verstrahlen

In den nächsten Wochen soll die Entscheidung fallen: Statt die Risikoreaktoren Gundremmingen abzuschalten, will Bayern deren Leistung noch erhöhen und somit die verbliebenen Sicherheitsreserven beseitigen. Mit einem dringenden Appell fordert GLOBAL 2000, die Leistungserhöhung des AKW Gundremmingen zu verhindern.

Unfall-Szenario AKW Gundremmingen-B mit meteorologischen Daten am 20. August 1995

Unfall-Szenario AKW Gundremmingen-B mit meteorologischen Daten am 20. August 1995

Diese letzten noch laufenden Siedewasserreaktoren Deutschlands sind Gundremmingen B und C, Block A ist bereits 1977 verunfallt. Wie in Fukushima handelt es sich nicht um die heute verbreiteten Druckwasserreaktoren, sondern um alte Siedewasserreaktoren. Trotz einiger Unterschiede sind Gundremmingen und Fukushima vom Typ vergleichbar: So befindet sich das Abklingbecken in den bayrischen Reaktoren ebenfalls außerhalb des Containments und ist erhöht gelegen. Die Sicherheit dieser Siedewasserreaktoren ist generell niedriger als bei neueren Druckwasserreaktoren, weshalb der störanfällige Schwesterreaktor Krümmel im Jahre 2011 nach Fukushima für immer vom Netz genommen wurde.

Nun will die RWE als Betreiberin von Gundremmingen, die Leistung beider Reaktoren jeweils um bis zu 56 Megawatt erhöhen, auch wenn offiziell, um zu beschwichtigen, von „nur 20 MW“ die Rede ist. Sobald die Genehmigung für die Erhöhung der thermischen Leistung erteilt wurde, kann die dazu benötigte neue Turbine installiert und die zusätzliche Leistung von aktuellen 1344 MW auf 1400 MW hochgefahren werden. Dadurch würden in den ohnehin maroden Reaktoren die letzten Sicherheitsreserven ausgeschöpft und kleine Defekte könnten schneller zu noch größere Unfällen führen.

„Eine Leistungserhöhung von nur 4,2 Prozent kann gefährlicher sein als ein Neubau und ist somit ein weit unterschätztes Risiko“, erklärt Patricia Lorenz, Atomsprecherin bei GLOBAL 2000.

Eine der wichtigsten Lektionen aus der Katastrophe von Fukushima ist, dass die Sicherheitsreserven von AKW größer sein müssen als bisher gedacht und, dass auch von Behörden und Betreibern als unwahrscheinlich bezeichnete Ereignisse, wie Wasserstoffexplosionen sehr wohl eintreten können. Doch Gundremmingen scheint nichts aus Fukushima gelernt zu haben: Es wurden noch immer keine Rekombinatoren als Gegenmaßnahme installiert und die durchgeführten EU-Stresstests brachten auch noch weitere schwere Mängel zu Tage.

Die Reaktoren Gundremmingen stehen fast unmittelbar an der österreichischen Grenze: Sie sind nur 110 km von Bregenz, 155 km von Innsbruck, 240 km von Salzburg und 470 km von Wien entfernt. Zum Vergleich: Tschernobyl ist 1000 km entfernt und die radioaktive Wolke erreichte in nur drei Tagen Österreich. Eine Karte zeigt, welch großes Gebiet von einem Störfall in Gundremmingen betroffen wäre: global2000.at/gundremmingen-auswirkungskarte

  • Daher fordert GLOBAL 2000: Abschalten JETZT! Der dringende Appell an den bayerischen Umweltminister, die Leistungserhöhung des AKW Gundremmingen zu verhindern, kann hier unterzeichnet werden: www.global2000.at/gundremmingen
    • Sicherheitsexperten: Das AKW Gundremmingen ist nicht sicher
      31. Juli 2013 – Die Bürgerinitiative FORUM hatte den Wiener Professor und ehemaligen Leiter der Atomaufsicht im deutschen Bundesumweltministerium eingeladen. Er referierte über die Gefahren der zwei alten Gundremminger Siedewasserreaktoren. Dabei äußerte er sich auch zur beantragten Ausweitung der Leistung dieser Atommeiler.

    Quelle: global2000.at, 09.12.2013